Der Cocktail um 555,-

Hauptsache billig sagen viele. Hauptsache teuer sagen wenige. Für letztere gibt es elit von Stolichnaya. Und einen Cocktail im Planter's.

Wenn in Kitzbühel, Lech und Wien die teuersten Champagner geöffnet werden und es in manchen Bars besonders stimmungsvoll zugeht, wissen wir wieder: Es ist 7. Jänner - russische Weihnachten. Für diese Periode übertriebenen Understatements hat sich die Wiener Bar Planter's Club etwas einfallen lassen. Der Cocktail besteht aus Champagner von Roederer, natürlich die Prestige-Ausgabe "Cristal", und einem raren Wodka namens elit aus dem Haus Stolichnaya.

Das Cocktailglas und der Perlmutt-Caviar-Löffel zum nach Hause nehmen

Dieser Cocktail mit dem viel versprechenden Namen "Planters elit Jewel“ soll die Kleinigkeit von 555,- kosten, ein Betrag, der sogar Immobilienunternehmer, Wirtschaftsanwälte und Schifahrer wie auch sonst Leute mit Geldsorgen stutzig machen könnte. Für den Russen von heute, wie man ihn sich am Kohlmarkt und im neuen "Goldenen Quartier" vorstellt, ist das gerade ein angemessener Betrag. Das Planters serviert den Drink mit elitärem Anspruch in einem mundgeblasenen Bleikristallglas und einem Löffelchen Belugakaviar auf Perlmuttlöffelchen. Löffelchen und Glas darf man sich nach Hause nehmen - eine Aktion, die so neu auch wieder nicht ist. Ich erinnere mich an die Kaffeehäferl, die es beim Rosenberger auf der Autobahn zur Hausmelange oder wie sie hieß, gegeben hat. Lange ist es her und ein Zeichen, dass das Budget des durchschnittlichen Reisenden mittlerweile beträchtlich vergrößert wurde.

Teures Wasser

Weil elit fast so rar ist wie Kaviar von wilden Stören (übrigens verboten und auch im Planter's handelt es sich wie fast überall um Zuchtware), ist das Angebot des seltenen Cocktails auf 25 Gläser beschränkt. Denn von dem Wodka, der aus Winterweizen und einem besonders klaren Wasser aus dem Himalaya gewonnen wird, gibt es weltweit nur 300 Flaschen. Wasser ist also das Geheimnis. Für den Vodka „elit by Stolichnaya The Himalayan Edition“, von dem in Österreich nur fünf Flaschen zu einem Stückpreis von 3.000 € erhältlich sind, wurde reinstes Wasser aus einem durch Eis und Stein geformten Reservoir am Himalaya entnommen.

Wie es sich gehört, geht ein Teil der Erlöse des Wodkas (Flaschenpreis 3.000.-) an eine Foundation, die sich um Wasser und seine Erhaltung kümmert, eine der wertvollsten Ressourcen der Welt.

Teuer trinken, Teil 1

Rokko No Mizu 
Das teuerste Wasser stammt aus dem Rokko-Gebirge in Japan. Erstaunlich: Es kostet vor Ort nicht einmal einen Euro pro Liter. Die Reise nach Europa sorgt allerdings für einen Wertzuwachs, den nicht einmal Red Bull mit seinem Zuckergetränk hinbekommt. Falls Sie wissen wollen, wie dieses Wasser schmeckt, fahren Sie ins Adlon nach Berlin. Übrigens hat Fokushima den Preis für Rokko No Mizu kaum beeinflusst.
124 Euro Bling h2o 
Das Mineralwasser entspringt in einer Quelle in Dandridge/USA und wurde zum besten Mineralwasser der Welt gewählt. Luxus ist auch die Flasche mit echten Swarovski-Kristallen.
123 Euro Püro
Französisches Edelwasser, findet sich außerhalb Frankreichs aber nur mehr selten.
64 Euro OGO
Das Wasser aus den Niederlanden verfügt über einen besonders hohen Sauerstoffanteil und soll deswegen sehr energiespendend sein. Wie gesagt: Soll.
35 Euro Cape Grim
Tasmanisches Regenwasser. Angeblich reiner als Mineral- oder Quellwasser.
33 Euro Veen
Aus der Konisaajo–Quelle im Norden Finnlands kommt dieses Wasser. So weich, dass man es blind erkennt.
31 Euro 
Lauquen
Das Wasser entspringt in der argentinischen Region Patagonia. Die Quelle liegt 533 Meter tief unter den Bergen. Der ökologische Fußabdruck eines Glases von diesem Wasser, getrunken zum Beispiel in Mistelbach, hat ungefähr Schuhgröße 20.000.
28 Euro Cloud Juice
Dieses Wasser besteht laut Etikette aus 9750 Tropfen Regenwasser aus Tasmanien und zählt zu den saubersten Wassern der Welt. Genialer Name übrigens.
26 Euro 10 Thousand BC
Als dieses Wasser entstand, hockten wir alle noch auf den Bäumen und dachten sicher nicht an die teuersten Mineralwässer der Welt, sondern eher, wann dieser verdammte Tiger da unten wieder abhauen würde. Dieses Wasser besteht aus aufgetautem Gletschereis aus der Eiszeit. Angeblich das reinste Wasser der Welt.
25 Euro Cape Karoo 
Preisgekröntes Wasser aus Südafrika mit positivem pH-Level und ausgewogenem Mineralgehalt.
23 Euro

Teuer trinken, Teil 2

Das Weingut Zahel aus Wien Mauer gibt seinen 5 Points Wiener Gemischten Satz um 150 Euro her. Jetzt fragt sich die österreichische Weinwelt kurz: Größenwahn, geniales Marketing oder am Ende doch sogar gut? Alexander Rabl hat ihn probiert. Richard Zahel und Alexander Skoff vom Weingut finden den kleinen Wirbel um den teuersten Wein des Landes vermutlich sogar lustig. Denn: so bleibt man im Gespräch. Die Trauben kommen aus fünf verschiedenen Lagen in Wien. "Perfektes Terroir" sagt Skoff. Der Aufwand sei beträchtlich gewesen, der Preis schwer kalkulierbar. Da sagte Skoff: "Gut, sind wir halt die Teuersten." Kann ein Gemischter Satz aus Wien so viel, dass er das kosten kann? Die Zahels spielen mit ihrem 5 Points preislich plötzlich in einer Liga mit den besseren Montrachets oder Meursaults und dem einen oder anderen großen Weißwein von der Loire oder der südlichen Rhone. Sie müssen sich jetzt dem Vergleich mit gefeierten Rieslingen aus Deutschland stellen. Aus Österreich gibt es keine Weine zu diesem Preis. Wenig erinnert im Glas an einen Wein, den wir uns vorstellen, wenn wir hören: Wiener Gemischter Satz. Facettenreicher Duft ja, die üblichen exotischen Aromen ja, aber auch heftig Alkohol. Kein Getränk zum Heurigenbuffet. Auch nicht für die Terrasse. Der Shitstorm, unter den die Zahels mit ihrer Weinkreation geraten sind, war nicht ohne. Allerdings: Ohne den Neid der anderen geht bei uns halt gar nichts. Derweil freut sich der junge Alexander Skoff, dass es ihm mit diesem Marketingtrick gelungen ist, knapp vor der Vievinum ein bisschen für Diskussionen zu sorgen. Die Frage muss natürlich gestellt werden dürfen: Wer soll seinen Wein zu diesem Preis trinken? Das werden sich vermutlich vor allem Zahels Importeure in Übersee und Asien ausmachen müssen.
(Kurier) Erstellt am
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