Rochusmarkt: Neuer Nachbar unerwünscht

Die ehemalige Postzentrale beim Rochusmarkt wird abgerissen.
Der Abbruch des Postgebäudes in der Maria-Eis-Gasse hat begonnen - Kritik gegen Einkaufszentrum

"So viele Geld kann man gar nicht ausgeben, wie es hier Geschäfte gibt", sagt Roland Schätzl. Seit 32 Jahren betreibt er seinen Obst- und Gemüsestand am Rochusmarkt im dritten Bezirk. Tag für Tag verkauft er dort seine Ware, er kennt seine Kunden und den Markt. Dass im alten Postgebäude in der Maria-Eis-Gasse, direkt beim Rochusmarkt, jetzt ein Einkaufszentrum entsteht, hält Schätzl für keine so gute Idee. "Das ist dann das dritte Einkaufszentrum hier in der Nähe. Und keines der bestehenden geht gut." 650 Meter stadteinwärts vom Rochusmarkt befindet sich das Shoppingcenter "The Mall" beim Bahnhof Wien Mitte; 500 Meter stadtauswärts das Einkaufszentrum Galleria.

Rochusmarkt: Neuer Nachbar unerwünscht
Rochusmakt, Wien-Landstraße
Der Abriss des alten Postgebäudes am Rochusmarkt (abgesehen von der denkmalgeschützten Fassade) hat bereits begonnen. Von der 50.000 großen Gesamtfläche sollen 26.000 als Büros genutzt werden, 5500 wurden für Geschäftsflächen reserviert. Welche Shops dort einziehen werden, ist allerdings noch nicht klar. Das Vergabeverfahren hat laut Österreichischer Post AG gerade erst begonnen und läuft noch bis Mitte April.

Rettungsaktion

Aber schon jetzt hat das Projekt nicht nur mit Skepsis bei den Standlern am Rochusmarkt, sondern auch mit einer Online-Petition zu kämpfen. Name: Rettet den Rochusmarkt – Gegen den Bau des Einkaufszentrums. 241 Personen haben bisher unterzeichnet. Wer die Unterschriftenaktion initiiert hat, ist unklar.

Auch Marina Poppenberger, die seit 21 Jahren das Käseland am Rochusmarkt betreibt, weiß nicht, wer dahintersteckt. Das geplante Einkaufszentrum versetzt sie zwar nicht in einen Freudentaumel, aber sie will es nicht schon vorher schlechtreden: "Solangs’ keinen Gourmet-Spar einziehen lassen, kann ich damit leben", sagt sie. "Vielleicht ist es ja auch eine Chance für den Markt."

Rochusmarkt: Neuer Nachbar unerwünscht
Rochusmakt, Wien-Landstraße
Supermärkte gebe es rund um den Markt jedenfalls schon genug – darin sind sich die Standler einig. Ein Penny-Markt, ein Hofer und ein Billa liegen quasi direkt vor der Haustür. "Gehen S’ einmal die ganze Landstraßer Hauptstraße von vorn’ bis hint’ runter. 14 Supermärkte gibt’s. Ich hab’s einmal gezählt", erzählt die Verkäuferin vom Blumenladen Konter. "Es sperren eh rundherum immer mehr Geschäfte zu. Durch das Einkaufszentrum werden wieder die kleinen Betriebe eingehen", sagt ihre Kollegin Maureen Adam.

"Kein Einkaufcenter"

Der Landstraßer Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (SPÖ) kann die Aufregung nicht nachvollziehen: "Das wird doch kein Einkaufcenter. Dass die Post mit über 1000 Mitarbeitern dort einzieht, wird den Rochsumarkt sogar noch aufwerten. Die fliegen ja direkt in den Markt hinein", sagt Hohenberger. Die Geschäfte in der Post-Zentrale sollen eine Ergänzung zum Angebot auf dem Markt sein: "Es wird dort keinen Bäcker, keinen Fleischhauer und kein Gemüsegeschäft geben", sagt der Bezirksvorsteher. Er hätte sich gefreut, wenn man vorher das Gespräch mit ihm gesucht hätte. Von der Online-Petition hält Hohenberger jedenfalls nichts: "Wir brauchen den Rochusmarkt nicht retten. Der floriert und wird durch die Post noch besser werden."

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