Hypo war "gutes Geschäft für Österreich"
Hypo: Die Liste der Abkassierer Zum Hauptartikel
Auf der Investorenliste des Vermögensverwalters Tilo Berlin soll auch Karl-Heinz Grasser stehen. Der dementiert aber.
Karl Heinz Grasser soll Teil von Berlins Liste sein - er dementiert
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Jetzt liegt sie vor: Die geheimnisumwitterte Liste jener 46 Investoren, die beim Verkauf der Hypo-Alpe-Adria-Bank an die Bayerische Landesbank kräftig mitgeschnitten haben. Die Liste wurde dem Nachrichtenmagazin profil Donnerstag zugespielt.
Sie wirft ein Blitzlicht auf Österreichs "High Society": Großindustrielle, Adelige und Polit-Freunde. Laut dem Magazin format soll sich auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser hinter einer der Treuhandfirmen, die auf der Liste erwähnt werden, befinden. Grasser ließ den format -Bericht aber umgehend dementieren: Es stimme nicht, dass Grasser während seiner Zeit als Finanzminister Ende 2006 über eine Schweizer Treuhandgesellschaft einen Hypo-Genussschein im Wert von 500.000 Euro gezeichnet und damit einen satten Gewinn erzielt habe, teilte sein Anwalt Manfred Ainedter mit. "Nicht überall, wo ein Skandal ist, ist ein Grasser drin", sagte Ainedter.
Offen aufgelistet ist dagegen der Tiroler Holzindustrielle Friedrich Klausner, dessen Mutter im Frühjahr 2008 einen handfesten Krach mit Grasser und Ehefrau Fiona hatte: Frau Klausner ist Besitzerin des Unterhirzinger Hofs in Kitzbühel, den die Grassers bewohnen.
Unter den Hypo-Investoren finden sich so prominente Namen wie Ingrid Flick, Witwe des Industriellen Friedrich Flick, Marie Maculan aus der Familie des Bauindustriellen Alexander Maculan, Ferdinand Piëch junior, Sohn des VW-Patriarchen, die Speditionsunternehmerin Heidegunde Senger-Weiss, Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung und Ex-Skistar Harti Weirather sowie die Adeligen Orsini-Rosenberg und Goess. Letztere sind Miteigentümer des Mayr-Melnhof-Konzerns, deren Ex-Chef Michael Gröller ebenfalls zu den Investoren zählt.
Gröller wurde so wie die anderen Investoren vom Vermögensverwalter Tilo Berlin - der mit Filippa Goess verheiratet ist - Ende 2006 wegen einer Hypo-Beteiligung angesprochen.
Riskant
Micheal Gröller"Ich und meine Kärntner Freunde haben das damals als high risk eingestuft. Aber 2006 boomte Osteuropa und der Verkauf der Bawag war gerade zu einem guten Preis über die Bühne gegangen. Wir dachten daher, dass ein späterer Börsegang der Hypo Erträge bringen könnte", erklärt Gröller im KURIER-Gespräch. Insgesamt 250 Mio. Euro hat die Investorengruppe in zwei Tranchen der Hypo als Kapitalerhöhung zur Verfügung gestellt. Die zweite Tranche gab es Anfang März 2007.
Ob das Investment tatsächlich riskant war, oder ob Tilo Berlin vielleicht schon vorher gewusst hat, dass die Bayerische Landesbank die Anteile zu einem höheren Preis übernehmen wird, prüfen nun die Staatsanwälte in München. Die 46 Investoren jedenfalls haben zwischen ihrer Erst-Beteiligung an der Hypo Ende 2006 und dem Weiterverkauf an die Bayern im Mai 2007 insgesamt 150 Mio. Euro verdient.
Korrekt
Gegen Gesetze verstoßen haben die Investoren allerdings nicht. "Wir haben uns korrekt verhalten. Wir haben unser Geld hergegeben und hätten brav wie die Schafe bis zu einem Börsegang fünf Jahre stillgehalten", betont Gröller. Auch Ainedter sieht grundsätzlich "keinen strafbaren Tatbestand".
"Insiderhandel", wie deutsche Medien berichten, ist den Investoren nicht vorzuwerfen. Den Straftatbestand des Insiderhandels gibt es nur bei börsenotierten Unternehmen. Die Münchner Staatsanwälte könnten höchsten "Untreue" eines Bankvorstands untersuchen, falls er die Bank vorsätzlich geschädigt hat - etwa weil er zu viel für die Hypo bezahlt hat.
In Österreich jedenfalls wurden Steuerzahler nicht durch den Verkauf geschädigt. Das Land Kärnten hat seine Hypo-Anteil nämlich direkt an die Bayern verkauft und damit einen höheren Preis erzielt. Denn beim Verkauf an die Bayern im Mai 2007 wurde die Hypo mit 3,3 Mrd. Euro bewertet. Ein halbes Jahr zuvor, beim Einstieg der Berlin-Investoren, lag der Hypo-Preis bei 2,5 bis 2,7 Mrd. Euro.
Nur Hypo- Miteigentümer Grazer Wechselseitige (GraWe) hat ihre 15 Prozent an die Berlin-Gruppe veräußert und damit weniger Geld bekommen als beim Direkt-Verkauf an die Bayern. Darüber ärgern will sich GaWe-Chef Othmar Ederer aber nicht: "Ob man sich im Nachhinein ärgert, ist irrelevant. Wir haben im Dezember 2006 entschieden, an die Berlin-Gruppe zu verkaufen." Für Ederer ist der Verkaufsprozess an die Bayerische Landesbank nicht - wie mehrfach kritisiert - übereilt gekommen. Schon im Februar 2007 habe es erste Gespräche gegeben.
Die 47 Investoren
Aufrecht Hans-Werner, Deutschland
Constantia Privatbank AG, Österreich
Goess, S. H. Graf Clemens, Österreich
Gröller Michael, Österreich
Hardt Group Securities S. A., Luxemburg
Kiefer GmbH, Deutschland
Maxim's Privatstiftung, Österreich
HW Equity Beta GmbH, Österreich
Orsini-Rosenberg, S. H. Graf Mathias, Österreich
Arndt Klippgen, Deutschland
Piëch Vermögensverwaltung GbR, Deutschland
Schwarzkopf Oliver, Deutschland
SE Sports Entertainment Anstalt, Österreich
Sorger, Dr. Veit, Österreich
Spitzy, Mag. Miguel, Österreich
Stärker Alexander, Deutschland
Stärker Hubert jun., Deutschland
Dr. Weiss Beteiligungs GmbH, Österreich
Orsini-Rosenberg, S. H. Graf Ferdinand, Österreich
Friedrich Klausner, Österreich
Ferint AG, Österreich
Dr. Helmut Maucher, Deutschland
Inter Swiss Trust AG, Schweiz
Dr. Hauri Trust AG, Schweiz
Familie Max Stürzer GbR II, Deutschland
Ms. Heidegunde Senger-Weiss, Österreich
Dipl.-Ing. Paul Senger-Weiss, Österreich
Walter Steyer, Deutschland
Ingrid Flick, Deutschland
Südufer GmbH, Österreich
Alexander von Leeb, Österreich
Alexander Wardt, Österreich
Heinrich Gröller, Österreich
Elisabeth Gröller, Österreich
Johannes Wendt, Österreich
Dr. Wulf Dieter Klaus Frisee, Österreich
Christoph Tscholl, Österreich
Frapag, Österreich
Marie Maculan, Österreich
Anjuta Aigner-Dünnwald, Deutschland
Patrick Nathe, Deutschland
CMB Controlling und Management Beratung GmbH, Deutschland
Natascha Nathe, Norwegen
Hr. Nörenberg, Deutschland
Heinz Dürr GmbH, Deutschland
Cheyne Special Situations Fund L.P., Großbritannien





