Sandkastenliebe, die schon ein Leben lang hält

Nach 65 Ehejahren ist das Ehepaar Koblasa immer noch glücklich. „Und in zweieinhalb Jahren wollen wir die Steinerne Hochzeit feiern.“
Sie kennen einander seit der Geburt. Heute sind Rosi und Josef Koblasa 65 Jahre verheiratet.

An Zufall mag Josef Koblasa ganz und gar nicht glauben. "Wir sind innerhalb von fünf Tagen auf die Welt gekommen, sie am 26. Oktober 1928, ich am 31. Oktober. Beide im Wilhelminenspital. Sie als Rosi Kobliska, ich als Josef Koblasa." Heute sind die beiden 86-Jährigen auf den Tag genau 65 Jahre verheiratet. Ihre Eiserne Hochzeit feiern sie im Caritas-Haus St. Klemens in Penzing, wo das Ehepaar seit elf Jahren lebt.

"Ich bin fest davon überzeugt, dass alles eine Fügung war", sagt Herr Koblasa. Dass er und seine Frau fast zeitgleich das Licht der Welt erblickten, später in derselben Sandkiste spielten, in dieselbe Schule kamen und einander "mit Einverständnis unserer Eltern" gegenseitig besuchen und gemeinsam lernen durften. Gefallen habe ihm die Rosi schon immer. "Damals, mit zehn, elf Jahren, habe ich immer ums Eck gewartet, bis sie aus dem Haus kommt, und dann hab’ ich sie ganz ,zufällig‘ auf dem Schulweg getroffen", sagt Herr Koblasa und schmunzelt.

Seine Frau kann seit einem Schlaganfall im Vorjahr kaum mehr sprechen – "andere Männer wären froh, wenn ihre Frau mal nicht redet. Ich wär froh, wenn sie es könnte", sagt Josef Koblasa und streichelt Rosi zärtlich die Hand. "Eigentlich wollte ich ja Priester werden", erzählt er weiter. Aber dann kam der Krieg. "Und als ich heimgekehrt bin, hatten wir beide niemand anderen. Also habe ich um ihre Hand angehalten." In den ersten Ehejahren lebte das Paar gemeinsam mit Koblasas Mutter, seinem Stiefvater und der Schwester "zu fünft auf neun Quadratmetern". Wie schafft es ein frisch vermähltes Paar unter solchen Umständen, auch mal allein zu sein? "Zum Alleinsein sind wir in den Wald spazieren gegangen", erzählt Herr Koblasa und grinst verschmitzt.

Gemeinsam arbeiten

Sandkastenliebe, die schon ein Leben lang hält
altes Paar, im Pensionistenheim
Er war zu der Zeit mittlerweile Kürschner statt Priester und arbeitete bei Foggensteiner Pelze – ebenso wie seine Frau, die Modistin gelernt hatte. "In der Firma war ich der Chef, daheim meine Frau." Ist das das Geheimnis einer guten Ehe? "Kann sein", sagt Herr Koblasa. "Wir mussten auch immer sparen, damit wir uns etwas leisten können." Erst ein Häuschen, dann viele gemeinsame Reisen. "Wir waren in der Sahara oder sind mit dem Roller durch Italien gefahren. Das hat uns sicher zusammengeschweißt."

Ein Geheimrezept für eine glückliche Ehe hat der 86-Jährige nicht. Drei Zutaten seien aber ganz wichtig: "Vertrauen. Einander zuhören. Und Liebe – die Liebe gehört auf alle Fälle dazu." Wahre Liebe wohlgemerkt. "Bei uns hat das Wort noch eine ganz andere Bedeutung gehabt. Heute liebt man ein Auto, ein Schnitzel – bei uns hat man nur einen Menschen geliebt." Schmetterlinge im Bauch habe er trotzdem nie gehabt, bei keiner Frau. "Und ich hab bis heute keine." Aber, sagt Herr Koblasa und greift sich ans Herz, "da ist schon sehr viel."

Nachkommen waren dem Paar nicht vergönnt, "meine Frau hat unser Kind, ich bin überzeugt, dass es eine Tochter war, verloren", sagt Josef Koblasa. "Aber bei mir stirbt niemand, bei mir geht jemand weg."

Deshalb ist er auch davon "überzeugt, dass die Rosi und ich auch da oben zusammen sein werden". Spricht’s und nimmt ihre Hand. "Ich hab dich lieb." Und plötzlich spricht auch Frau Koblasa: "Ich liebe dich."

Kommentare