Wie die Grippewelle das Donauspital überrascht hat

Wie die Grippewelle das Donauspital überrascht hat
Nach Chaos am Wochenende droht jetzt noch stärkerer Zustrom von Kranken.

Montagabend in der AKH-Notfallambulanz: Das Hustkonzert im Wartebereich deutet darauf hin, dass die Grippewelle langsam Wien erreicht. An diesem Abend ist aber noch alles im grünen Bereich: Die Schlange vor der Erstbegutachtung ist kurz, auf die eigentliche Behandlung muss kaum ein Patient länger als 30 Minuten warten.

"An den Wochenenden sieht es natürlich anders aus", sagt ein Arzt. "Da kann es schon zwei bis drei Stunden dauern, bis ein Patient überhaupt erst einmal von einem Arzt gesehen wird." Manche Patienten seien wegen der Wartezeiten sehr aufgebracht, speziell geschultes Personal müsse dann deeskalierend eingreifen.

Nicht mehr gelungen ist das am Sonntag auf der Kinderambulanz im Donauspital: Wegen der Grippe mussten die sechs Ärzte im Wochenenddienst pro Tag bis zu 250 Patienten versorgen. Aufgrund von Wartezeiten von zumindest acht Stunden kam es wie berichtet zu Tumulten. Letztlich musste sogar die Polizei gerufen werden.

Grippewelle startet erst

Schon am kommenden Wochenende droht der nächste Patientenansturm: Wie das Diagnostische Influenza Netzwerk am Dienstag mitteilte, hat die Grippewelle gerade erst begonnen.

Jetzt hagelt es massive Kritik an der Stadt: "Es kann doch nicht so schwierig sein, diese Stoßzeiten rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen", sagt etwa ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Auch für Gernot Rainer von der Ärztegewerkschaft Asklepios ist es völlig unverständlich, warum für eine solche Situation keine Vorhalte-Kapazitäten an Ärzten bestehen. Und selbst Bürgermeister Michael Häupl musste am Dienstag organisatorische Mängel einräumen. "Die Anzahl der Patienten die am vergangenen Wochenende das Donauspital aufgesucht haben, geht weit über das übliche Maß hinaus", sagt man dazu im Krankenanstaltenverbund (KAV).

Bereitschaftsdienst

Zumindest für das kommende Wochenende will man besser vorbereitet sein: "Es wird zusätzlich zum Personal in den Ambulanzen, Ärzte geben, die auf Abruf zur Verfügung stehen", betont ein KAV-Sprecher.

"Ich gehe davon aus, dass die Stadt gegensteuert", sagt Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres. Angesichts der Einsparungen überraschen ihn die Probleme im Donauspital nicht. "Zuletzt sind überall die Wartezeiten länger geworden." Seitens der Kammer versucht man jetzt kurzfristig, zusätzliche Mediziner für den Ärztefunkdienst ( 141) zu rekrutieren. Gespräche zwischen Kammer und Stadt, um die Situation in den Griff zu bekommen, sind keine geplant. Das nächste Treffen ist erst Ende Februar vorgesehen.

Hinter der aktuellen Misere steckt ein Strukturproblem, das trotz jahrelanger Ankündigungen immer noch nicht gelöst wurde:Die Patienten werden am Wochenende geradezu in die Ambulanzen gedrängt, weil es kaum offene Kinderarzt-Ordinationen mit Kassenvertrag gibt. In ganz Wien haben samstags von den 85 Praxen nur gerade einmal drei offen, am Sonntag keine einzige.

"Im niedergelassenen Bereich braucht es mehr und vor allem flexiblere Angebote für die kinderärztliche Versorgung", räumt man im Büro Wehsely ein. "Die Stadt ist hier in Abstimmung mit der Gebietskrankenkasse und der Ärztekammer." Bis zum Sommer soll es einen Masterplan Kindergesundheitsversorgung geben, ergänzt man bei der WGKK.

Kommentar: "Ausflüchte"

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