Essen in Kitzbühel: Die Erstplatzierten

Essen in Kitzbühel: Die Erstplatzierten
Gut zu speisen ist vergnüglicher als mit ein paar Hunderten die Streif runterzujagen, findet Alexander Rabl. Zum Hahnenkammwochenende Kitzbühel in drei Gängen.

Ist eine etwas ernüchternde Erkenntnis, stimmt aber meistens. Wo Menschen mit Geld sind, siedeln sich wie die Putzerfische am Wal die wirklich edlen Restaurants an. Nun ist Kitzbühel nicht erst seit Toni Sailer hochberühmt, es ist auch filthy rich, wie die englischsprachigen Russen sagen würden, die sich hier mit den Münchnern um die wenigen noch vorhandenen Immobilien streiten. In Kitzbühel kochte schon Hasi Unterberger, bald dreißig Jahre ist das her, der zur ersten Handvoll der vom Gault Millau mit einer Haube ausgezeichneten Köche zählte. In den Unterberger Stuben, wo Witzigmann Stammgast war, wird heute leider nichts mehr serviert. Doch der Esser, der sich nicht nur von Kasspätzle und Weißwürsten nähren will, muss an diesem Ort nicht darben. Viel eher stellt er erfreut fest, dass sich das kleine Dorf nicht nur zu einer First-Class-Adresse für Modefreaks, sondern zu einer kulinarischen Oase entwickelt hat, die höchstens noch am Arlberg ihresgleich findet und sonst leider nirgends.

Woanders wird zugesperrt, hier wird aufgesperrt.

Essen in Kitzbühel: Die Erstplatzierten

Neue Eröffnungen, ein gelungener Umzug und ein frisch herausgeputztes Feinschmeckerrestaurant verschaffen dem Esser Vorfreude. Wenn er am Hahnenkammwochende dort essen will, wenn er sich die Gamsstadt an diesem Wochenende wirklich antun will, sollte er allerdings schon vor Monaten reserviert haben. Ab Montag ist es wieder ruhiger.

Moderne Klassik bei Bobby Bräuer

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Da ist einmal Bobby Bräuer, ein Witzigmannmann, der im Hotel Grand Tirolia eine Bühne hingestellt kriegte, wie sie sich ein Küchenchef wohl nur wünschen kann. Das Petit Tirolia liegt direkt am Abschlag des Golfplatzes. Und wenn er nicht gerade Ski fährt oder singt, kann man Herrn Hinterseher dort beim Abschlag bewundern. Genauso elegant, aber vielleicht etwas mondäner, ist die Performance von Bobby Bräuer und seinen Leuten. Eine Armada an Amuse Gueules, ein ernsthaft bespieltes Brotkörberl, der beste Champagner und überhaupt alles, was dieses Erdenrund an Gutem (und nicht gerade Billigem) zu bieten hat, stimmt die Gäste ein auf ein Erlebnis, das sie auch dann bemerkenswert finden, wenn sie nicht jeden Tag in Sternerestaurants speisen. Wobei: es ist klar, dass Bräuer wie alle in Deutschland geschulten Spitzenköche eine Schwäche für Topware aus dem Meer hat (und sie auch mehr als nur gekonnt zubereitet), doch genauso liebt er die Teile des Kitzbüheler Kalbs. Und wenn er irgendwann ein Stück Bries brät, oder auch ein ganzes Menü vom Kitzbüheler Kalb, dann lacht das Herz des heimatverbundenen Essers. Bei den Weinen wir er sich nicht aufs Heimatland beschränken müssen. Die Liste berühmter Burgunder alleine (wir reden von der Gegend, nicht allein von der Rebsorte) ist beeindruckender als die in vielen städtischen Hochrestaurants.

Heimatliebe. Aber nur am Teller.

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Die Gourmetstube im Hotel scheint in den Alpen nach wie vor das große Thema. Vielleicht liegt es am Marketing, dass sich jedes Hotel seit ein paar Jahren dem Thema Haubenküche und so weiter widmet. Der Gast lächelt zwar über die Innenarchitektur mancher Freßstuben im Bauernhausstil, doch er freut sich über die Auswahl. Auch das AROSA in Kitzbühel hat nach einigen Versuchen wieder einen guten Koch. Er heißt Andreas Senn, sein CV ist beachtlich. Und was er auf den Teller bringt, irgendwie auch. Eine Interpretation von Tiroler Schlutzkrapfen war bemerkenswert. Eine Consommé mit Ei und Kaviar nicht weniger. Davor war's ein Vielerlei vom Stubenkücken, dass allerdings wie eine Persiflage auf die gute alte Nouvelle Cuisine wirkte. Doch der junge Mann hat ein gutes Händchen, gerade auch für Garpunkte und Saucen. Das Heimatliebe selbst wirkt allerdings wie ein einziger gestalterischer Fehlgriff. Auch die den Alpenkitsch parodierenden Bilder an den Wänden helfen da wenig und passen auch nicht ins Gesamtbild. Leider ist es auch nicht gerade billig. Doch dafür kann die Küche nichts. . Auch kann sie nichts für die Gestaltung des Hoteleinganges, die an ein Sportwarengeschäft erinnert. Riesenhafte Tschickautomaten vor den WC inklusive.

Münichau: Schönes und Gutes.

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Ex-Tennerhof Direktor Theo Muntigl hat mit seinem Küchenchef Thomas Dreher eine neue Bleibe. Man ist nur ein paar hundert Luftmeter umgezogen ins behutsam und andachtsvoll hergerichtete Schloss Münichauu. Das Restaurant erhält durch sein grelles Grün eine frische Note. Es wirkt wie manche Herren aus guten Häusern, die sich gerne in pinken Hosen und gelben Pullovern kleiden, wenn sie nicht gerade in Deutschland Verteidigungsminister spielen. Vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet, gibt es schlimmeres. Auch Thomas Dreher hat dem Hummer und der Languste längst abgeschworen und kocht mit Produkten, die man sich recht regionsverbunden vorstellen kann. Etwas Flußkrebse legt er auf Kalbszunge, darunter eingemachtes Wintergemüse - und das ist fast schon ein Signature Dish. Und wie köstlich ist die Käseconsommé mit einem wie ein Schlutzkrapfen gedrehten Raviolo, der mit einem flüssigen Eidotter gefüllt ist und sich herrlich mit den frisch gehobelten Perigordtrüffel macht. Die Weinauswahl ist nicht groß, aber sehr preisgünstig, wie auch der Rest.

Simon Taxachers Imperium

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So dezent gibt es Simon Taxacher in seinem komplett umgebauten Taxacherhof nicht. In Kirchberg, zehn Taximinuten von der Kitzbühel Altstadt entfernt, sieht es aus wie nach einer Invasion von Aliens, die besoffen und mit leuchtfarbener Kluft über die Straßen taumeln. Doch keine Angst: es sind nur die Holländer. Der Taxacherhof wirkt in dieser Umgebung selbst wie ein Ufo. Das Restaurant wiederum, als hätten sie in Hong Kong oder London ein komplettes Lokal entführt und im Tirolerischen abgesetzt. Großzügigkeit, urbaner Schick und angenehme Farben kennzeichnen das neue "Rosengarten", das nur abends für seine Gäste aufsperrt. Die erwartet ein nicht alltäglicher Abend. Zur beachtlichen Auswahl an Champagnern gibt es einen extra für Taxacher ausgesuchten Imperialkaviar. Der wird dann mit einem Kleinkunstwerk aus Kartoffelpüree und Blini serviert und macht es den folgenden Gängen nicht gerade leicht. Taxacher serviert High End-Küche und sieht es als selbstverständlich an, dafür die feinsten Zutaten der Welt heranzuschaffen. Doch was er aus Gänseleber, Langustinos oder Wildente macht, ist alles andere als das übliche Luxusessen. Selten war eine Speisenkarte so spannend, fast immer hält der Teller, was diese versprochen hat. Und so wie im Rosengarten jetzt auch der Rahmen stimmt, so ist auch die Servicemannschaft bereit für den Sturm auf den Gipfel im Österreich-Rennen um die Pole Position. Die Wartezeiten allerdings, sie strapazieren mit der Zeit ganz schön.

Empfehlenswerte Adressen

Petit Tirolia im Grand Tirolia Golf & Ski Ressort, Eichenheim 8, Tel.: 053 56 66615821
Heimatliebe im A-ROSA, Ried Kaps 7, Tel.: 05256 656 60
Rosengarten, Aschauer Straße 46, 63 65 Kirchberg, Tel.: 05357 4201
Schloss Münichau, Restaurant Ritterstern, Münichau 1, 6370 Reith bei Kitzbühel,
T: 05356 62962

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