Monday, May 21, 2012

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Portugal: Brot, Spiele und Bacalhau

Guimarães, die Wiege Portugals, feiert sich selbst ... Als Kulturhauptstadt 2012 lässt sie das Mittelalter wieder lebendig werden und kämpft mit Kunst gegen die Krise an.

Letztes Update am 11.02.2012, 08:44


Liebe, Eifersucht / Asche und Glut / Schmerz und Schuld / Das alles existiert / Das alles ist traurig / Das alles ist Fado. Amália Rodrigues, die Königin des Fado, hat versucht zur erklären, was den eigentümlichen Reiz dieser Lieder ausmacht. Das ist der stets schwarz gekleideten Sängerin mit der melancholischen Stimme gelungen.

Die Künstlerin, die 1999 gestorben ist, hat noch etwas geschafft. Sie hat damit auch Portugal beschrieben. Portugal ist Fado. Und Guimarães ist Portugal.

In diesem 52.000-Einwohner-Städtchen im Norden des Landes, das nur rund 50 Kilometer von Porto entfernt ist, wurde Geschichte geschrieben.

Hier steht die Wiege Portugals, die Berço da Nacionalidade. Heuer steht Guimarães noch einmal im Mittelpunkt und hat die Chance, endlich aus dem Schatten Portos herauszutreten.

Gemeinsam mit Maribor ist es europäische Kulturhauptstadt 2012. Ein ganzes Jahr lang wird gefeiert, der Schuldenkrise zum Trotz – mit Musik, Theater, Ausstellungen. Brot und Spiele statt jammern und klagen.

Alles begann vor mehr als 1.000 Jahren, als Gräfin Mumadona Dias im Jahr 960 ein Kloster stiftete und eine Burg zum Schutz der Bevölkerung bauen ließ.

Mehr als 100 Jahre danach kam Heinrich von Burgund, um in der Grafschaft Portucale zu herrschen. Er machte Guimarães zu seinem Stammsitz.

Hier kam auch Dom Afonso Henriques, Portugals erster König, zur Welt, der 1139 die Mauren besiegte und rief: "Aqui nasceu Portugal" – "Hier wurde Portugal geboren." Der Ausspruch ist für jedermann auf der Stadtmauer nachzulesen.

Das Mittelalter ist heute noch allgegenwärtig in Guimarães. Bei einer Bica, der portugiesischen Variante des Espresso, in einem der Cafés am Largo da Oliveira, dem schönsten Platz der Stadt.

Umgeben von gotischen Arkaden und frisch renovierten Fassaden. Beim Schlendern durch die engen Gassen, die Rua de Santa Maria oder ...

... am Largo do Toural, wo die Männer einander zum Kartenspiel, zur Diskussion über die Fußballspiele des Vorabends oder die Weltlage treffen.

Wenn helles Sonnenlicht die Straßen erhellt, sieht man erst auf den zweiten Blick, dass in dem winzigen abgedunkelten Geschäftslokal ein Barbier im grünen Nylonmantel geschickt mit dem großen Rasiermesser hantiert.

Und nur der intensiv fischige Geruch führt immer der Nase nach in das Geschäft, wo Bacalhau, also Stockfisch, in allen Varianten feilgeboten wird.

Der eingepökelte Kabeljau ist das Nationalgericht, für das die Portugiesen angeblich 365 Arten der Zubereitung kennen. Für jeden Tag des Jahres eine. Mögen muss man ihn halt.

Kultur für alle

Mehr als 6.000 Events – Konzerte, Theater, Filme, Straßenshows und Ausstellungen – sollen während des ganzen Jahres 1,5 Millionen Besucher anlocken.



Letztes Update am 11.02.2012, 08:44


Artikel vom 09.02.2012 16:44 | KURIER | Eva Gogola | « zurück zu Reise


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