Monday, May 21, 2012

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Die schönsten Autos der Geschichte

Motor-Magie: Die beliebte Serie aus dem freizeit-KURIER. Dieses Mal mit VW Bulli, Renault Floride, VW Käfer und vielen anderen Modellen.

Letztes Update am 20.02.2012, 09:21


VW BUS

Geräumig, genial, kultig: Der Transporter aus Wolfsburg gilt als erster Van der Welt. Geschichte ist die Legende aber noch lange nicht, denn das Multitalent wird bald einen Nachfolger haben – den neuen Bulli.

Blumenkinder, Taxifahrer, Großfamilien. Sie alle wurden mit diesem Vehikel glücklich. Mehr noch: Der Bulli zaubert selbst Menschen, die noch nie in dieser automobilen Legende Platz genommen haben, ein Lächeln aufs Gesicht.

Dabei war sein Anliegen durchaus ernst gemeint: zu transportieren, Waren und Menschen aller Art. Sogar Popstars wie The Who, die in dem Bus aus Deutschland ihren "Magic Bus" fanden.

Sechs Jahrzehnte lang ist er schon unterwegs und zwar im unterschiedlichsten Outfit – als Pritschenwagen, Kastenwagen, Reisebus mit Aussichtsfenstern oder als Campingmobil. Als Samba-Bus (gr. Bild) vermittelte er auch fern von Meer und Strand Copacabana-Feeling. In der Bulli-Szene hält sich zudem hartnäckig das Gerücht, dass das 1947 vom niederländischen Volkswagen-Importeur Ben Pon angedachte Original überhaupt Urahn aller Vans und Wohnmobile sei. Wohl nicht zufällig trug die erste Generation auch freudig ein "V" im Gesicht.

Maximale Raumausnutzung und klare Proportionen kennzeichneten bisher das Erscheinungsbild des Originals. So soll es auch bleiben. Denn der Nach-folger – im Februar als Studie in Genf präsentiert – zeigt sich als Retro-Bulli erneut mit frontalem "V". Sein Name "Microbus". In ein paar Jahren könnte er auf dem Markt sein – mit Batterie statt mit Boxermotor.

Bauajahr: 1950-2011

Hubraum: 1.131-1.968 ccm

Leistung: 25-204 PS

Höchstgeschwindigkeit: 75-191 km/h

Insgesamt hergestellt:

mehr als 10,000.000 Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: VW Microbus

RENAULT FLORIDE

Französischer Chic, italienische Grandezza und ein Sexsymbol am Steuer: Vor mehr als 50 Jahren räkelte sich Brigitte Bardot auf der Motorhaube dieser europäischen Schönheit mit amerikanischem Beinamen.

Ästhetik im Automobilbau. Jetzt, da vorwiegend Leistung erwartet, der Effizienz gehuldigt und nach dem Geschmack der Massen gefahndet wird, fast schon ein Fremdwort. Schade. Für einen Gestaltungskünstler wie Pietro Frua (1913-1983) aus Turin stand die Schönheit über allem. Auf sein Konto gingen Prachtexemplare wie der Glas 2600 V8, der Volvo P1800, der Monteverdi 2000 GT – und eben auch der Renault Floride.

Im Unterschied zu den erwähnten Sportlern und Luxussportlern war der schnittige Zweitürer aus Frankreich kein Spielzeug für Reich & Schön. Er war ein auch für Bausparer leistbarer Traumwagen.

Weißwandreifen, lang gestreckte Motorhaube, keck gewölbte Panoramascheibe und angedeutete Heckflossen: Elegante Merkmale wie diese rechtfertigten den amerikanischen Beinamen des gassenkreuzenden Flitzers. Unter waschechten Straßenkreuzern blieb die "Floride" jedoch eine Exotin. Selbst ein spektakulärer Werbeauftritt von Brigitte Bardot machte sie in Übersee nicht zum Exportschlager. Dabei wurde die ursprüngliche Idee zu dem schlanken Coupé und Cabriolet bei einem Treffen des damaligen Renault-Chefs Pierre Dreyfus mit US-Händlern geboren. Aber, wie heißt es so schön auf Französisch? "C’est la vie".

Immerhin führte das stimmig gezeichnete Modell in Europa zehn Jahre lang eine erfolgreiche Nischenexistenz. Eigentlich erstaunlich, weil sich mittendrin sogar der Name ändern sollte: Dem 2+2-Sitzer wurde 1962 der zuvor nur den USA vorbehaltene Namen "Caravelle" verpasst. Obwohl mit höchstens 52 PS im Vergleich zu den US-Muscle-Cars hoffnungslos untermotorisiert, war der filigrane "Sportwagen" in fast allen Daten dem damaligen britischen Nationalstolz ebenbürtig, der Triumph Spitfire 4.

Baujahr: 1958-1968

Hubraum: 851-1.108 ccm

Leistung: 35-52 PS

Höchstgeschwindigkeit: 130-145 km/h

Insgesamt hergestellt: 117.113 Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: Mégane Coupé-Cabriolet Floride

VW KÄFER

Der Prototyp wurde 1935 fertig, das letzte Exemplar lief 2003 vom Band – in Mexiko. Dazwischen war der "Kugelporsche" treuer Begleiter von Polizei und Post, Werbe-Idol, Hollywoodstar und wurde auch gerne von Prominenten wie John Lennon und Götz George gefahren. Literat Thomas Bernhard besaß gleich mehrere.

Lauter Heckmotor, lausige Heizung und technisch wohl nie auf der Höhe der Zeit. Kurios, dass der rundliche Viersitzer aus Wolfsburg dennoch zum Bestseller wurde. Was heißt? Wenn auf ein Auto das Attribut "Kult" wirklich passt, dann auf ihn, den Käfer.

Bild: Der Prototyp von 1935.

In Deutschand war der Zweisitzer mit den zwei Auspuffrohren (ab 1955) der Motor des Wirtschaftswunders. In den USA – seinem wichtigsten Exportmarkt – entwickelte sich der Volkswagen fast vom Start weg zum Liebling der Gegenkultur. Dazu passt, dass die Antithese eines Amischlittens seinen Namen der New York Times verdankt. In dieser soll das als Propagandainstrument der Nazis erdachte Vehikel schon 1938 als "Beetle" ("Käfer") bezeichnet worden sein.

Im Februar 1972 wurde die knapp geschnittene Limousine zum meistverkauften Auto der Welt gekürt. Ein Rekord, der erst drei Jahrzehnte später gebrochen werden sollte: von seinem Nachfolger, dem seit 1974 produzierten Golf. So gesehen kann man nur hoffen, dass der "New Beetle", seine Neuinterpretation, ebenfalls ein Erfolg wird. Mittlerweile rollt dieser schon in die dritte Generation.

Baujahr: 1938-2003

Hubraum: 1.131-1.584 ccm

Leistung: 18-40 kW (25-49 PS)

Höchstgeschwindigkeit: 110-130 km/h

Insgesamt hergestellt: 21,529.464 Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: Golf

TOYOTA CELICA

Der schaute ja einmal richtig knackig aus: Mit sieben produzierten Generationen zählt der Celica zu den erfolgreichsten Toyota-Modellen. Erfreulich für Freunde charakterstarker Coupés: Der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern.

Besser wird’s nicht, raunen dieser in jeder Hinsicht kälter werdenden Tage nicht nur Oldies und notorische Traditionalisten. In Oldtimer-Kreisen eckt man mit dieser Meinung naturgemäß nicht an. Im Gegenteil: Genügend Heißspunde kriegen große Augen, wenn sie bei Autoherstellern in der jüngeren Historie blättern, bei japanischen ganz besonders.

Als Toyota die Celica auf den Markt brachte, fuhren Halbwüchsige schon auf einige erschwingliche Sportler ab: Mustang und Camaro in der neuen Welt, den Ford Capri in der alten. Die Namensgebung für den Flitzer ließ keine Zweifel daran aufkommen, wie man im Land der aufgehenden Sonne die Interpretation des knackigen Zweitürers einschätzte: Celica leitet sich vom spanischen Wort für "himmlisch" (celestial) ab.

Die erste Modell-Generation blieb der Zauberformel "long hood – short deck" (lange Haube, kurzer Kofferraum“) treu. Ab 1977 zeigte sich der Hecktriebler gerne auch in einer Liftback-Version mit gestrecktem Coupé-Heck. Danach schlug die Formensprache Haken. Einmal rund, dann wieder eckig, mit Rundscheinwerfern, Klappscheinwerfern, mit oder ohne Hutze auf der Haube. Insgesamt gab es sieben Celica-Generationen. Vor sechs Jahren wurde die letzte gebaut. Zu diesem Zeitpunkt war die erste längst ein Klassiker.

Der zukünftige Klassiker wird für Herbst 2012 erwartet. Da debütiert der Nachfolger des Celica. Allerdings unter dem Namen GT 86. Ein Etikettenschwindel. Denn die bewährten Proportionen weisen den 200PS-Sportler eindeutig als Coupé mit Celica-Genen aus.

Baujahr: 1970-2006

Hubraum: 1.587-2.198 ccm

Leistung: 79-242 PS

Höchstgeschwindigkeit: 165-220 km/h

Insgesamt hergestellt: 4,1 Mio. Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: Toyota GT 86

3ER BMW

Die Mittelklasse, wie man sie sich in München vorstellt: Wenn es um Coolness geht, fährt der Bestseller aus Bayern seit immerhin 35 Jahren ganz vorne mit – seit Kurzem in der bereits sechsten Generation.

So schnell kann’s gehen. Man sagt drei bestimmte Buchstaben und die meisten haben nur eines vor Augen – den Dreier. Seit 1975 buhlt der Athlet im bürgerlichen Anzug um die Herzen jener Fahrer, denen sofort die Straße in den Sinn kommt, wenn Spaß gefragt ist. Mit Erfolg. Der 3er ist der absolute Bestseller der Bayerischen Motorenwerke.

Perfekt zur Namensgebung mit der 3 passt, dass der Begründer der Spezies der sportlichen Kompakt-Limousine für ein Drittel des Umsatzes des süddeutschen Autoherstellers sorgt. Sein Debüt hingegen legte er als Zweitürer hin. Wahrscheinlich nur, um in der Folge durch seine Variabilität zu überraschen. Ob Coupé, Kombi (Touring) oder Cabrio, Allradler (xDrive) oder Sportwagen (M3), einen 3er-BMW gibt es in den unterschiedlichsten Varianten. Meist aber mit einem bestimmten Merkmal, dem zum Chauffeur hin geneigten Cockpit. "Fahrerorientiert" nennen das die Münchner.

Die süddeutsche Interpretation von Sturm & Drang kommt auch in Hollywood gut an. Die BMW 3er-Reihe hatte bereits Auftritte mit Tom Cruise, Michael Douglas und Sean Connery. Millionen Kinogänger sahen den begehrten Bayern in Blockbustern wie "Wall Street", "Mission: Impossible" oder "American Beauty". T. C. Boyle, Autor von "América" und "Dr. Sex", fährt schon seinen dritten 3er – in der testosterongesteuerten M-Version.

Die aktuelle Generation wurde erst vor ein paar Wochen präsentiert. Sie ist total am Puls der Zeit und wird daher neben dem Stammwerk in München auch in Südafrika und in China produziert.

Baujahr: 1975 - jetzt

Hubraum: 1.573-3.246 ccm

Leistung: 75-333 PS

Höchstgeschwindigkeit: 154-250 km/h

Insgesamt hergestellt: knapp 13 Mio Stück

Vorgänger: BMW 2002

Nachfolger: keiner

MERCEDES-BENZ 600

Mit dieser Limousine ließ sich einst ein Staat machen: In der Langversion maß der Mercedes 600 Pullman 6,25 Meter. Mit anderen Worten: Die Krone des deutschen Automobilbaus war ein vier Tonnen schwerer Luxus-Lulatsch.

Der Maybach verschied jüngst zum zweiten Mal. Diktator Kim Yong Il wurde in einer Staatskarosse des Klassenfeindes – ein mühsam am Leben erhaltener Lincoln Continental aus den 1970er-Jahren – zum Begräbnis chauffiert. Und die Pullman-Version der aktuellen S-Klasse ist so selten zu sehen, dass man meint, in einer Anarchie zu leben.

Ja, früher war das alles anders. Da waren auch Demokraten stolz darauf, weit hinten in einer stattlichen Limousine zu thronen. Wenn möglich, trug der Chauffeur eine Kappe. Aber genauso wenig wie die Polizisten als flankierender Begleitschutz auf schweren Motorrädern, fanden sich Chauffeur und Mütze auf einer Aufpreisliste. Egal. Bei einem Repräsentationswagen fragt man nicht nach den kleinen, aber feinen Details.

In seinem Debütjahr genügte es, die Pullman-Eckdaten kurz vorzutragen. V8-Motor, 250 PS, mehr als 200 km/h Spitze. Über das Drehmoment von 510 Newtonmeter verlor keiner ein Wort. Man spürte es einfach. Wow!

Papst Paul VI., Staatsoberhäupter sowie Superreiche und Showstars zählten zum erlauchten Kundenkreis der Legende. Obwohl sich derart millionenschwere Menschen hier heimisch fühlten, versagte der Prunkwagen als Millionenseller.

Zwischen 1964 und 1981 wurden lediglich 2.677 Exemplare ausgeliefert, davon 428 in der gestreckten Pullman-Variante und 59 als halboffener Landaulet. Fast wäre sogar einer als Krankenwagen ausstaffiert worden. Der hätte jede Rettungsgasse zum Boulevard geadelt.

Baujahr: 1964-1981

Hubraum: 6.330 ccm

Leistung: 250 PS

Höchstgeschwindigkeit: 207 km/h

Insgesamt hergestellt: 2.677 Stück

Vorgänger: Mercedes-Benz 300

Nachfolger: keiner

PORSCHE 911

Neun-elf: Man muss keinen Führerschein haben, um diese Zahlenkombination zu kennen. Seit fast einem halben Jahrhundert ist der Klassiker von Porsche Inbegriff eines Sportwagens. Ein Finale seiner Erfolgsgeschichte ist dabei nicht in Sicht. Eben wurde seine siebte Generation vorgestellt.

Auch in der siebten Generation gilt: Das Zündschloss ist da, wo es beim 911 immer war – nach alter Porsche-Tradition links neben dem Lenkrad. Noch etwas. Ebenso neunelfermäßig ist die Silhouette, also flach und gestreckt. So geht das schon seit nunmehr 48 Jahren. Richtig, fast ein halbes Jahrhundert lang. Alle Veränderungen in dieser Zeit sind eher marginal, sprechen aber doch eine deutliche Sprache: Dieses Auto ist sich eben selbst sein größtes Vorbild.

Wer sich vom 911er-Virus anstecken lässt, sei gewarnt. Porschefahren ist nämlich furchtbar anstrengend. Nicht, weil das hochmotiviert gefertigten Gefährt problematisch handzuhaben wäre. Sondern, weil einem die Erwartungshaltung der anderen halt schon spürbar im Nacken hockt, wenn man in einem 911er vorfährt.

Der neue Neunelfer wird jetzt auf der "Internationalen Automobil Ausstellung" (IAA) in Frankfurt präsentiert. Dort, wo einst sein Urahn der Welt vorgestellt wurde. Passend zur siebten Generation gibt es dann auch eine Weltneuheit an Bord: eine manuelle Siebengang-Schaltung.

Baujahr: 1963-heute

Hubraum: 1.991-3.600 ccm

Leistung: 110-620 PS

Höchstgeschwindigkeit: 200-330 km/h

Insgesamt hergestellt: 778.050 Stück

Vorgänger: Porsche 356

Nachfolger: keiner

RENAULT R4

Kleiner Wagen, große Klappe: Der gallische Gegenpart zu Käfer, Mini und Fiat 500 wurde drei Jahrzehnte lang gebaut. Zugleich war er in seiner Heimat ein Pionier: Der R4 war der erste Renault mit Vorderradantrieb.

Unter dem Armaturenbrett hingen die Kabel lose runter, rechts vom Lenkrad steckte die Revolverschaltung. Als der R4 vor einem halben Jahrhundert auf den Asphalt rollte, ähnelte er eher einem Flohmarkt als der Haute Couture. Macht nichts. Der kompakte Franzose war eines der ersten Großserienautos mit fünfter Tür. Und entwickelte sich dank Heckklappe vom Start weg zum praktischen Bestseller.

Zumindest in seiner Heimat. Dort zeigte er sich schon in seinem dritten Jahrgang als modisches, gemeinsam mit dem Frauen-Magazin "Elle" geschaffenes Sondermodell "Parisienne". Bei den Nachbarn in Deutschland hingegen hallte lange eine Fehleinschätzung des Fachblatts "auto, motor und sport" nach. Dort las man zum Debüt bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt 1961: "Dieses Auto wird sich in Deutschland niemals verkaufen." Weit gefehlt. Jahrzehnte später wird sich in einem einschlägigen Posting folgende Erfahrung finden: "Die Aufriss-Quote bei den Mädels war mit dem R4 höher als mit Vatterns Benz!" Tempo war jedenfalls nicht das vordringlichste dieses Vehikels. Der Blechkasten wackelte gehörig, sobald Tempo 110 auffällig überschritten wurde. Egal. Wer etwa ab 1978 eine GTL-Version fuhr, ließ sich durch nichts erschüttern – nicht einmal eine Horde drängelnder GTI’s.

Apropos. Im Vergleich zu spürbar teureren Autos fuhr sich der uneitle Franzose wie eine sympathische Sänfte – dank Einzelradaufhängung und Drehstabfederung. Was ihn außerdem für viele zur ersten Wahl machte: Über soziale Grenzen hinweg war der R4 bei Professoren und Studenten, Familien, Händlern und Handwerkern beliebt.

Baujahr: 1961-1992

Hubraum: 750-1.108 ccm

Leistung: 26-45 PS

Höchstgeschwindigkeit: 110-138 km/h

Insgesamt hergestellt: 8.135.424 Stück

Vorgänger: Renault 4CV

Nachfolger: Renault R5

TRIUMPH TR7

Bei uns blieb er ein Exot, in der Firmengeschichte hingegen ist der TR7 das erfolgreichste Modell. Der wie ein Faustkeil geformte britische Roadster war ein echter Hit in den USA – selbst wenn ihm der Ruf vorauseilte, ein Fall für den Pannenstreifen zu sein.

In den 1970er-Jahren verhielt es sich mit automobilen Geschmäckern so: Bei rich kids stand der Triumph Spitfire als Maturageschenk hoch im Kurs. Böse Buben, die schon fest im Leben standen, lenkten hingegen einen TR 7. Plastik statt Chrom, das schaute damals richtig cool aus. Längst gibt es zur Matura keine Extravaganzen mehr. Zu verwegen, zu auffällig. Dabei würde sich der Slogan "Keilschnell in die Zukunft" nach wie vor gut machen. Die Motorleistung weniger. Mit 106 PS unter der Haube lässt man heutzutage das Überholen besser bleiben. Damals galt jeder Wagen als Sportler, wenn er nur die magische 100er-Marke knackt.

Interner Codename des von Chefdesigner Harris Mann geformten zweisitzigen Coupés war "Bullett" (dt. "Geschoss"). Eine leichte Übertreibung. Viele Besitzer klagten bald über die Pannenanfälligkeit des Briten. Probleme mit der Elektrik waren ebenso an der Tagesordnung, wie ein Leck im Motor, Wasser in den Scheinwerfern, Rost – oder alles zusammen. Manche sahen bereits eine Verschwörung der Fließbandarbeiter bei British Leyland, zu der die Marke Triumph gehörte. Dabei war man bedacht darauf, ein perfektes Produkt auszuliefern. Nach Bekanntwerden erster Kinderkrankheiten entschied man sich zur Qualitätsoffensive. "Ein Team von 67 Kontrolleuren überwacht ständig die Fertigung in Canley", hieß es in einer Werbeaussendung. Und: "Eine zweite Gruppe von Kontrolleuren überwacht die 67 Kontrolleure." Höhepunkt des TR7-Booms war die Einführung einer Cabrio-Version 1979. Besonders in den USA hoffte man auf ein G’riss um das Geschoss, das dort den Namen TR8 bekam. Das Magazin "Car and Driver" lobte es als "Neu-Erfindung des Sportwagens".

Die Kunden blieben dennoch aus. Nur 2.715 offene Exemplare wurden gebaut. Ein paar Jahre danach erlebte Triumph sein Waterloo. Da verschwand der Name aus der Liste der Autohersteller.

Baujahr: 1975-81

Hubraum: 1.998 ccm

Leistung: 106 PS

Höchstgeschwindigkeit: 177 km/h

Insgesamt hergestellt: 111.684 Stück

Vorgänger: TR6

Nachfolger: TR8

OPEL COMMODORE

Optisch ein Rekord im Luxuskleid, technisch ein Sportler mit Sechszylinder-Motor: Für Fans war der Opel Commodore die "Rakete aus Rüsselsheim". In der Kombi-Version war er zudem sehr praktisch. Queen Elizabeth fuhr im Schwestermodell Vauxhall Viceroy ihre Corgi-Hunde spazieren.

Muskeln zeigen. Und sexy sein. Diesen Spagat schaffte er locker. Er, Commodore, die getunte Version des sonst eher braven Opel Rekord. Unter der Haube hockte ein Sechszylinder – "sechsy". Heute eine Rarität, war ein derartiger Antrieb in den Sixties der totale Wahnsinn. Das hörte sich gut an. Auch die optischen Reize waren nicht ohne: Manche Männer bekamen angesichts des (aufpreispflichtigen) schwarzen Vinyldachs und des kaum zu sehenden Knicks im Heckbereich ganz große Augen.

Nähert man sich dem "Blech" heute pragmatischer? Möglicherweise. Autoliebhabern auf dem Höhepunkt des Pitralon-Booms galt der "Hüftschwung" jedenfalls als durchaus erotisch. Als "Coke Bottle Shape" war die Designlinie wichtigstes Merkmal amerikanischer "muscle cars" vom Stil eines Chevrolet Camaro oder eines Ford Mustang. Ein Opel-Werbetext aus dem Jahr 1970 brachte den einschlägigen Fahrspaß à la Rüsselsheim auf den Punkt: "Man muss schon ziemlich kühl sein, wenn man sich nicht für diesen Wagen erwärmen kann."

Bei Sammlern ist der Oldie durchaus gefragt. Man erkennt das alleine an seiner Präsenz in der TV-Serie "SOKO Donau". Fans streiten, ob es sich dabei um einen Commodore B oder einen Rekord 2000 "Berlina" handelt. Immerhin: Beide glänzen in Saharagold.

Baujahr: 1967-1982

Hubraum: 2,2-2,8 Liter

Leistung: 95-155 PS

Höchstgeschwindigkeit: 184-200 km/h

Insgesamt hergestellt: 377.678 Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: Omega

FIAT 850 COUPÈ

Apple-Gründer Steve Jobs hatte einen, heimische Rallye-Hoffnungen ebenfalls: Der kleine Sportler von Fiat war ein echter Hingucker. Hatte er noch dazu einen Motor von Abarth eingepflanzt, hörte man sogar gerne hin.

Es war auf dem Skyline Boulevard in den Santa Cruz Mountains südlich von San Francisco. Wir schreiben das Jahr 1972, Sommer. Am Steuer sitzt ein gewisser Steve, damals sweet sixteen. Beifahrer ist sein Highschool-Freund Tim. Es riecht seltsam. Er dreht sich um. Flammen lodern aus dem Motorraum. Panik!

Außer einem Motorschaden ist damals nichts geschehen. Und die Episode wäre sicher knapp 40 Jahre danach auch nicht der Rede wert. Aber: Immerhin handelte es sich damals um das Traumauto eines Burschen, der sich ein paar Jahre danach anschickte, die Zukunft mitzuerfinden – Apple-Gründer Steve Jobs. Man merkt: Der Mann hatte schon früh ein Gespür dafür, was richtig gut und begehrenswert aussieht. Doppelscheinwerfer, Sportsitze, Sportlenkrad waren Details, mit denen ein Feschak aus der Alten selbst dann in der Neuen Welt punkten konnte, wenn er so gar nicht der Gattung der "muscle cars" entsprang. Gut, das von Abarth "getunte" Modell, das der junge Jobs fuhr, war zumindest ein wenig stärker als die Basisversion. Aber mit lediglich 52 Pferden unter der Haube durfte man sich beim Ampelstart wirklich nicht zu viel zutrauen.

Das Coupé wurde erstmals 1965 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt. Das schöne Stück Dolce Vita war ein echter Exportschlager. Einer, den Fiat erst Jahre später mit dem X1/9 wiederholen konnte. Seit der Fusion mit Chrysler ist Fiat kein Exote mehr in den USA. Gut oder schlecht? Die Zukunft wird es weisen.

Baujahr: 1965-1972

Hubraum: 843-903 ccm

Leistung: 47-52 PS

Höchstgeschwindigkeit: 140-155 km/h

Insgesamt hergestellt: 2,5 Mio. Stück (inkl. Limousine und Cabrio)

Vorgänger: keiner Nachfolger: Fiat X1/9

PEUGEOT 404

Eine Limousine mit Charme: Als "Flosse der Franzosen" wurde die elegante Erscheinung einst verunglimpft. Dabei gab es an dem im Atelier von Battista "Pinin" Farina gezeichneten Wagen nichts auszusetzen. Er bot viel Platz und mit der Lenkradschaltung eine unkomplizierte Verwöhn-Ausstattung.

Pininfarina gepaart mit plüschigen Polstern. Vor 50 Jahren wie Gott in Frankreich Auto zu fahren hatte durchaus etwas Kosmopolitisches an sich. Italienisches Design und Pariser Chic ergaben ein Oberklasse-Feeling, lange, bevor das Wort Oberklasse in Gebrauch war. Angedeutete Heckflossen verliehen dem 4,40 Meter langen Fahrzeug zudem noch den Glamour der großen weiten Welt.

Dabei war der Stolz der Autofirma mit dem Löwen im Logo alles andere als ein Angeber. Eher ein Familienfreund. Denn mehr Noblesse zu bürgerlichen Preisen war in der Autowelt vor 40 Jahren kaum möglich.

Wer sich nicht daran stieß, dass Louis de Funès als "Gendarm vom Broadway" Faxen mit dem 404 machte, konnte durchaus stolz auf dieses Auto sein. Denn es war eines mit vielen Gesichtern: Mit bis zu sieben Sitzen ein "Pampers-Bomber", Coupé, Cabriolet, Rallye-Star – der "La Grandseigneur" belegte zwischen 1963 und 1968 vier Mal den ersten Platz des Rallye-Gesamtklassements – Nutzfahrzeug und sogar Weltrekordwagen. Als Diesel-Flitzer legte der Peugeot im Jahr 1965 in 72 Stunden mehr als 11.000 Kilometer mit einem Durchschnittstempo von 161 km/h zurück. Superb.

Baujahr: 1960-1975

Hubraum: 1.618-1.948 ccm

Leistung: 57-72 PS

Höchstgeschwindigkeit: 138-157 km/h

Insgesamt hergestellt: 2,885.377 Stück

Vorgänger: Peugeot 403

Nachfolger: Peugeot 504

CHEVROLET CORVETTE

Vor 100 Jahren gründete ein Schweizer Auswanderer in Detroit die Chevrolet Motor Car Company. Louis Chevrolet war Rennfahrer. In seinem Sinn wurde die Corvette vor fast sechs Jahrzehnten als erster Sportwagen dieser Marke geschaffen. Für Amerika ist sie ein Mythos – wie der Porsche 911 für Deutschland und Ferrari für Italien.

Ein Ferrari? Ein Ufo? Oder sonst irgendetwas Exotisches? Wenn dieses Auto plötzlich im Rückspiegel auftaucht, ist es höchste Zeit, sich gleich wieder von diesem Anblick zu verabschieden. Eine Corvette ist kein Cruiser. Das war noch nie so. Harley Earl, Chefdesigner von General Motors, plante den Sportwagen als Antwort auf die Anfang der 1950er-Jahren in den USA erfolgreichen europäischen Roadster Jaguar XK120 und MG TD. Die interessanteste Anweisung an sein Team lautete: "Geht so weit wie möglich und dann etwas zurück."

Befolgt wurde das nicht immer, besonders in der Kehrtbewegung. Zum Glück. So richtig weit lehnten seine Nachfolger Corvette "Sting Ray" und "Stingray" sich aus dem Fenster. Besonders für Letzteren gilt: Kein anderes Sportauto sollte jemals aggressiver auftreten. Anfang der 1970er-Jahre raste die "Vette" wie viele andere Gefährte dieses Kalibers in die Ölkrise. Die Ikone des amerikanischen Automobilbaus aber hat sich jedes Jahrzehnt neu erfunden. Derzeit ist die Hälfte der Laufzeit der sechsten Generation erreicht.

Die Corvette C6 trägt keine schon legendär gewordenen Schlafaugen wie ihre Vorgänger. In Details wirkt die Karosserie sogar italienisch angehaucht. Wer sie fährt, braucht dennoch mehr Mut als ein Ferrari- und Porschefahrer. Denn kaum ein Ami wird so missverstanden in Europa. Dabei kann er alles besser, na ja, fast alles.

Baujahr: 1953-heute

Hubraum: 3.859-7.011 ccm

Leistung: 150-647 PS

Höchstgeschwindigkeit: 169-330 km/h

Insgesamt hergestellt: ca. 1,6 Millionen Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: keiner

MINI

Vor mehr als einem halben Jahrhundert revolutionierte ein Brite den Automarkt: Klein, familientauglich und sparsam erfuhr sich das Minimum an Wagen rasch Kultstatus. Nicht nur, dass Stars wie Ringo Starr oder Mr. Bean maximalen Spaß damit hatten, ist auch die Mini-Neuauflage in Hit.

Vier Personen auf nur drei Meter Länge. Sonst eine Angelegenheit für den Konsumentenschutz, hier ein klarer Fall von Kult. Ende der 1950er-Jahre kam die Kleinausgabe einer Karosse mit putzigen Reifen auf die Straßen von London nieder – und erfreute auf Anhieb maximal. Als "eines der muntersten, praktischsten und einfach wunderbarsten Spaßautos aller Zeiten", lobte der britische Autojournalist Paul Skilleter den Mini. Dabei war ursprünglich nicht Spaß der Antrieb für das Mini-Projekt, sondern Sparsamkeit.

Die Suez-Krise 1956 und die damit einhergehende Öl-Knappheit ließen Konstrukteur Alexander Arnold Constantine Issigonis (1906-1988) eine legendäre platzsparende Lösung entwerfen – auf einer Serviette. Anfangs verkaufte der Fronttriebler sich schleppend, Rallye-Erfolge und Bilder von Stars wie den Beatles im Mini kurbelten aber den Verkauf kräftig an. Bereits im dritten Jahr seiner Existenz wurden 200.000 Stück verkauft.

Erstaunlich, der "normale" Mini ging als Limousine – im Englischen "Saloon" durch. Ein Kombi ("Countryman"), der aufgemotzte Cooper und die offene Strandversion "Moke" sollten folgen. Nach vier Jahrzehnten, in denen der Klassiker weitgehend unverändert gebaut wurde, war aber Schluss. Und zugleich Neubeginn – siehe die von BMW vor elf Jahren in Paris vorgestellte Neuinterpretation des Klassikers. Und damit auch das einmal klargestellt wird: Mary Quant, die Erfinderin des kurzen Kleides, nannte ihren Rock nach dem Auto – nicht umgekehrt.

Baujahr: 1959-2000

Hubraum: 848-1.275 ccm

Leistung: 34-99 PS

Höchstgeschwindigkeit: 115-182 km/h

Insgesamt hergestellt: 5.387.862 Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: BMW MINI

LAND ROVER DEFENDER

Von Geburt an im Gelände: Von Mitgliedern des britischen Königshauses bis zu alpinen Oberförstern schwört eine weltumspannende Gemeinde auf dieses Original. Seit mehr als sechs Jahrzehnten wird der Defender nahezu baugleich produziert.

Andere meinen, regelmäßig ein Facelift notwendig zu haben. Er nicht, denn er ist stolz darauf, ein echtes Fossil zu sein. Seit nunmehr 63 Jahren baut Land Rover den Defender nahezu unverändert: quadratisch, praktisch, gut – und das lange, bevor diese Attribute zur Schokoladenseite eines Süßwarenspezialisten wurden.

Defender. Diesen markigen Namen bekam die Ikone eines Geländewagens erst in der jüngeren Vergangenheit verpasst, denn jahrzehntelang produzierte der britische Hersteller Land Rover nur ein einziges Modell. Das war nicht wie sein US-Kollege Willy’s Jeep fürs Militär bestimmt, sondern für Landwirte und andere Naturburschen. Daher die frühe Spezialisierung auf Allradantrieb. So nach und nach überwanden im würfelförmigen Wagen mit der vernieteten Aluminium-Beplankung überall auf der Welt die unterschiedlichsten Naturen die Grenzen: Abenteurer, Forscher, die englische Queen, UN-Helfer, Rotkreuz-Mitarbeiter – und auch ganz normale Freunde puristischen Designs.

Wer ihn einmal gefahren ist, wird ihn sein Leben lang liebevoll "Landy" nennen. Auch weil er vielleicht registriert hat, dass der Kletterkünstler so nach und nach doch immer moderner wurde. So tat die Heizung nach 60 Jahren endlich auf Anhieb das, was Heizungen in Autos tun sollten – den Innenraum erwärmen.

Baujahr: 1948-heute

Hubraum: 1.600 bis 2.495 ccm

Leistung: 50-122 PS

Höchstgeschwindigkeit: 80-150 km/h

Insgesamt hergestellt: ca. 2 Millionen Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: Land Rover DC100

MERCEDES-BENZ C111

Supersportler, Rekordwagen, Flügeltürer: Im knallorangen Boliden aus Stuttgart schlug ab Ende der 1960er-Jahre das Motorsport-Herz von Mercedes.

Vrooooooaaammmm! Flunderflach, knallbunt und rekordträchtig eroberte dieser Wunderwagen vor knapp 40 Jahren die Versuchsstrecken der Welt. Wie ein Dienstfahrzeug von einem anderen Stern fraß der Flügeltürer mit unterschiedlicher Motorisierung – Wankel, Benzin und Diesel – Kilometer um Kilometer, um Schallmauern in Serie zu durchbrechen. Im Juni 1976 schaffte es der Wagen mit der Nummer 31, sich auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im süditalienischen Nardò gleich 16-mal in die Autogeschichte einzuschreiben – unter anderem durch eine Turbodiesel-Dauerfahrt über 10.000 Meilen im atemraubenden Durchschnittstempo von 252 km/h.

Die attraktive Hülle des nur 1,1 Meter hohen C111 stammt von dem Italiener Bruno Sacco. Er avanciert 1975 zum Chef-Designer von Mercedes und verpasste dann der S-Klasse und dem 190er "Baby-Benz" genau das Gegenteil dessen, was diesen Boliden ausmachte – streng gezogene Kanten.

Nicht wenige Motorenthusiasten wollten den Supersportwagen gleich kaufen, als er 1970 auf dem Genfer Salon präsentiert wurde. In die Garage durfte ihn aber niemand sich stellen. Die erste Ölkrise 1973 sollte ihm das Garaus machen. Es blieb bei Prototypen – zum Experimentieren. Leider. Der C111 ist somit das vielleicht schönste Auto, das nie in Serie ging.

Baujahr: 1969-1979

Hubraum: 1.800-3.000 ccm

Leistung: 190-350 PS

Höchstgeschwindigkeit: 250-320 km/h

Insgesamt hergestellt: ca. 35 Stück

Vorgänger: Mercedes-Benz 300 SL

Nachfolger: Mercedes-Benz SLS AMG

BMW 507

Ein Roadster von Rang und Namen: Aristokrat, Ästhet und Autodesigner Albrecht Graf Goertz schuf Mitte der 1950er-Jahre einen faszinierenden Sportwagen, auf den sowohl Toni Sailer, Elvis Presley als auch Ursula Andress abfuhren.

"Schick doch mal ein paar Skizzen nach München." Gesagt, getan – und Karriere gemacht. So einfach war das, als Mitte der 1950er-Jahre ein in New York lebender Paradiesvogel den Rat eines US-Importeurs ...

... uropäischer Luxusautos beherzigte. Albrecht Graf Goertz’ Entwurf für einen luxuriösen Zweisitzer gefiel in München auf Anhieb. Auch, weil man so dem Flügeltürer 300 SL und dem Roadster 190 SL aus Stuttgart Paroli bieten wollte. Die Abteilung Schön & Reich fuhr von Anfang an auf den "Traum von der Isar" ab. Zu den Käufern zählten Alain Delon, John Surtees, Ursula Andress und Toni Sailer. Selbst Elvis saß als GI während seiner Dienstzeit in Deutschland hinter dem Steuer eines 507.

Bei Autoausstellungen in Frankfurt und New York war der Sportwagen bewunderter Star. Dennoch geriet der mutige Entwurf zum Flop. 26.500 D-Mark auf dem Preisschild waren zu viel. Dafür konnte man sich auch mit fünf VW-Käfer eindecken. Oder ein halbes Haus erstehen. Nach nur zwei Jahren Produktionszeit ...

... folgte daher das Aus für das Nobelcabrio. Zählt man den Prototyp hinzu, waren es gerade einmal 253 Exemplare, die von dieser automobilen Schönheit gefertigt worden waren. Der Wert noch erhaltener Modelle profitiert davon. Für den Oldie werden bis zu eine Million Euro geboten.

Baujahr: 1956-1959

Hubraum: 3.168 ccm

Leistung: 150-160 PS

Höchstgeschwindigkeit: 195-220 km/h

Insgesamt hergestellt: 252 (253) Stück

Vorgänger: BMW 328

Nachfolger: BMW Z 8

FIAT X1/9

Triftigster Grund, sich einst diesen keilförmigen Flitzer zuzulegen: Der Mittelmotor-Zweisitzer war ein echter Driftmeister. Aber auch am Stand gab der "Baby-Ferrari" viel her. Kein Wunder, die Karosserie entstand bei Bertone.

Heckantrieb plus Mittelmotor ergibt üblicherweise einen Höllenspaß. Eine Freude dieser Art ging und geht aber ins Geld. Meistens. Als dieser keilförmige Zweisitzer 1972 auf den Markt kam, kostete der Flitzer aus Bella Italia etwa ein Drittel mehr als ein VW-Käfer-Cabrio, war also einigermaßen leistbar – machte jedoch drei Mal so viel Spaß.

"Ferrari-Feeling" nannte man das. Noch heute weiten sich bei reifen Männern die Pupillen, wenn sie sich an waghalsige Manöver mit dem X1/9 erinnern. Dabei war dieses Auto schon am Stand eine Rakete. Eh klar, denn die Karosserie entstand bei Nuccio Bertone.

Katalysator, Airbags, Crashnormen: Auf den sportlichen Kleinwagen mit abnehmbarem Dach kamen einige Prüfungen zu. Nach siebzehn Produktionsjahren war Schluss. Leider. Immerhin gibt es noch genügend gut erhaltene Gebrauchte auf dem Markt. Als Youngtimer ist der flotte Fiat fast so gefragt wie in seiner besten Zeit. "X1/9"-Clubs findet man von Seattle bis Singapur, einen in Österreich natürlich auch – mit zumindest 70 Mitgliedern.

Baujahr: 1972-1988

Hubraum: 1.300-1.500 ccm

Leistung: 73-86 PS

Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h

Insgesamt hergestellt: 165.000 Stück

Vorgänger: Fiat 850 Spider

Nachfolger: Fiat Barchetta

FIAT 500

Fliegengewicht, Knutschkugel, Bergfex: Vor mehr als 50 Jahren wurde in Italien ein Zweizylinder zum Millionenhit – und bekam mit dem "Pucher" auch einen starken steirischen Bruder.

"Ziemlich klein, aber immerhin komfortabler als ein Motorroller." Fiat-Designer Dante Giacosa tiefstapelte gehörig, als er im Juli 1957 die Sparausgabe eines Auto präsentierte, den "500 Nuova". Viel kleiner kann man sich auch heute keinen Viersitzer vorstellen. Länge: keine drei Meter. Einstieg nach hinten: auch für Kinder ein ...

... akrobatischer Akt. Aber der Vergleich macht sicher: Auf keinem Roller der Welt kann man nebeneinander hocken. In der Turiner Autofabrik war man darauf vorbereitet, dass von Anfang an ein G’riss um den neuen "Cinquecento" herrschen würde. Weil er einfach "knutschkugeliger" als der Vorgänger "Topolino" über die Landstraßen knatterte. Und weil der Winzling mit dem Zweizylinder-Heckmotor schon ab dem zweiten Jahr seiner Existenz für einen Hauch Dolce Vita sorgte – Frischluft durch Fetzendach.

So minimalistisch er sich gab, so groß war die Rolle, die dem 500er zukam. Mit ihm sollte die "Fabbrica Italiana Automobili Torino" wieder eine führende Position unter den europäischen Autofirmen einnehmen. Kein Problem. Achtzehn Baujahre danach schrieb Firmenboss Gianni Agnelli mit knapp vier Millionen verkauften Exemplaren des hartnäckig spartanisch ausgestatteten Flitzers Geschichte. Nach wie vor erstaunlich: Der "Cinquecento" schaffte es mehr oder weniger im Alleingang, halb Italien zu motorisieren. Erfreulich dabei: Die noch 1957 vorgestellte Alpen-Version des Apennin-Minis entstand dank einem klug ausgehandelten Assemblingvertrag bei Steyr-Puch bei Graz – und war infolge besserer Abstimmung auch das spritzigere Spaßmobil.

Ein modifizierter 500 TR ("Thondorfer Rakete") wurde 1964 bei der Rallye Monte Carlo sogar Klassensieger. Ein historisches Ereignis, das folgendes Phänomen nach sich zog: Ein Puch-Fahrer, hieß es, könne jederzeit mit einem Porsche schnell fahren – umgekehrt sei das nicht zwingend der Fall. Vor den damals angesagten Kleinwagen Citroën 2CV, Austin Mini, NSU Prinz, Renault 4, Sunbeam Imp und VW Käfer brauchte sich das "Pucherl" nicht zu verstecken. Aber: Fast schien es, als würde Fiat im Windschatten des erfolgreichen Mini-Comebacks die Retrowelle verschlafen. Gut Ding brauchte nur lange Weile. 50 Jahre nach dem Debüt des 500 Nuova kam 2007 der "doppelt neue" 500er auf den Markt.

Baujahr: 1957-1975

Hubraum: 479-594 ccm

Leistung: 13,5-18 PS

Höchstgeschwindigkeit: 85-100 km/h

Insgesamt hergestellt: 3,702.078 Stück

Vorgänger: Fiat 500 Topolino

Nachfolger: Fiat 126

MERCEDES-BENZ 190 SL

Ein "Touren-Sportwagen" für die Oberen Zehntausend: Der Roadster aus Sindelfingen begeisterte neben Grace Kelly, Frank Sinatra und Zsa Zsa Gabor auch Toni Sailer.

So ändern sich die Zeiten: Wenn heute bei einem Modell der Absatz schwächelt, sind es meist ästhetische oder technische Gründe. Vor 50 Jahren waren es andere, triftigere – nämlich moralische. Echte Auskenner nicken jetzt wissend, "Ja, der Nitribitt-SL".

Die Affäre um die Frankfurter Edelkurtisane Rosemarie Nitribitt schaffte es Ende der 1950er-Jahre tatsächlich, dem Ansehen des schönen Roadsters eine gehörige Delle zu verpassen. Hunderte Kunden stornierten damals ihre Bestellung: Man wollte doch keinen Wagen fahren, der auch einer Dame gut zu Gesicht stand, die unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen war. Dank der High Society mit weniger zweifelhaftem Ruhm war die Flaute in den Mercedes-Auftragsbüchern bald vergessen. Grace Kelly und Frank Sinatra, Cary Grant, Gina Lollobrigida, Alfred Hitchcock, Zsa Zsa Gabor – aber auch Toni Sailer machten nachhaltig Lust auf den elegant proportionierten "Touren-Sportwagen". Gut, sie konnten sich diesen Traumwagen der Nachkriegszeit leisten. Mit dem Gegenwert von zwei Einfamilienhäusern war der ja nicht wohlfeil.

An Zauberei grenzte, wie kreativ mit dem Prinzip Baukasten hantiert worden war: Die Bodengruppe des Beaus stammt vom Brot-und-Butter-Boliden, der Mercedes 180 Limousine. Sie wurde lediglich um 25 Zentimeter gekürzt und mit aufgeschweißten Kastenholmen verstärkt. Weniger rätselhaft ist, warum viele 190 SL-Oldtimer nach wie vor in Kalifornien cruisen: Mit 10.368 verkauften hielten die USA schon damals den Stern aus Deutschland hoch.

Baujahr: 1955-1963

Hubraum: 1.897 ccm

Leistung: 105 PS

Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h

Insgesamt hergestellt: 25.881 Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: Mercedes-Benz SL ("Pagode")

OPEL MANTA

Kein Witz: Der Rochen, der einmal Kult war. Als Antwort auf den Ford Capri verhalf das Coupé aus Rüsselsheim auch zwei Teilen aus dem Zubehörregal zu einer kurzen Karriere, dem buschigen Fuchsschwanz und der dicken Spoilerlippe.

Was wurde der nicht schon durch den Kakao gezogen? Formschön, aber verächtlich gemacht durch Witze – und Witzfilme wie "Manta, Manta". Ein Schicksal, das einem Coupé wie dem Ford Capri nie geblüht hat. Dabei war der rassige Rüsselsheimer ursprünglich als Antwort auf das 1969 vorgestellte "Pony Car" aus Köln entstanden.

Die 1970er-Jahre. Eine erdige Zeit. Eine, in der Burschen nur darauf warteten, dass ein Wagen wie dieser ihren Puls höher schlagen ließ. Leistbar und leistungsstark, einigermaßen zumindest. Lange, bevor der Spruch "Boah ey!" hierzulande überhaupt zielsicher einer Sprache zugeordnet werden konnte, war dieser Opel Kult. Oder einfach nur peinlich. Je nachdem. Weil man sich irgendwann den Fuchsschwanz dazu dachte, selbst wenn gar keiner auf der Antenne baumelte. Immerhin blieb der GTI lange genug außerhalb der Sichtweite, damit der nach einem rasanten Meeresbewohner benannte Hecktriebler relativ unangefochten seine Runden vor den staunenden Nachbarn drehen durfte.

In seiner Blütezeit fischte der Manta erfolgreich im Teich des Commodore und Admiral nach neuen Kunden. Sogar in Übersee. Mehr als 170.000 Stück wurden sogar in die USA exportiert. Kein Wunder, dass bei Opel so mancher ein Comeback des jungen Klassikers herbeisehnt. Auch weil er hin und wieder bei Rallyes abstaubte: Echte Manta-Fans können sich noch genau an den Tag erinnern, als Walter Röhrl im Manta 400 bei der „Westfalen Lippe Fahrt“ 1982 Staub aufwirbelte. Zwei Jahre später fuhr der flotte Fisch sogar auf den vierten Platz der Rallye Paris-Dakar.

Baujahr: 1970-1988

Hubraum: 1,2-2,4 l

Leistung: 60-275 PS

Höchstgeschwindigkeit: 145-218 km/h

Insgesamt hergestellt: 1,033.187 Stück

orgänger: Opel Olympia

Nachfolger: Opel Calibra

ALFA ROMEO SPIDER

Nachfolger dringend gesucht: Der Spider war schon Filmstar, Frauenversteher und Liebling aller italophilen Autofahrer. Nach sechs Modellgenerationen ist er im Vorjahr vom Markt verschwunden – fast unbemerkt.

Klassisch rundlich. Oder mit Spoiler am Heck. Ganz schön kantig. Oder ziemlich knackig. Seit mittlerweile sechs Generationen nennt sich das sportliche Cabrio von Alfa Romeo "Spider".

Im Laufe der 44 Jahre hat der Beau dabei das getan, was auch uns nicht so fremd ist: seinen Auftritt verändert. Mehr noch. Der Spider hat dabei sein Aussehen so sehr verwandelt, dass er sich selbst kaum noch ähnlich sah.

Dabei war es wirklich kein allzu harter Weg vom schlanken "Duetto" des Dustin Hoffman im 1967er-Filmklassiker "Die Reifeprüfung" zum hinten eher plumpen"Aerodinamica" der frühen 1980er-Jahre. Über den motzten alte Alfa-Fans mitunter unschön "Gummilippe!". Zu Unrecht. Im Zuge der Retrowelle sah man kürzlich ein, dass der schwarze PVC-Wulst auf dem Blech irgendwie doch cool ausgesehen hat. Aber so ist das eben mit den Emozione. Manchmal spielen sie einem einen Streich. Basta! Spider-Macher Pininfarina hätte sicher seine liebe Not mit den wuchtigen Stoßstangen gehabt, die den Crash-neurotischen Amis geschuldet waren. Aber immerhin waren die Käufer aus Florida und Kalifornien im Yuppie-Jahrzehnt fast die Einzigen, die ganz verrückt nach dem Spider zu sein schienen.

Einen Facelift später entpuppte sich der offene Zweisitzer als keilförmiger Bolide. Gut, dass der Wagen in all dem Wandel wenigstens seinem Namen treu blieb. Und gut, dass sein erster Kosename "Duetto" wurde. Denn die Alfa-Arbeiter hatten das Freude versprechende Vehikel schon wenig schmeichelhaft als "Osso di Sepia" (Rückenschale des Tintenfischs) bezeichnet. Die letzte Generation des Spider wurde im Juli des Vorjahres eingestellt. An einem Nachfolger wird bei Alfa mit Hochdruck gearbeitet. Im kommenden Jahr soll es so weit sein. Und zumindest was den traditionellen Kosenamen betrifft, wird er dem Original wieder ähneln. Kolportiert wird nämlich "Duettottanta".

Baujahr: 1966-2010

Hubraum: 1,2-3,2 l

Leistung: 87-260 PS

Insgesamt hergestellt: 230.000

Höchstgeschwindigkeit: 178-240 km/h

Vorgänger: Giulietta Spider

Nachfolger: noch nicht fix

BMW 501

Ein himmlisches Vergnügen: Die Limousine mit dem pausbäckigen Auftritt war das erste Oberklasse-Modell von BMW. Der Volksmund taufte den 501er "Barockengel", die Münchener Polizei machte ihn zum Kult.

"Gebt den Autos wieder Tiernamen!", war dieses Jahr im Online-KURIER zu lesen. Dabei sind Ente, Käfer, Cobra, Jaguar & Co. kaum zu toppen. Das ein oder andere Modell kommt mitterweile wie ein Dinosaurier daher, egal, es gibt ohnehin Originelleres: "Barockengel" zum Beispiel.

Genauso hatte der Volksmund im Nachkriegsdeutschland eine geschwungene Silhouette mit dicken Backen getauft. Auftritt 501, der erste Vorstoß der Bayerischen Motoren Werke in die Oberklasse. Ein schönes Auto. Ein teures Auto. Sechs Zylinder, sechs Sitzplätze. Das kostete. Und zwar so viel, dass der Wagen sich in nur geringen Stückzahlen verkaufen ließ. Für das öffentliche Bewusstsein machte das kaum einen Unterschied, denn dank der TV-Serie "Funkstreife Isar 12" war der 501er in den Jahren 1960 bis 1963 sowieso als Straßenfeger präsent – mit Blaulicht und Martinshorn.

Eine späte Anerkennung der Legende: Einer der längst ausgemusterten Dienstwagen kam vor einigen Jahren in England zum Einsatz, beim Oldtimer-Klassiker "Goodwood Revival Meeting". Als Streckenfahrzeug wachte dort ein "Barockengel" über die Sicherheit von Teilnehmern und Zuschauern.

Baujahr: 1952-1964

Hubraum: 1.971-3.168 ccm

Leistung: 65-160 PS

Höchstgeschwindigkeit: 135-190 km/h

Insgesamt hergestellt: ca. 23.000 Stück

Vorgänger: 326/335

Nachfolger: 2500/2800

SAAB 93

3 Zylinder, 3 Gänge und oftmaliger Rallyesieger: Der Schwede aus Trollhättan war der erste Saab, der zum Exporthit wurde. Aber nicht alle wurden mit ihm glücklich: US-Schriftsteller Kurt Vonnegut bezeichnete ihn gar als "feuchten Traum eines Flugzeugingenieurs".

Vorderradantrieb, Selbstmördertüren (hinten angeschlagen) und strömungsgünstiges Äußeres: So betrat Mitte der 1950er-Jahre ein Auto die Bühne, das man gegen Ende der Bauzeit seines leicht modifizierten Nachfolgers getrost als "Alten Schweden" bezeichnen konnte. Ein Vierteljahrhundert mit einem Design auszukommen, ist schon eine Leistung.

Bereits der Vorgänger wollte seine Herkunft aus dem Flugzeugbau nicht verleugnen. Die Folge: Die Familienkutsche Saab 92 war 1949 so aerodynamisch wie 40 Jahre später der Supersportwagen Ferrari F40. Das machte viel wett, besonders die fehlende Power. Auch wenn man es dem Zweitakter nicht ansah, hatte der Saab 93 das Zeug zum Pistenrowdy. 1956 fuhr er bei Rallyes in Deutschland, seiner Heimat, und in Norwegen ganz nach vorne. 1959 landete ein 93er beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans immerhin als Zweiter seiner Hubraumklasse im Ziel. 1956 war er auch der erste Saab, der auf den heiß umkämpften Übersee-Markt drängte. Skurril genug: Einer der ersten US-Saabhändler war der damals noch glücklose Schriftsteller Kurt Vonnegut ("Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug", "Breakfast of Champions").

Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 2007 äußerte Vonnegut die Vermutung, warum ihn die Schwedische Akademie beim Literaturnobelpreis jahrzehntelang übersehen hat: Weil er es geschafft hat, keinen einzigen Saab zu verkaufen. Auch eine Leistung.

Baujahr: 1955-1960

Hubraum: 748 ccm

Leistung: 33 PS

Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h

Insgesamt hergestellt: 52.731 Stück

Vorgänger: Saab 92

Nachfolger: Saab 96 (bis 1980)

HONDA S800

Eine Wonne aus dem Land der aufgehenden Sonne. Der Sportflitzer mit dem spektakulären Motor war das erste japanische Auto in Europa.

Klein, aber so etwas von oho, dass sein Ruf noch heute nicht verklungen ist. Der Honda S800. Ein Exot, wie er nicht exotischer sein könnte. Vor 45 Jahren wurde der filigrane Roadster als erstes japanisches Automobil nach Europa exportiert und schaffte es, von Anfang an zu faszinieren.

Bei Porsche, so wird gemunkelt, wollte man unbedingt dahinterkommen, wie es möglich sein kann, fast 70 PS aus nicht einmal 800 Kubikzentimeter Hubraum zu quetschen. Ein Leistungsgewicht, das damals für sensationellen Fahrspaß sorgte. Tempo 150 war möglich, für damalige Verhältnisse geradezu abenteuerlich. Kein Zufall daher, dass die Titelhelden der Comic-Serie Spirou & Fantasio häufig in so einem weißen Cabrio gesichtet wurden. Sophie Marceau und Claude Chabrol machten das Coupé des S800 sogar zum Filmstar – in "La Boum 2" (1982) und in "Die zweigeteilte Frau" (2007).

Die Fangemeinde des Sportlers mit dem Mini-Motor wuchs unabhängig von seiner Verbreitung. Auch wegen folgender kolportierter Kuriosität: Nachdem Honda angegeben hatte, dass der Motor ohne Weiteres einer Drehzahl von 10.000 Umdrehungen standhalte, testete ihn die TU Braunschweig auf ihrem Prüfstand. Man erhöhte nach und nach die Drehzahl, bis es bei 12.000 U/min knallte. Statt des Motors hatte es aber den Prüfstand zerlegt.

Baujahr: 1966-70

Hubraum: 791 ccm

Leistung: 67,2 PS

Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h

Insgesamt hergestellt: 11.523 Stück

Vorgänger: S600

Nachfolger: Roadster S2000

ASTON MARTIN DB5

Filmlegende, Luxusklassiker, Briten-Preziose: Der Dienstwagen von James Bond ist neben dem VW Käfer das berühmteste Auto der Welt. Dabei war er auf der Straße nie so häufig anzutreffen wie im Kinderzimmer.

Eine größere Diskrepanz ist kaum vorstellbar. Das Original blieb mit nicht einmal 1.000 Exemplaren eine echte Rarität auf der Straße, von der Corgi-Toy-Variante – mit funktionsfähigem Schleudersitz! – landeten hingegen bis heute mehr als sieben Millionen Stück in den Kinderzimmern dieser Welt. Eine Goldgrube für den Spielzeugmarkt. Kein Zufall, denn der erste große Auftritt eines Aston Martin DB5 fand mit Sean Connery im 007-Abenteuer "Goldfinger" statt. So ein Ruhm hält ewig.

Erst kürzlich wurde eines der drei legendären Film-Modelle in London versteigert. Der Erlös blieb mit knapp drei Millionen Euro weit unter den Erwartungen. Verständlich, sind doch auch Autotelefon und Navi, die damals höchst exotischen Extras des Oldies, heutzutage alles andere als eine Sensation. Damals galt die sportive Eleganz dieses Sechszylinders als der letzte Schrei. SeIbst Autofan Queen Elizabeth fuhr darauf ab. Im Herbst 1965 ließ der englische Hof Aston Martin wissen, dass die Königin eine Werksbesichtigung in Betracht ziehe. In Freude darüber gaben Chef David Brown und Motorenbauer Tadek Marek einen weiteren Spezial-DB5 in Auftrag – ein Kinder-Cabrio im Maßstab 1:3 als Präsent für Prinz Andrew, Prinz Charles’ kleinen Bruder.

Sogar Bond-typische Extras wären drin gewesen, doch mit Rücksicht auf die Parkettböden im Buckingham Palace verzichtete man auf Mini-Maschinengewehre und ließ es bei Mini-Wasserpistolen bewenden. Heute steht das kleine Modellauto im königlichen Schloss Sandringham. Der damals kolportierte Wert: ganz schön fürstlich – umgerechnet 22.000 Euro.

Baujahr: 1963-65

Hubraum: 3.996 ccm

Leistung: 210-234 kW

Höchstgeschwindigkeit: 232 km/h

Insgesamt hergestellt: 983 Stück

Vorgänger: Aston Martin DB4

Nachfolger: Aston Martin DB6

LAMBORGHINI COUNTACH

Als dieser Keil auf die Menschheit niederkam, war auf dem Highway wirklich die Hölle los: Der Kampfstier aus der Emilia Romagna gilt als das spektakulärste Exemplar der seltenen Gattung Supersportwagen.

Wie simpel heute Benzingespräche verlaufen. Von Alfa bis Volvo sind keine Zungenbrecher unterwegs. Früher war das ganz anders: Als die keilförmige Kreation von Marcello Gandini das Straßenbild bereicherte, konnte man selbst als Autoquartett-versierter Mitteleuropäer verbal gleich zwei Mal ausrutschen. Lambortschini Kauntätsch. Au, weh! Das schmerzte italophile Ohren fast noch mehr als die wenigen Besitzer dieser Augenweide der Verbrauch von 20-30 Litern Super.

Der Countach ("kun-taasch"), das Flaggschiff des Ferrari-Herausforderers aus der Emilia Romagna, war ein Gefährt für den Grenzbereich. Vier Meter lang, exakt zwei Meter breit und gerade einmal 1.070 Millimeter hoch. Wer da Platz nehmen wollte, musste schon einige akrobatische Verrenkungen aus dem Ärmel schütteln. Kein Problem, wer Lambo fuhr, war einiges gewohnt. Vor allem akustisch. Der V12-Zylinder-Motor war – passend zum ungenierten Auftritt dieses Autos – alles andere als ein Leisetreter. Schade, dass die Wahrscheinlichkeit, hierzulande auf diese Extravaganz zu stoßen, sehr gering war. Ein Exemplar des Flügeltürers wurde regelmäßig in und um Ottensheim/OÖ gesichtet, in Giftgrün. Mutig.

So mutig wie die Entscheidung von Unternehmensgründer Ferruccio Lamborghini im Jahr 1963, von der Traktor-Produktion auf Hochleistungssportwagen umzusatteln. Um den Nachbarn Enzo Ferrari zu ärgern. Und um allen in seiner Heimat im norditalienischen Sant’Agata zu zeigen, wer der wahre Herr der Landstraße ist. Genau dort zeigt sich auch die größte Schwachstelle der potenten Flunder: Kurvenräubern war nicht das Metier des stilistischen Destillats der experimentierfreudigen 1970er Jahre. Zu seiner Zeit war er der schnellste Rennwagen mit Straßenzulassung. Doch zeigen wollte er das nur auf einer Geraden, einer endlos langen Geraden.

Baujahr: 1974-1990

Hubraum: 3.329-5.167 ccm

Leistung: 375-748 PS

Höchstgeschwindigkeit: 292-333 km/h

Insgesamt hergestellt: 1.985 Stück

Vorgänger: Lamborghini Miura

Nachfolger: Lamborghini Diablo

FORD CAPRI

Gelungene Proportionen und ein emotional besetzter Name machten ihn zum Topseller: Das Sportcoupé aus Köln sorgte bei Ford drei Jahrzehnte lang für einen atemberaubenden und verführerischen Auftritt.

Traumhaft und teuer. Diese Kombination können viele. Siehe Mustang aus dem verwandten Haus. Aber traumhaft und günstig? Das war die Vorgabe, die dieses Ford-Modell für Europa erfüllen sollte – als "Pony Car" für Reihenhausbewohner quasi. Um die Nähe zum Wilden Westen zu demonstrieren, sollte der "Capri" ursprünglich "Colt" heißen. Dass es dann die italienische Sehnsuchtsinsel wurde, schadete dem Erfolg aber nicht im Geringsten. Schon wenige Monate nach seinem Debüt Anfang 1969 konnte der deutsche Autohersteller vermelden: "Inzwischen sind in Köln 75.000 Capris gebaut worden. Und obwohl die Produktion dieses Modells seit Jänner ständig erhöht wurde, gelang es nicht, mit der ungewöhnlich lebhaften Nachfrage Schritt zu halten."

Seit dem Vorjahr punktet Ford mit den europäischen Modellen Focus und Fiesta auch in den USA. Ein Déjà-vu-Erlebnis für die Kölner, denn in den 1970er-Jahren war der "Capri" nach dem VW Käfer zeitweise das meistverkaufte Importmodell in den Vereinigten Staaten. Die GT-Versionen mit Doppelscheinwerfer sorgten für beachtliche Auftritte bei diversen Rennserien. Das getunte Modell RS 2600 wurde einst im KURIER sogar martialisch als "die Explosionsmaschine" gewürdigt.

Vor einem Vierteljahrhundert aber war Schluss. Da wurde die Produktion des "Flotten mit der großen Klappe" ("Neue Revue") eingestellt. Leider. Vielleicht springt ja Ford doch noch mit Verspätung auf die Retro-Welle auf und kündigt ein Comeback des "Capri" an. Gefordert wird es seit vier Jahren. Der Bedarf wäre da. Sicher.

Baujahr: 1969-1986

Hubraum: 1.3-3.0 l

Leistung: 50-188 PS

Höchstgeschwindigkeit: 133-215 km/h

Insgesamt hergestellt: ca. 1,900.678 Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: keiner

MORGAN 4/4

Vier Zylinder, vier Räder: Zusammengenommen ergibt das einen Wagen, der auch im Guinness-Buch der Rekorde seinen einzigartigen Platz hat. Der Morgan 4/4 ist nämlich das am längsten durchgehend produzierte Automodell der Welt.

Unter Kinderkrankheiten mögen mitunter andere Automodelle leiden, dieses Gefährt sicher schon lange nicht mehr: Der Morgan 4/4 wird seit 1936 produziert, ist also mittlerweile mehr als ausgereift. In Zeiten der Facelifts im Zweijahrestakt eigentlich ein Unding. Die vergangenen 75 Jahre hat der Roadster mit nur leichten Änderungen durchmessen, das Ziel blieb stets das Gleiche – britische Lebensart auf die Straße zu bringen. Auf Deutsch: Wenn hier etwas in einer forsch angesteuerten Kurve knarzt, ist es gut Holz – ein solides Gerüst aus Esche für den Stahlrahmen.

Morgan 4/4, Kenner der Szene wissen, was das bedeutet: vier Zylinder, vier Räder. Ebenso pragmatisch geht es weiter. Dass im Stammsitz der Manufaktur, in Great Malvern in der Grafschaft Worcestershire, auf traditionelles Handwerk wie Löten, Hämmern, Biegen Wert gelegt wird, spürt man. Kein Zweifel, ein Wagen, der Geschichte atmet. Immerhin blickt er auf ein Debüt im Krönungsjahr von George VI. – ja, der aus "The King’s Speech" – zurück.

So etwas verpflichtet: In seiner aktuellen Version stößt der Wagen nur 140 Gramm pro Kilometer aus und gilt damit als umweltschonendster Roadster überhaupt.

Baujahr: seit 1936

Hubraum: 1.276-1.595 ccm

Leistung: 39-112 PS

Höchstgeschwindigkeit: 120-190 km/h

Insgesamt hergestellt: ca. 10.000 Stück

Vorgänger: keiner

Nachfolger: keiner

FIAT PANDA

Quadratisch, praktisch, gut: Der Kleinwagen aus Bella Italia war zwar nicht bärenstark, dafür pragmatisch konzipiert und ein sympathischer Begleiter für Jung und Alt.

Beschleunigung – wie bitte? Platz – überraschend viel. Komfort – erstaunlich wenig. Unter welchem Blickwinkel man den kantigen Klassiker auch betrachtet, der "Meilenstein des Minimalismus" (AutoBILD) war schon eine großartige Kiste.

Das Meisterstück von Design-Legende Giorgetto Giugiaro wurde ursprünglich lediglich mit Hilfe eines Geodreiecks skizziert. Heute geht nichts mehr ohne computerunterstützte Simulation. Doch so simpel der konsequent kleine Wagen gezeichnet schien, so viele Facetten wies er auf. Auf Wunsch gab es den Panda mit Automatikschaltung, mit Allradantrieb oder mit Faltschiebedach. Welches andere Auto stößt heute schon bei Förstern und Sonnenhungrigen gleichermaßen auf Begeisterung? Auffallend war außerdem Folgendes: Die seitlichen Kunststoffleisten hatte das "günstige Haushaltsgerät", wie Schöpfer Giugiaro seine Kreation bezeichnete, mit einer Modellreihe gemeinsam, die fast das Zehnfache kostete – die Mercedes S-Klasse.

In GTI-Hochburgen wie Reifnitz am Wörthersee-Südufer war damit natürlich kein Aufriss zu machen. Aber sonst überzeugte der wendige Cityflitzer quer durch alle Bevölkerungs- und Einkommensschichten. Kein Zufall also, dass ein Motorjournalist einmal anmerkte, dass ein Italiener der "würdige Erbe des 2CV" sei. Das puristische Konzept des Panda konnte über 23 Baujahre knapp 4,5 Millionen Käufer überzeugen. Allesamt keine Raser. Die Lust aufs Tempobolzen vermieste einem das smarte Sparmobil mit brustschwachen Motoren. Dafür stand es Pate für nachfolgende Kleinwagen wie den VW Lupo oder den Renault Twingo.

Interessant, dass dreißig Jahre nach seinem Debüt der Nachfolger, der Nuova Panda, mit der gleichen Tugend – nützlich statt prestigeträchtig – punkten kann. In nicht einmal neun Jahren wurden von dem im Jahr 2003 leicht gewachsenen Mini-Fiat bereits zwei Millionen Stück produziert. Und weil Design zunehmend wichtiger wurde, gab es von diesem auch die Spezialausgabe Fiat Panda Alessi.

Baujahr: 1980-2003

Hubraum: 650-1.108 ccm

Leistung: 30-54 PS

Höchstgeschwindigkeit: 125-140 km/h

Insgesamt hergestellt: 4,491.000 Millionen

Vorgänger: keiner

Nachfolger: Nuova Panda



Letztes Update am 20.02.2012, 09:21


Artikel vom 05.12.2011 07:00 | KURIER | Bernhard Praschl | « zurück zu Motor


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