Tuesday, May 22, 2012

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Fremdenführer sind lebende Lexika

Beruf und Berufung: Der Job des Fremdenführers ist mehr als nur ein nettes Hobby. Fünf Menschen und ihre ganz besondere Leidenschaft

Letztes Update am 20.02.2012, 17:56


Viel Geschichte und viele Geschichten wissen Fremdenführer wie Christa Bauer zu erzählen.

Es gibt eine Frage, die staatlich geprüfte Fremdenführer gar nicht gerne hören: Ist Fremdenführer überhaupt ein Beruf? Was sie auch nicht mögen: Das sind Kollegen, die mit Wikipedia-Ausdrucken herumlaufen, ohne Plakette, ohne Diplom, und Touristen damit die Welt erklären. "Mich trifft es immer hart, wenn man unseren Beruf als Hobby abtut", erklärt Christa Bauer, die sich ehrenamtlich und durchaus energisch um eine Imagekorrektur ihres Berufsstands bemüht. "Immerhin haben wir eine mehrsemestrige Ausbildung und Erfahrung."

In Österreich gibt es rund 1500 ausgebildete Fremdenführer, mehr als die Hälfte in Wien. Acht von zehn Guides sind übrigens immer noch Frauen. Am 21. Februar ist Welttag der Fremdenführer – eine gute Chance also, um auf das eigene Gewerbe aufmerksam zu machen.
Gute Führung "Für eine gute Führung braucht man das nötige Wissen und Fingerspitzengefühl", erklärt Kollege Walter Juraschek. "Man kann von diesem Beruf leben, immer vorausgesetzt, man ist fleißig, und man ist bereit, sich ein Leben lang weiterzubilden."

Bauer und Juraschek sind zwei von fünf wandelnden Lexika, die der KURIER-Redakteur bei ihrer Arbeit begleitet hat. Auffallend ist sofort, dass sie alle nicht auf den Mund gefallen sind, viel Geschichte und viele Geschichten zu erzählen wissen. Und dass sie mit teilweise sehr unterschiedlichen Angeboten aufwarten können.

Durchs Museum: "Und ich darf sagen: Ich mag die Menschen"


Hier geht es lang: Die Fremdenführerin Brigitte Lindinger führt durch das Wiener Leopold-Museum.

Sie hat als ausgebildete Pharmazeutin jahrelang in Wiener Apotheken gearbeitet, ehe sie ganz andere Seiten der Stadt kennenlernen wollte. Seit 17 Jahren arbeitet sie als Fremdenführerin. Heute führt Brigitte Lindinger, 71, in erster Linie Gruppen durch das Leopold-Museum, in der schönen Jahreszeit auch durch die Stadt.

Ihre Erfahrung: "In unserem Beruf muss man die Menschen mögen. Und ich darf sagen: Ich mag sie. Schon in der Apotheke war ich eine Art Klagemauer für die Kunden. Bei meinen Führungen ist es wichtig, dass man die Menschen dort abholt, wo sie gerade stehen. Was auch gut ist: Dass mich das Museum zum lebenslangen Lernen anhält."

www.austriaguides.at

Auf dem Friedhof: Die Bewegung in der Natur"


In ihrem Element: Hedwig Abraham auf dem Zentralfriedhof.

Sie hat nach der Matura und mehreren Reisen durch Europa ihre Liebe zur Kunstgeschichte im Allgemeinen und zu Wien im Speziellen entdeckt. Seit 18 Jahren arbeitet sie als Fremdenführerin. Heute ist Hedwig Abraham, 46, in Wien eine Spezialistin für Friedhofstouren.

Ihre Erfahrung: "Mir taugt das ständige Erforschen der Stadt, die Arbeit mit Menschen und speziell bei meinen Führungen auf den Wiener Friedhöfen die Bewegung in der Natur. An sich ist auch die freie Zeiteinteilung fein. Wobei man sagen muss: Im Frühling und Herbst habe ich nur selten freie Tage. Nach drei Führungen an einem Tag bin ich dann ganz froh, wenn ich mich in der U-Bahn niedersetzen kann."

www.viennatouristguide.at

Auf zwei Rädern: "Das gewisse Gefühl von Freiheit"


Auf dem Platz ein Held: Rudy Evers radelt auch bei Wind und Wette.

Er hat schon während des Studiums der Betriebswirtschaft Touristen durch die USA geführt. Und blieb dieser Beschäftigung nach dem Studium treu. Seit 25 Jahren ist er Fremdenführer in Wien. Heute bietet Rudy Evers, 62, Stadttouren zu Musik, Geschichte und Architektur mit Fahrrad und Segway an.

Seine Erfahrung: „Mir gefällt das gewisse Gefühl von Freiheit, das man als Fremdenführer meistens hat. Ich spreche fünf verschiedene Sprachen, da kommt man mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch. Fein ist auch, dass wir wie Schauspieler auf der Bühne unmittelbar ein Feedback bekommen. Mich freut es, wenn am Ende applaudiert wird. Und gegen ein Trinkgeld ist auch nichts einzuwenden.“

www.austriaguides.com

Durch das jüdische Wien: "Wünsche mir das ewige Leben"


Auf der Mazzesinsel: Walter Juraschek ist gelernter Kunsthistoriker.

Er hat nach dem Volkskunde- und Kunstgeschichtestudium lange in der Flüchtlingshilfe und beim Verein Wiener Jugendzentren gearbeitet, wollte sich dann neu orientieren. Seit sieben Jahren ist er Fremdenführer. Heute bietet Walter Juraschek, 62, Touren durchs Mittelalter-Wien und vor allem durchs jüdische Wien.

Seine Erfahrung: "Ich entdecke jeden Tag etwas Neues, sodass ich ehrlich sagen muss: Ich wünsche mir das ewige Leben. Es reicht übrigens nicht, wenn man sich nur für seine Stadt interessiert. Man muss sich auch für die Menschen interessieren, die man führt. Krank werden sollte man übrigens am besten jetzt im Winter, außerhalb der Saison."

www.my-vienna-guides.at

Durch die Wachau: "Der absolute Traumberuf"


Die Donau so blau: Christa Bauer ist eine Expertin für die Wachau.

Sie hat zuvor bereits 16 Jahre lang in der Touristikbranche gearbeitet. Seit zehn Jahren ist sie als Fremdenführerin unterwegs. Heute bietet Christa Bauer, 44, Touren durch die Wachau, das Wien des Mittelalters, der Musik, der Kulinarik und Erotik.

Ihre Erfahrung: "Für mich ist das der Traumberuf. Man kommt mit unterschiedlichen Leuten zusammen, die fast immer gut gelaunt sind, hat mit den schönen Dingen des Lebens zu tun, kann überall in Österreich aus dem Vollen schöpfen. Besonders schön ist es, wenn ich bei Führungen auch Einheimischen ein Aha entlocken kann. Wichtig ist für mich die richtige Mischung aus Unterhaltung und Information."

www.touristguides-austria.at

Gratis-Touren: Gemma Österreich schauen – am Wochenende

Der Welttag Der Welttag der Fremdenführer erinnert an die Gründung der World Federation of Tourist Guide Associations am 21. Februar 1985 in Wien.

Aktionstage
Am kommenden Wochenende finden daher in Wien und in den Bundesländern etliche Veranstaltungen statt.

Gratis-Führungen In Wien sind Gratis-Führungen im Museum für Volkskunde und in der
Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste geplant. Am Sonntag wandeln die Wiener Fremdenführer "Auf den Spuren der habsburgischen Niederlande in Wien" rund um die Hofburg.

Mehr Infos im Internet, u. a.: www.guides-in-vienna.at, www.austriaguides.at

Das Video: Fremdenführer

webfreetv

"Man muss die Menschen mögen" - Fremdenführerin Brigitte Lindinger im Video-Porträt.


Letztes Update am 20.02.2012, 17:56


Artikel vom 20.02.2012 16:59 | KURIER | Uwe Mauch | « zurück zu Reise


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