Kommunalkredit: 100 Mio. in Dubai offen
Dubai-Schock lässt Kurse runterrasseln Zum Hauptartikel
Das Emirat versucht nun die Finanzmärkte zu beruhigen. Nachdem der ATX gestern abgerutscht war, konnte er sich heute Mittag wieder stabilisieren.
"Dubai under construction": Die Ankündigung des Emirats wirbelte nicht nur arabischen Wüstensand auf.
DruckenSendenLeserbrief
kommentieren
Nach der überraschenden Bitte um Zahlungsaufschub hat der Golfstaat Dubai die Finanzmärkte zu beruhigen versucht. "Wir verstehen die Unruhe der Märkte und besonders der Gläubiger", teilte der Vorsitzende des obersten Haushaltsausschusses des Emirats, Scheich Ahmed bin Said el Maktum am Donnerstag mit. Das Vorgehen sei notwendig gewesen, um "entschieden" gegen die Schuldenlast vorzugehen. Dubai habe eine "nachhaltige" Wirtschaft, die nach einem "Jahrzehnt beispiellosen Wachstums" über große Rücklagen verfüge.
Die Ankündigung aus Dubai hatte Börsen weltweit nach unten gezogen. Vor allem islamische Finanzprodukte in Asien fielen am Donnerstag im Schnitt um 15 Prozent, der Deutsche Aktienindex in Frankfurt schloss mit einem Minus von mehr als drei Prozent. Auch andere europäische und asiatische Börsen rutschten ab. Der heimische ATX rutschte Freitagfrüh um 70 Punkte ab, konnte sich aber mittlerweile wieder stabilisieren.
Betroffen von der Bitte um Zahlungsaufschub sind die Kreditgeber des Staatsfonds Dubai World und von dessen Immobilientochter Nakheel. Diese bauen die berühmten Palmeninseln vor der Küste von Dubai, die als Symbol des aufstrebenden Emirats gelten.
Ölpreis
Börse: Bis zu minus 15 Prozent.Zweifel an der Zahlungsunfähigkeit des Emirats Dubai und schwache japanische Konjunkturdaten haben den Ölpreis am Freitag stark ins Minus gedrückt. Die führende US-Ölsorte WTI brach um 4,5 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Tief von 74,49 Dollar (49,4 Euro) je Barrel ein. Dies ist der größte Kursrutsch seit zwei Monaten. Brent verbilligte sich um 1,5 Prozent auf 75,86 Dollar.
Laut dem britischen Premier Gordon Brown ist die Weltwirtschaft inzwischen wieder robust genug, um die Folgen der Finanzprobleme des Emirats Dubai zu verkraften. "Nach meiner Meinung ist das Finanzsystem nun stärker und in der Lage, mit den aufkommenden Problemen umzugehen", sagte Brown am Freitag. Es ist zwar ein Rückschlag, aber er hat nicht das Ausmaß der vorangegangenen Probleme, die wir zu bewältigen hatten. Er gehe davon aus, dass die globale Erholung inzwischen unabhängig von den Hilfspaketen zum Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise sei.
Internationale Pressestimmen
"The Independent": "Die weiteren wirtschaftlichen Konsequenzen der Geldnot Dubais sollten nicht unterschätzt werden. Viele größere Banken auch hierzulande könnten bis zu einem gewissen Grad den Schulden aus Dubai ausgeliefert sein. Wenn sie nun gezwungen sind, Kreditwerte abzuschreiben, könnte das ernsthafte Auswirkungen auf unsere Wirtschaft haben. Je schwächer die Banken, desto weniger leihen sie den heimischen Unternehmen. Auch für die globale Wirtschaft wäre das fatal. "
"Financial Times Deutschland": "Für manche Anleger mag das, was seit Donnerstag auf den Finanzmärkten los ist, überraschend sein. Anderen war die schöne heile Welt der vergangenen Monate schon längst nicht mehr geheuer. Viele Märkte hatten geboomt, als sei die Finanzkrise bereits eine ferne Anekdote aus den Geschichtsbüchern...Die drohende Pleite des Emirats Dubai hat die Finanzkrise mit einem Schlag wieder zurück in die Gegenwart geholt und mit ihr die Angst und Unsicherheit. Der Fall Dubai zeigt, wie fragil der globale Aufschwung noch ist."



