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Kurier Fotowettbewerb 2014
Tiefe Einblicke auf das Geschehen am Damenklo bieten sich vom Männerpissoir in einem Sushi-Restaurant auf der Wiener Mariahilfer Straße
Tiefe Einblicke auf das Geschehen am Damenklo bieten sich vom Männerpissoir in einem Sushi-Restaurant auf der Wiener Mariahilfer Straße - Foto: KURIER

Letztes Update am 20.10.2012, 17:52

Intime Einblicke ins Damenklo. In einem Sushi-Lokal in Wien können Männer durch einen Venezianischen Spiegel aufs Damen-WC schauen. Die Frauenwelt ist empört.

Das hört sich nach dem Traum eines Spanners an, ist aber Realität. Im Restaurant Dots auf der Maria­hilfer Straße ist vor dem Pissoir auf dem Männerklo ein Venezianischer, also halb durchsichtiger, Spiegel eingebaut. Das ermöglicht den Herren beim Verrichten ihres kleinen Geschäfts einen Einblick in die Frauentoilette. Die Damen auf der anderen Seite glauben währenddessen, vor einem gewöhnlichen Spiegel zu stehen und bekommen nicht mit, dass sie beobachtet werden.

Empörung

"Wir waren empört, als wir das erfahren haben", erzählt Frau B., eine Kundin des Lokals, die dort mit ihren Freundinnen essen war. "Ich habe sofort einen Kellner darauf angesprochen und wurde aufgefordert, ruhig zu sein", sagt die 45-Jäh­rige. Auch der Geschäftsführer soll ihre Beschwerde nicht ernst genommen haben. "Er hat sich nicht einmal entschuldigt." Frau B. und ihre Freundinnen wandten sich an die Polizei und die Gleichbehandlungskommission.

"Aus konsumentenrechtlicher Sicht ist das eine Sauerei", sagt Roman Umschweif, stellvertretender Obmann des Konsumentenschutzverbands. "Da wird ein Mensch in extremster Weise in seiner intimsten Privatsphäre gestört. Das ist eine Verleitung zur Anstandsverletzung. Der Betreiber des Lokals gehört nach Verwaltungsrecht sofort bei der Polizei und bei der Gewerbebehörde angezeigt." Das könne auch zur sofortigen Schließung des Lokals führen, sagt Umschweif.

Bei der Wirtschaftskammer, Fachgruppe für Gastronomie, hat sich bereits vor Wochen eine Dame über das Lokal beschwert. "Wir haben den Betreiber daraufhin angeschrieben und ihn gebeten, das zu ändern", sagt Obmann Wilhelm Turecek. "Ich bin überrascht, dass er das noch nicht getan hat."

Der Sprecher des Lokals Alexander Khaelssberg relativiert die Sache: "Man hat keine Einblicke in den in­diskreten Bereich, sondern sieht die Frauen beim Händewaschen oder beim Schminken. 95 Prozent unserer Kunden, egal, ob männlich oder weiblich, finden das lustig."

Weniger lustig findet man das im Büro von Frauenstadträtin Sandra Frauenberger. "Das ist ganz furchtbar. Das ist eigentlich schon eine Form von Belästigung", sagt Sprecherin Stephanie Grubich. Khaelssberg will in Zukunft auf Schildern auf den Venezianischen Spiegel hinweisen.

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(kurier/Irina Salewski ) Erstellt am 19.10.2012, 16:21

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