Posträuber betrog Komplizen und verhöhnte Polizei am Telefon

Posträuber betrog Komplizen und verhöhnte Polizei am Telefon
Der dreiste Überfall auf den Geldtransporter der Post in Wien ist geklärt. Es war ein "Inside-Job". Der Haupttäter ist mit der Beute in die Türkei geflüchtet.

Es war ein kurioses Telefonat, das Yunus K. (34) vor wenigen Tagen mit Beamten des Landeskriminalamts Wien führte. Ganz offen gab er zu, dass er derzeit im türkischen Istanbul mehr als eine halbe Million Euro bei sich habe. Das sei die Beute aus dem Geldtransporter-Überfall von Anfang August in Wien. Mit dem Geld werde er sich jetzt eine schöne Zeit in der Türkei machen. "Ich hab den Überfall ja nicht gemacht, um das Geld nachher zurückzugeben und ins Gefängnis zu gehen", erklärte er den Wiener Raubermittlern.

Ob Yunus K. jemals belangt werden kann, ist offen.

Doch zurück zum Beginn der spektakulären Geschichte: Anfang August findet die Polizei in der Oberen Weißgerberstraße einen VW-Geldtransporter der Post. Im hinteren Bereich eingesperrt ist der Fahrer – Murat B. (37). Er sei vor dem Spar in der Wehlistraße überfallen und danach gefesselt und geknebelt durch Wien kutschiert worden, gab er im Verhör der Polizei an.

Doch die ganze Geschichte war von Beginn an mehr als eigenartig. Der Räuber fuhr nämlich noch vier weitere Lebensmittelgeschäfte von Spar und Billa an und kassierte dort die Tageslosungen ein, beziehungsweise brachte frisches Bargeld.

Fingerabdruck

Die Kripo stellte schließlich einen Fingerabdruck sicher, der Yunus K. zugeordnet werden konnte. Dieser war bereits wegen eines Drogendeliktes polizeibekannt. Bei den anschließenden Ermittlungen stellte sich heraus: K. war offenbar ein Freund des Geldtransporter-Fahrers.

Damit konfrontiert, legte Murat B. ein umfangreiches Geständnis ab. Dabei gab er zu, dass er selber zum Opfer des 34-Jährigen wurde. Die beiden hatten nämlich abgemacht, die Beute brüderlich zu teilen. "Daraus wurde aber nichts", sagt Oberstleutnant Robert Klug. Denn Yunus K. stieg wenige Stunden nach dem Überfall in ein Flugzeug nach Istanbul. Wie er es geschafft hat, eine halbe Million Euro im Gepäck durch die Zollkontrollen in Wien und der Türkei zu schmuggeln, ist mehr als rätselhaft.

Yunus K. dürfte von seinem Freund jedenfalls tagelang geschult worden sein. Er kannte offenbar alle Abläufe. Das Problem aber war, dass die beiden keinen Schlüssel für die Geldbox hatten. Nur mit diesem kann das Bargeld herausgenommen werden, ohne den Alarm auszulösen. Deshalb wurden weitere Geschäfte angefahren, um an so einen Schlüssel zu gelangen. Dies gelang schließlich durch eine List beim Spar-Markt in der Wehlistraße.

Schönes Leben in Türkei

Während des Verhörs mit dem verhafteten Geldwagen-Chauffeur läutete jedenfalls dessen Mobiltelefon. Die Kriminalisten nahmen ab und am Apparat war – Yunus K. "Er sagte: Ihr könnt mich gern haben, ich mache mir mit dem Geld in der Türkei ein schönes Leben", sagt Klug. "Das war jetzt allerdings kein wörtliches Zitat. Das habe ich etwas verschönt."

Gegen K. wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen. Ob er gefasst wird und wenn ja, ob er dann nach Österreich ausgeliefert wird, ist unklar. "Das ist unterschiedlich in den einzelnen Provinzen der Türkei", sagt Oberst Michael Mimra vom Landeskriminalamt.

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