Wien: Zwei Morde in einer Nacht

Wien: Zwei Morde in einer Nacht
Sowohl in Ottakring als auch in der Brigittenau erstachen Ehemänner ihre Frauen.

Eine derartig blutige Nacht haben selbst lang gediente Kriminalisten nicht oft erlebt: Gleich vier Beziehungstragödien haben sich in der Nacht auf Sonntag in Österreich abgespielt. In Wien sind innerhalb weniger Stunden zwei Frauen von ihren Ehemännern er­stochen worden. In St. Pölten griff ein 29-Jähriger seine Partnerin ebenfalls mit einem Messer an – das Opfer überlebte, sein Zustand ist stabil. Und in Wiener Neustadt hat ein Mann versucht, seine Ex-Frau mit einem Kabel zu erwürgen. Der zehnjährige Sohn der beiden rief die Polizei zu Hilfe, die Angegriffene überlebte (mehr dazu hier). Die Mo­tive der Männer sind zum Teil noch völlig unklar.

Erster Mordfall

Etwa jenes im Fall des 34-jährigen Christoph G. Ihm wird vorgeworfen, seine um zwei Jahre ältere Ehefrau Ru­xanda ermordet zu haben. Laut Polizei ging der Unternehmensberater und EDV-Spezialist Samstagabend in die Küche seiner Wohnung in Wien-Brigittenau, nahm ein Messer aus einer Lade und fügte seiner Frau tödliche Stichverletzungen am Hals zu. „Wie oft er die Klinge führte, wird erst die Ob­duktion ergeben“, sagt Camellia Anssari von der Wiener Polizei.

Was zur Tat geführt hat, ist noch völlig unklar.

Fakt ist: Kurz danach schnappte G. seine sechsjährige Tochter, die während der Bluttat in ihrem Kinderzimmer war, setzte sie in seinen weißen Audi A6 und fuhr mit dem Kind zu seinen Eltern, die in Oberösterreich, in Dietach bei Steyr, wohnen. Dort soll Christoph G. die Sechsjährige seinem Vater übergeben und ihm gebeichtet haben, was passiert war. Danach fuhr er alleine weg.

Sein Vater verständigte sofort die Polizei und er­zählte, was vorgefallen sei. Wenig später öffneten Beamte des Sonderkommandos WEGA die Wohnung in der Adalbert-Stifter-Straße in Wien und fanden die Leiche der getöteten Frau in einem Zimmer auf dem Boden liegend.
Die Flucht von Christoph G. endete schließlich in Liezen in der Steiermark. Er parkte seinen Wagen vor der Polizeiinspektion
und stellte sich. „Der Mann wirkte verstört“, berichtet ein Polizist.

G. wurde festgenommen und Sonntagnachmittag nach Wien überstellt. Eine erste Einvernahme war in den späten Abendstunden geplant. Der sechsjährigen Tochter geht es laut Polizei den Umständen entsprechend gut, sie bleibt vorerst bei den Großeltern in Dietach.

Die Einwohner der kleinen Gemeinde sind geschockt. „Die Familie ist sehr angesehen. Das sind nette Leute“, erzählt Bürgermeister Johannes Kampenhuber. Auch Willi Prechtl, der Präsident des oö. Fußballverbandes, kennt die Familie gut. „Der Christoph ist ein blitzgescheiter Mensch. Er hat in der Schule immer gute Noten gehabt.“ Sabine Schröck, einer Lehrerin, tun vor allem die Eltern des mutmaßlichen Täters leid. „Als Nachbarn sind sie immer hilfsbereit.“ Vater G. kenne sie vom Golfspielen, den Sohn habe sie schon länger nicht gesehen. „Er war selten zu Besuch da.“

Warum Christoph G. seine Frau getötet haben soll, kann sich in Dietach niemand vorstellen. „Ich habe nie gehört, dass es familiäre Probleme gegeben hat“, sagt Kampenhuber. G. hat seine Frau in ihrer Heimat Rumä­nien kennengelernt. Die beiden lebten eine Zeitlang dort. Als Ruxanda, die zuletzt in einer Immobilienfirma arbeitete, schwanger wurde, übersiedelten sie nach Wien.

Während die Beamten des Landeskriminalamtes Wien noch mit der Aufarbeitung der Familientragödie in der Brigittenau beschäftigt waren (Bericht oben) , langte schon wieder ein Hilferuf nach einer Familientragödie ein. Gegen 6 Uhr rief ein Be­wohner einer Wohnhausanlage in der Montleartstraße in Ottakring die Polizei, weil er einen heftigen Streit in der Nachbarwohnung gehört hatte. Den eintreffenden Beamten kam ein blutverschmierter und schreiender Mann entgegen. Es handelte sich um den 44-jähriger Heilmasseur Tayfur C.

In der Wohnung fanden die Beamten drei Familienangehörige. Die 43-jährige Ehefrau und der 20-jährige Sohn des Mannes lagen blutüberströmt auf dem Boden, beide hatten schwere Stichverletzungen erlitten. Die 15-jährige Tochter stand geschockt und mit leichten Blessuren daneben.

Küchenmesser

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatte der Mann im Streit mit einem Küchen­messer zuerst seiner Ehefrau mehrere Stiche zugefügt. Durch die Schreie wurden die beiden Kinder, die im Nebenzimmer schliefen, geweckt. Der Sohn versuchte, seine Eltern auseinanderzuhalten und wurde durch einen tiefen Bauchstich verletzt. Die Frau wurde mit mehreren lebensgefährlichen Stichverletzungen vom Notarzt erstversorgt, starb aber kurze Zeit darauf im Spital. Die Verletzungen des Sohnes „sind schwer, aber nicht lebensgefährlich“, berichtete Camellia Anssari von der Landespolizeidirektion Wien.

Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Der ausgebildete Heilmasseur hatte in Hernals ein Massagestudio betrieben, wo er unter anderem Massagetechniken aus Thailand, China, Japan und Indien anbot. Sein Gewerbe hat er aber inzwischen ruhend gestellt.

Zu Auseinandersetzungen in der Familie war es nach Angaben der Tochter öfter gekommen. Und zwar mit wechselnden Rollen. Vater gegen Sohn – die Frau ging da­zwischen. Vater gegen Ehefrau – der Sohn ging da­zwischen. Nie sei aber körperliche Gewalt dabei gewesen.

Nach der Festnahme wurde dem mutmaßlichen Täter von der Polizei eine „Abkühlphase“ gewährt. Die Vernehmung begann erst in den Abendstunden.

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