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Familie Stuchlik nach vier Stunden in der Kinderambulanz: „Unser Arzt hatte eine Vertretung. Dort verwies das Tonband wieder auf eine Vertretung“
Familie Stuchlik nach vier Stunden in der Kinderambulanz: „Unser Arzt hatte eine Vertretung. Dort verwies das Tonband wieder auf eine Vertretung“ - Foto: KURIER /gruber franz

Letztes Update am 26.12.2012, 16:01

Hochsaison in den Ambulanzen. Stundenlange Wartezeiten in den Kinderabteilungen der Spitäler.

Wir warten bereits seit eineinhalb Stunden, aber der Familie da drüben geht es noch schlimmer. Sie sind seit neun Uhr in der Früh hier“, sagt Silvia Wertetics. „Im KURIER habe ich vor ein paar Tagen gelesen, dass es schwierig wird rund um die Feiertage. Jetzt bin ich hier mit meiner achtjährigen Tochter Sophie und es ist eine Katastrophe.“

Beim Lokalaugenschein am Stefanitag um 13 Uhr in Wiens zweitgrößter Kinderambulanz im Wilhelminenspital sind beide hoch geheizten Wartezimmer voll. Zahlreiche Familien müssen am Gang sitzen. „Am 26. Dezember und am 6. Jänner gibt es bei uns ein sehr hohes Aufkommen“, erklärt die diensthabende Oberärztin Maria Szkwarek. „Viele niedergelassenen Ärzte sind auf Urlaub, bei uns ist ein reduzierter Dienst wie an Sonntagen.“ „Man muss derzeit schon mit Wartezeiten von zwei bis drei Stunden rechnen“, sagt auch Monika Sperber vom Krankenanstaltenverbund. Akute Erkrankungen werden aber natürlich vorgereiht, betont Szkwarek.


Familie Stuchlik sitzt seit vier Stunden am Gang. Bisher hat es zumindest für ein Röntgenbild gereicht. „Wir waren in der Früh hier. Unser zweieinhalbjähriger Benedikt hat Lungenentzündung. Wenn wir einen Arzt gefunden hätten, dann wären wir ja schon früher draufgekommen“, sagt Mutter Raffaela.

„Am 24. Dezember begann es mit Fieber. Unser Kinderarzt war auf Urlaub, seine Vertretung hat am Tonband wiederum zu einer Vertretung verwiesen“, sagt Vater Michael. Den Ärztenotdienst wollten sie erst gar nicht bemühen. „Das hatten wir letztes Jahr um diese Zeit und da sind wir erst nach ganzen zwei Tagen zu jemandem durchgekommen. Derjenige hat dann nur erklärt, er sei für Kinder nicht zuständig, da würde kein Arzt nach Hause kommen“, sagt Raffaela Stuchlik.

„Kritik überzogen“

Die im KURIER geäußerte Kritik von Patientenanwältin Sigrid Pilz, dass es in Wien während der Weihnachtsferien zu wenige offene Kinderarzt-Ordinationen gebe, hält Allgemeinmediziner Hans-Joachim Fuchs für überzogen: „Unser System funktioniert sehr gut. Vor allem der Ärztenotdienst.“ Eines der Hauptprobleme aus seiner Sicht: Viele Eltern würden viel zu rasch eine Ambulanz aufsuchen, wenn ihr Kind Fieber hat. „Viele glauben, dass hohe Temperatur bei Kindern Zeichen einer schweren Krankheit ist. Das ist aber meist ein Missverständnis. Eltern müssen mehr Eigenkompetenz erwerben.“


Feiertage

„Wir sind für eine Kontrolle bestellt“, sagt Klaudia Halwachs, die mit ihrem Sohn  am Stefanitag in der Unfallambulanz Oberwart auf den Arzt wartet. Raphael hat  schon Ende September einen offenen Fingerbruch erlitten. Just am Heiligen Abend begann der Finger wieder wehzutun. „Die Wunde hat geeitert und so waren wir am 24. Dezember wieder hier“, sagt Halwachs. Mittlerweile haben die Schmerzen schon nachgelassen und für Raphael geht es wieder bergauf.

Hochbetrieb
 

„Wir hatten durchgehend Betrieb“, sagt der diensthabende Arzt in der Oberwarter Ambulanz Werner Zigner. Auch der Warteraum ist gut gefüllt, wenn auch nicht bis auf den letzten Platz besetzt. Infusionen werden gegeben und einige warten, mit ihren Krücken aufgerufen zu werden.

In den Nachtstunden seien „viele Opfer der Nacht“ eingeliefert worden. „Die meisten hatten gleich einige Promille zu viel“, sagt der Arzt. Auch eine Notoperation sei wegen zu viel Alkohol nötig gewesen. Schuld war ein Unfall mit einem Seitenschneider. Weil der Hausschlüssel nicht zu finden war, wollte ein Mann seine Eingangstür mit dem Werkzeug öffnen. Ohne Erfolg,er landete auf dem Operationstisch.

Für Zigner ist die Arbeit an einem Weihnachtsfeiertag nicht neu und oft gebe es die skurrilsten Vorfälle. „Seit 31 Jahren bin ich jetzt im Haus“, sagt der Arzt. An Feiertagen sind nur Notfallkontrollen bestellt, wie Raphael. Aber der Großteil ist wegen frischer Verletzungen in der Ambulanz. „Es kommen aber auch viele mit älteren Wunden“, sagt der Arzt. Gips-Patienten gab es nur wenige. Das Wetter habe heuer mitgespielt, da es bis jetzt nicht besonders eisig war.

In den kommenden Tagen rechnen die Ärzte mit noch mehr Betrieb in der Ambulanz. „Erfahrungsgemäß warten viele Patienten die  Feiertage ab“, sagt Zigner.  Auch die bestellten Kontrollen starten nun wieder. Mit langen Wartezeiten sei jedenfalls zu rechnen.

(kurier) Erstellt am 26.12.2012, 16:01


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