Poker um die Pokerlizenzen

Poker um die Pokerlizenzen
Regulierung geplant. Verruchtes Spiel oder fast schon "Weltkulturerbe"? Die Finanz hat ihre Not mit dem teils steuerfreien Glücksspiel.

Jeden Montag spielen in einem Wiener Club zwei FPÖ-Politiker mit dem Sohn eines prominenten Grünen Poker. Die Karten für das Spiel teilt ein SPÖ-Mitglied aus. In den größeren Casinos ist einer der prominentesten Rabbiner aus Wien Stammgast. Er zockt dort am Tisch – vornehmlich mit Moslems. Auch Polizisten, Fußballer, Manager, Weltcup-Skifahrer, TV-Stars und sogar Finanzbeamte wurden in ihrer Freizeit bereits an den heimischen Pokertischen gesichtet. Das einst verruchte Spiel ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Österreichs derzeit vermutlich bester Spieler ist ein WU-Student – Thomas Mühlöcker.

"Poker sollte eigentlich zum UNESCO-Weltkulturerbe werden", meint Peter Zanoni, Chef über 13 Casinos der Concord-Gruppe. "Nirgendwo auf der Welt treffen sich so viele unterschiedliche Typen, Berufsgruppen und Konfessionen, um friedlich an einem Tisch zu sitzen."

Glücksspiel oder nicht?

In rund 30 heimischen Casinos und mehr als 100 Clubs wird Poker um Geld gespielt. Dem Staat ist das ein Dorn im Auge. Seit zwei Jahrzehnten versucht das Finanzministerium, das Ganze gesetzlich zu regeln – vergeblich. Es scheitert auch, weil der Staat Poker als Glücksspiel definieren will. De facto gibt es eine Glückskomponente, auf lange Sicht handelt es sich um ein Geschicklichkeitsspiel wie Schnapsen oder Tarock.

Die Folgen sind kurios: So gab es im Vorjahr eine groß angelegte Razzia in einem Grazer Pokercasino, und dort wurden die Tische wie Automaten behandelt. Sie wurden plombiert und auf die Seite geräumt. Bereits am nächsten Tag wurde auf anderen Tischen weitergespielt. Die Finanz musste zuschauen.

Auch sonst gab es amüsante Auswüchse: So stuft die Finanzpolizei das Turnierpoker, wo ein Mal ein Einsatz von meist 30 bis 80 Euro geleistet wird und damit den ganzen Abend gespielt wird, als illegal ein. Das weit riskantere Spiel um echtes Bargeld (Cashgame), wo mitunter Hunderte und Tausende Euro in einem Spiel den Besitzer wechseln, ist erlaubt. "Es gehört schon viel Dummheit dazu, die 123. Anzeige zu schreiben, bei der nichts herauskommt", stichelt Casino-Chef Zanoni. "Bisher bin ich in 20 Jahren jedenfalls kein einziges Mal rechtskräftig bestraft worden." Vor einigen Jahren fotografierten die Beamten sogar jeden Poker-Gast einzeln. Dabei ist es für Spieler gar nicht einmal verboten zu pokern. Bis heute gab es keine Strafe für die Teilnehmer des Pokerspiels.

Drei statt 130 Spielorte

Im vergangenen Sommer erlitt die Finanz erneut eine Niederlage als der Verfassungsgerichtshof ein Gesetz aufhob. Im heurigen Jänner wurde ein fast identes Gesetz wieder beschlossen. Statt an mehr als 130 Orten soll ab dem Jahr 2016 nur mehr an drei Plätzen gepokert werden – dazu muss aber eine große Organisation aufgebaut werden, und es müssen fünf Millionen Euro Kaution hinterlegt werden. Zanoni: "Wenn wir das, was im Gesetz steht, so umsetzen, dann müssten wir drei riesige Casinos bauen mit je 300 Tischen und Groß-Events veranstalten. Das kann ich mir in Wien vorstellen und vielleicht in Vorarlberg. Eine dritte Lizenz wäre aber nirgends mehr gewinnbringend."

Das Finanzministerium hatte eine Woche Zeit für eine Stellungnahme zu dem Thema, diese blieb aber aus.

Ab Mittwoch wird erstmals in der Wiener Hofburg um ein Preisgeld von an die zehn Millionen Euro gepokert. Dann werden rund 800 bis 1000 Pokerprofis, Millionäre und auch so manche Prominente erwartet. Sie alle zocken im Rahmen der Pokerstars-European Poker Tour (EPT) um das ganz große Preisgeld. Es ist die größte Turnierserie außerhalb der Poker-Weltmeisterschaften in Las Vegas. Die noblen Hotels entlang der Ringstraße werden deshalb gut gebucht sein.

Veranstalter Peter Zanoni möchte, dass die Hofburg künftig jedes Jahr so ein Turnier beherbergt. "Wir wollen, dass dies langfristig der Ersatz für die Berliner Veranstaltung wird", kündigt er gegenüber dem KURIER an. Dann sollen Leute wie der Kanadier Daniel Negreanu, der sechsfacher Weltmeister und Multimillionär ist und in mehreren Hollywoodfilmen mitgespielt hat, Stammgäste in der sogenannten "Pokerhauptstadt Europas" werden.

Denn Wien ist auch sonst ein Magnet für europäische Pokerprofis, einige von ihnen haben Villen in Hietzing oder Währing. Sie genießen, dass in Österreich Poker als Glücksspiel deklariert wird und deshalb alle Gewinne steuerfrei sind – im Gegensatz zu anderen Ländern, wo Profis Einkommenssteuer zahlen müssen. Vor allem wird in Österreich auch im Internet um hohe Summen gespielt. Zwar darf eigentlich legal nur auf win2day gepokert werden, allerdings spielt der überwiegende Teil der Zockerfreunde auf ausländischen Seiten. Denn das ist "nur" eine Verwaltungsübertretung, die bisher allerdings noch niemals bestraft wurde.

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