Islamische Schule wird überprüft

Rudolf Buchbinder spielt auf dem Klavier.
Foto: Gerhard Deutsch Streit um Musikunterricht an einer islamischen Schule.

Nach Vorwürfen eines Musiklehrers schritt Stadtschulrat ein.

Eine islamische Privatschule in Floridsdorf könnte das Öffentlichkeitsrecht verlieren, weil es aus den Reihen der Eltern Widerstände gegen den Musikunterricht geben soll. Laut ORF-Report habe sich ein – inzwischen von der Schulleitung entlassener – Musiklehrer beim Stadtschulrat beschwert. Dieser will die Vorwürfe gegen die "Austrian International School (vormals "Al-Azhar International School") nun prüfen.

Der Pädagoge, ein aus Ägypten stammender Moslem, beklagt in seinem Beschwerdebrief, die Kinder hätten ihn teilweise ignoriert, sich die Ohren zugehalten oder ihn sogar angeschrien, dass Musik "haram" – also verboten – sei. Er schildert zudem, ein Vater habe seine Tochter aus der Klasse geholt, weil sie nicht am Musikunterricht teilnehmen dürfe. Die Ablehnung von Musik sei eine extreme Auslegung des Islam.

Pädagoge entlassen

Als ihm Schüler erklärt hätten, "dass Muslime Nicht-Muslime schlachten dürften", habe er überlegt, die Polizei zu alarmieren. Schuldirektorin Sigrid Friedl-Neubauer habe ihn aber davon abgehalten. Im Report erklärte sie, sie sei schockiert gewesen, als der Lehrer die Exekutive einschalten wollte. An der Schule gehe man stattdessen den "Weg des Dialogs" und es gebe außerdem die Dienstaufsichtsbehörde.

Mittlerweile wurde der Lehrer entlassen – er habe nicht mit den Kindern umgehen können, lautete die Begründung. Eltern hätten seine Kündigung verlangt, behauptet dagegen der Pädagoge. Zurzeit halten Klassenlehrer den Musikunterricht ab.

Dem KURIER standen weder Friedl-Neubauer, noch der entlassene Musiklehrer für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Im TV-Interview räumte die Schulleiterin ein, dass manche Eltern "mit sehr tradierten Verhaltensweisen und Vorstellungen" Probleme mit dem Musikunterricht hätten. Es wäre aber "nicht so, wie es im Bericht des Lehrers beschrieben ist".

Hinter vorgehaltener Hand hört man in gut informierten Kreisen aber, dass es an der Schule ein paar kinderreiche Familien "mit traditionell-fundamentalistischem Hintergrund" gebe. "Diese dürften sich zum Ziel gesetzt haben, den Musikunterricht zu bekämpfen." Da die Privatschule vom Schulgeld der Eltern lebe, unterliege man aber "finanziellen Zwängen".

Musik ist Pflichtfach

Ob die Vorwürfe zutreffen, wird nun vom Stadtschulrat überprüft. Da der Musikunterricht verpflichtender Teil des Lehrplans ist, müsse die Schule in der Lage sein, für dessen Einhaltung zu sorgen. Sei sie das nicht, müsse man beim Ministerium den Entzug des Öffentlichkeitsrechts beantragen, stellt Präsidentin Susanne Brandsteidl klar. Dann müssten die Schüler am Ende jedes Schuljahres eine Externistenprüfung ablegen, bei der die Behörde prüft, ob die vorgesehenen Bildungsziele erreicht wurden.

Bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft betont man, dass es sich bei dem Fall nicht um eine interne muslimische Debatte handle. Gegen den Lehrer habe es Beschwerden gegeben, da er pädagogische Standards nicht eingehalten habe. Es bestehe "kein Zusammenhang mit Ressentiments gegenüber Musik".

(Kurier) Erstellt am