FPÖ-Akademiker nehmen Anleihe beim Horst-Wessel-Lied

Demo gegen Akademikerball
Foto: KURIER/Jeff Mangione

Freiheitliche sehen linke Demonstranten als neue SA. Rapper droht Strache im Internet mit AK-47.


Je näher der Akademikerball der Korporierten in der Wiener Hofburg rückt, desto schärfer werden auch die Auseinandersetzungen zwischen den Lagern. Für Aufregung aufseiten der Antifaschisten sorgt nun eine Presseaussendung der „Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Akademikerverbände“. Darin wird unter geringfügiger Abänderung einer Zeile des verbotenen Horst-Wessel-Liedes (einst Kampflied der SA) gegen „linksextreme Zirkel“ polemisiert. Der Pressetext trägt den Titel „Die Straße frei den linken Bataillonen“, im Horst-Wessel-Lied heißt es „Die Straße frei den braunen Bataillonen“.

„Das ist der beste Beweis dafür, in welch geistigem Umfeld sich diese Leute bewegen, und warum wir gegen den Ball sind – eine derartige Gedankenwelt soll nicht salonfähig gemacht werden“, kritisiert Willi Mernyi vom Mauthausen Komitee (MKÖ).

„Wir haben das mit Absicht gemacht, weil wir aufzeigen wollten, dass die Antifaschisten die neuen Faschisten sind“, sagt Wolfgang Caspart vom Freiheitlich-Akademischen Pressedienst. Heutzutage seien die Bataillone nicht braun, sondern rot. „Die linken Chaoten sind die neue SA.“ Darüber ist Mernyi empört: „Das ist die klassische Täter-Opfer-Umkehr.“ WKR-BALL Foto: APA/FAYER Strache ist heuer wieder Gast am Akademikerball

Auch heikle Facebook-Kontakte sorgen für Wirbel. Diesmal geht es aber nicht um FPÖ-Funktionäre, sondern um den grünen Neo-Nationalrat Julian Schmid. Dieser war bis vor Kurzem noch mit dem Rapper „lev bro“ befreundet. Auf Facebook postete der Musiker das Video zu seinem „partisan*innenrap“. „Machen wir die City platt. Hände hoch Strache, deine Uhr tick-tack. Raus aus der Hofburg mit dem Nazipack. Mit ’ner AK-47 rein ins Gefecht, NOWKR, Offensive gegen Rechts“, heißt es darin. Lev Bro, Screenshot, youtube… Foto: screenshot Rapper lev bro: „Mit ’ner AK-47 rein ins Gefecht“

Grüner distanziert sich

„Ich distanziere mich davon. Ich bin gegen Gewalt“, betont der grüne Abgeordnete Schmid. „Aber ich habe über 4500 Facebook-Freunde und twitter-Follower. Da ist es unmöglich mitzubekommen, was die alles tun.“ Die Freundschaftsanfrage sei vom Rapper gekommen. Nachdem die FPÖ die Causa publik machte, löschte der grüne Politiker den Kontakt.

Rapper lev bro freut sich indes über die Gratis-Werbung durch die FPÖ. Er könne sie beruhigen, schreibt er auf Facebook: „wir werden heuer wohl ausnahmsweise vom gebrauch von maschinenpistolen abstand nehmen.“

Bilder von den Protesten im Vorjahr:

"Heute zeigen wir den Burschis wem die Innenstadt gehört!" - mit Slogans wie diesem sind Anfang Februar 2013 einige tausend Demonstranten gegen den Akademikerball der Wiener FPÖ in der Wiener Innenstadt aufmarschiert. Vor der Albertina kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten, die die Eingänge zur Hofburg blockierten. Farbbeutel und Knallkörper flogen durch die Luft. Die Demonstranten waren aus verschiedenen Richtungen zum Heldenplatz geströmt. Die Polizei zählte insgesamt 3000 Demonstranten. Anfangs noch friedlich, kam es bei der Demo vor der Hofburg dann zu einigen wilden Szenen.
  Einige Demonstranten setzten Farbbeutel und Pfefferspray gegen Ballbesucher und Beamte ein. Zwei Personen wurden verhaftet. Bei den Demonstrationszügen wurden Parolen wie "Nazis raus" gerufen. Der freiheitliche EU-Parlamentarier Andreas Mölzer wurde wiederum von einem roten Farbbeutel getroffen. Der Wiener FPÖ-Klubobmann John Gudenus flüchtete in ein Lokal. Zudem wurden vereinzelt Knallkörper eingesetzt. Friedlich ging es hingegen bei einer Mahnwache des Bündnisses "jetzt zeichen setzen" zu. Hintergrund des Protests: Der Ball der Burschenschafter, der bis vor einem Jahr noch Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) hieß, gilt als Treffpunkt der internationalen rechten Szene. Wegen der Kundgebungen kam es auch zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Verkehr. Die Buslinien in der City wurden vorübergehend eingestellt, vereinzelt wurden auch U-Bahnausgänge versperrt. Demo auf der Mariahilfer Straße
  Demo auf der Mariahilfer Straße
  Demo auf der Mariahilfer Straße

  Die Polizeiabsperrung und Teilnehmer der Demonstration in der Löwelstraße.
Übergriffe

Autonome planen zwei Demos

Während sich FPÖ und ihre Gegner über bedenkliche Songtexte einen Schlagabtausch liefern, rüsten autonome Gruppen bereits für die Demos gegen den Akademikerball am 24. Jänner: Die „Offensive gegen Rechts“ ruft zu einer Kundgebung um 17 Uhr am Schottentor auf. Von dort wird sich der Demo-Zug zum Stephansplatz bewegen. Dort ist auch das Ziel der Demo des Bündnisses „nowkr“, die um 17 Uhr in Wien-Mitte startet.

Die Aktivisten der Initiative nowkr, die im Kern aus ca. 25 Personen besteht, gehen insgesamt von rund 2000 bis 3000 Teilnehmern aus, wobei etwa 300 aus dem Ausland (vor allem aus Deutschland und Italien) erwartet werden. Ihr Ziel ist klar: Der Ball soll verhindert werden.

Doch was sagen die Organisatoren zu den Attacken gegen Ballgäste und Polizisten, zu denen es in den vergangenen Jahren immer wieder gekommen ist? „Als Organisatoren sind wir nicht dafür verantwortlich, was die Leute nach dem Ende der Demo machen“, betont Student Lukas S. gegenüber dem KURIER. Nachsatz: „Für mich ist es aber nur schwer nachvollziehbar, warum sich manche Burschenschafter wie im Vorjahr in voller Montur außerhalb der polizeilichen Sperrzone bewegen.“ Das könne auch als Provokation betrachtet werden.

Den Slogan, „Unseren Hass, den könnt ihr haben“, will man nicht als Gewaltaufruf verstanden wissen. „Es geht darum, dass die Gefährlichkeit, die von den Burschenschaften ausgeht, ernster genommen wird.

Sie tragen die Namen altgermanischer Stämme und Narben im Gesicht: Burschenschafter sind seit dem 19. Jahrhundert in Österreich Teil der Gesellschaft. Ein Überblick über Hintergrunde und aktuelle Verflechtungen mit der FPÖ. Burschenschaften als Studentenverbindungen gründeten sich erstmals 1817 in Deutschland: Ihnen gemein war ein völkisches Menschen- und Weltbild – sie setzten der Idee der Nation als politische Willensgemeinschaft das „Volk“ als natürliche Abstammungsgemeinschaft entgegen. Schon damals definierten sie das „Deutsche Volk“ in Abgrenzung zum Judentum.
  Auch heute noch sind schlagende Verbindungen eine „Scharnierstelle zwischen Deutschnationalismus und dem militanten Rechtsextremismus“, meint Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands.
  Der Vorwurf des Rechtsextremismus treffe freilich nicht auf alle Burschenschaften zu, in Wien aber zumindest auf drei – die Olympia, die Teutonia und die Cimbria. Sie alle gehören zum Wiener Korporationsring, unter dessen Ägide auch der immer wieder viel kritisierte WKR-Ball stattfindet.
  Prominentestes Beispiel ist die Olympia:  „Die heutigen Staatsgrenzen sind willkürlich gezogen; das deutsche Volkstum muss sich frei in Europa entfalten können.“ So wurde noch 1997 deren prominentester „Alter Herr“, der dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) im Spiegel zitiert. Wegen Verwicklungen von Mitgliedern im Südtirol-Terror wurde die Verbindung in den 60er-Jahren verboten. Wieder zugelassen, gaben sich auf der Olympia-Bude rechtsextreme Gäste die Türklinke in die Hand: Etwa der Liedermacher Michael Müller, berüchtigt durch Liedtexte wie „Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an“. 2005 kam es zum Eklat: Der britische Historiker und Holocaustleugner David Irving hätte beim „Stiftungsfest“ einen Vortrag halten sollen, wurde aber kurz davor verhaftet. Wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz wurde er 2006 verurteilt und später abgeschoben. Teutonia: „In den späten 80ern und frühen 90ern galt sie geradezu als korporierter Arm der VAPO Gottfried Küssels“, sagt Andreas Peham. Teutone war etwa der mehrfach wegen Wiederbetätigung verurteilte Franz Radl jun., der allerdings schließlich ausgeschlossen wurde. Noch 1968 bestand für die Teutonia „kein Zweifel, dass das Judentum eine biologische, kulturelle und wirtschaftliche Gefahr für unser Volk bildet“. Als zu Beginn 2013 die Teutonia den Vorsitz des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaften“ übernahm, wurde es sogar vielen deutschen Kameraden zu bunt: Mehrere Verbindungen traten aus. Wie 13 andere österreichische Burschenschaften hatte die Teutonia im Vorjahr eine Erklärung zum „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ unterzeichnet. Anlass war die Aufnahme eines Studenten mit chinesischen Eltern durch eine Mannheimer Verbindung. Cimbria: Hier waren laut Peham – zumindest während ihres Studiums – zahlreiche Personen mit Berührungspunkten zur neonazistischen Szene aktiv. Ein „Conkneipant“ (eine Art assoziiertes Mitglied) war Felix B. Er war Mitangeklagter im Wiederbetätigungsprozess gegen Gottfried Küssel rund um die Homepage alpen-donau.info und wurde vor wenigen Wochen nicht rechtskräftig zu sieben Jahren Haft verurteilt. Auch zur FPÖ haben die Korporierten bekanntermaßen beste Verbindungen, „Seit der Abspaltung des BZÖ 2005 sind die Burschenschafter wieder die tragende Säule der FPÖ“, sagt Peham. Haider habe das Bekenntnis zur „Deutschen Volksgemeinschaft“ 1997 gestrichen, um die FPÖ für die Koalition mit der ÖVP zu trimmen, Strache hat es  2011  wieder reingenommen.
  Der Bezug auf die  Volksgemeinschaft ist ein zentraler Grund, warum man die FPÖ letztlich als rechtsextrem klassifizieren muss.“ Die Parteispitze sieht das naturgemäß anders.  
  Strache: „Das ist, wie wenn man sagt, der ÖAMTC ist eine tragende Säule der FPÖ, weil die meisten von uns da Mitglied sind.“ Der FPÖ-EU-Mandatar Andreas Mölzer spricht offener darüber: „Ja,  seit der Spaltung sind Korporierte das wichtigste Personalreservoir.“ Das sei auch vor der Ära Haider so gewesen, sagt Mölzer, ein „Alter Herr“ des Corps Vandalia. Strache selbst ist „nur“ bei einer Pennäler-Verbindung, er hat kein Studium abgeschlossen. Im Nationalratsklub der FP ist  jedenfalls jeder Dritte korporiert.
(kurier) Erstellt am
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