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Proteste der Bewohner im 14. Bezirk haben nicht gefruchtet. Die Ausweitung des Parkpickerls kommt bereits Anfang Jänner.
Proteste der Bewohner im 14. Bezirk haben nicht gefruchtet. Die Ausweitung des Parkpickerls kommt bereits Anfang Jänner. - Foto: KURIER /gruber franz

Letztes Update am 28.12.2012, 14:44

Parkpickerl-Zone vor Ausweitung. Keine Schonfrist. Stadt enthüllt in den neuen Gebieten am 1. Jänner auch die neuen Verkehrstafeln.

Das Parkpickerl wird im Jänner ausgedehnt. Autofahrer müssen ab 2. Jänner zahlen. „Das war das härteste Jahr meines Lebens“, sagt Leopold Bubak, Parkpickerlkoordinator und Chef der MA 65. Ausruhen kann sich Bubak nicht. 2013 wartet viel Arbeit auf ihn und sein Team.

Ab 1. Jänner werden in den Bezirken Penzing, Ottakring und Hernals die Kurzparkzonen großräumig ausgeweitet (siehe Grafik). Im 14. Bezirk geht die neue Pickerlzone vom Otto-Wagner-Spital über die Hüttelbergstraße bis zur Hadikgasse, in Ottakring wächst die Zone bis zur Savoyenstraße und auch Hernals zieht nach: Dort reicht die Kurzparkzone gar bis zur Höhenstraße.


Leopold Bubak
Leopold Bubak - Foto: KURIER/Jeff Mangione
Die meisten Schilder stehen schon, auch wenn sie bis 1. Jänner noch verhüllt sind. „Wir sind hier exakt im Plan“, sagt Bubak im KURIER-Gespräch. Er rät Bewohnern der neuen Zonen, sich rechtzeitig um das neue Parkpickerl zu kümmern. Toleranzzeiten wie beim letzten Mal gebe es keine. Durch die neuen Zonen wird es noch weniger Platz für Autos mit Nicht-Wiener Kennzeichen geben. Die große Verdrängung an die Zonengrenzen werde es aber nicht geben, glaubt Bubak: „Dort gibt es nämlich keine Öffi-Angebote.“

Durch die neuerliche Ausweitung wird auch die Zahl der Weißkappler weiter steigen. Derzeit sind knapp 420 Parkraumkontrolleure unterwegs. Um die Überwachungsdichte beizubehalten, dürften also weitere Kontrolleure eingestellt werden.

Nach wie vor ohne Parkpickerl sind die ÖVP-geführten Bezirke Döbling, Währing und Hietzing. Die beiden letztgenannten dürften durch die neuerliche Ausweitung allerdings stark unter Druck geraten. In einer Studie der Stadt wurden die Auswirkungen auf die schwarzen Bezirke analysiert. „Dass es nicht rosig aussieht, ist klar“, sagt Bubak. Daher will VP-Bezirksvorsteher Karl Homole die Bürger erneut zur Einführung des Parkpickerls befragen, ebenso Hietzings Bezirks-Chef Heinz Gerstbach.

Auch die Stadt lässt in einer Volksbefragung darüber abstimmen, ob die Parkraumbewirtschaftung künftig zentral geregelt werden soll. „Grundsätzlich ist ein einheitliche Lösung besser“, sagt Bubak diplomatisch, das sei aber eine rein politische Entscheidung.

Zukunft

Wie Parken in Wien zukünftig geregelt sein soll, hat eine Kommission von Verkehrsexperten bereits diskutiert. Dabei wurden neue Modelle angedacht, etwa die Ausweitung des kostenlosen 10-Minuten-Parkscheins auf 15 Minuten. Bubak: „Rechtlich spricht nichts dagegen, auch wenn die Fluktuation der Parkplätze dadurch leicht abnehmen würde.“ Auch gestaffelte Kurzparktarife scheinen plötzlich möglich. Dabei sollen die Tarife in der Innenstadt höher sein, als in den Außenbezirken. Ein Umstand, den man von Parkgaragen in der Innenstadt kennt.

Ein weiterer Vorschlag ist, das Kurzparken für Nicht-Anrainer auf mehr als 3 Stunden auszudehnen. „Derzeit sind in der StVO nur drei Stunden vorgesehen“, erklärt Bubak. „Will man das ändern bräuchte man ein neues Landesgesetz in dem die Parkdauer geregelt ist.“

Viele Zwischenrufe versteht der Verkehrsexperte aber nicht und meint sarkastisch: „Die Parkraumbewirtschaftung gilt ja nur werktags. Seit der Ausweitung des Parkpickerls entdecken plötzlich alle ihre heiß geliebte Schwiegermutter, die sie täglich besuchen müssen.“


Grafik

Die Ausweitung


Vor Ort

Gebühren als Neujahrs-Präsent

Betroffene kennen Zonengrenzen nicht

„Schöne Festtage“ wünscht Bürgermeister Häupl auf einem City-Light-Plakat am Beginn der Savoyenstraße. Unmittelbar daneben steht eine noch schwarz verhüllte Verkehrstafel: Sie signalisiert die erweiterte Kurzparkzone in Ottakring. Bis tief in den Wienerwald hinein wird ab 2. Jänner nämlich die Gebührenpflicht für parkende Autos eingeführt. Wer kein Parkpickerl hat, muss zahlen und nach drei Stunden den Platz wieder räumen.

Ersichtlich gemacht sind die neuen Zonen in den Bezirken 14, 16 und 17 noch nicht überall. Noch fehlen Schilder, wie etwa in der Wilhelminenstraße oder der Dehnegasse. Der ÖAMTC fordert deshalb eine Schonfrist für Parksünder in den ersten Tagen des neuen Jahres. Im Verkehrsressort im Rathaus hat man bisher auf die Forderung aber nicht reagiert.

Es bestehen auch noch Unklarheiten über die Zonengrenzen und die verordneten Überlappungszonen, wo auch Pickerlinhaber des Nachbarbezirks ihr Fahrzeug ohne Kurzparkschein abstellen können.

Der Hernalser Franz Riedl hat den Plan in seiner Jackentasche: „Den bekommt man mit dem Parkpickerl. Aber klar ist da gar nichts.“

Riedl sieht nicht ein , dass die Grenzen der Überlappungszone nicht markante Straßenzüge sind, sondern kleine Nebengassen: „Wie soll man sich das merken. Da muss man den Plan ja immer mit sich herumtragen.“

Sein Kollege urgiert mehr Park-and-Ride-Stellplätze: „Das Parkhaus in Ottakring ist schon seit dem Oktober-Parkpickerl ständig voll. Und jetzt kommen noch die Erweiterungszonen dazu.“

Stevan Singer aus Ottakring vermisst eine optimale Information über das Parkpickerl: „Eigentlich hab’ ich mich nur aus Zeitungen darüber informiert. Ich glaube aber, dass 90 Prozent der Leute dagegen sind. Man sollte nichts mit Gewalt durchsetzen. Auch nicht ein Parkpickerl.“

Froh über das Parkpickerl sind einige Gastronomen in bisher pickerlfreien Zonen, weil die Umgebung von Pendlern regelrecht zugeparkt war. Dass die Gäste jetzt für einen Besuch zwei bis sechs Euro zahlen müssen, wird ignoriert. „Dafür bekommen sie ja dann auch einen Parkplatz.“

Die gibt es auch in der Savoyenstraße. Sie gilt zwar als Zonengrenze, ist aber von der Gebührenpflicht ausgenommen.

(kurier) Erstellt am 28.12.2012, 14:44

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