Ein Bodyguard für den Heimweg

Begleitschutz
Foto: KURIER/Franz Gruber Vereinsmitglieder wollen in Wien für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl sorgen. Die Gratis-Heimbegleitung für Frauen startet am 28. Jänner.

Viele Frauen fühlen sich seit den Silvester-Attacken im öffentlichen Raum unwohl. Ein Verein bietet professionelle Eskorten an.

"Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein, Angst-Räume meiden und in Lokalen keine Getränke von Fremden annehmen." Mit dieser Empfehlung sorgte Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl für Gesprächsstoff. Im KURIER stellte der Polizeichef am Freitag fest, dass sein Zitat in der Kronen Zeitung verkürzt wiedergegeben wurde: "Ich habe damit auf die seit Jahrzehnten bestehenden Vorsichtsmaßnahmen der Kriminalprävention hinweisen wollen."

Doch seit der Silvesternacht in Köln, aber auch in Salzburg und Wien, wo Frauen das Opfer sexueller Attacken durch Asylwerber wurden, ist das subjektiv empfundene Sicherheitsgefühl in Schieflage geraten.

"Unser Verein bietet zukünftig bei solchen Problematiken Hilfe an", erklärt der Obmann der Organisation Weisser Flügel, Mario Schmidt. Etwa nach Diskotheken-, Kino- und Bankbesuchen oder Einkäufen mit teurer Ware eskortieren ausgebildete Begleiter ihre Kunden auf dem Heimweg.

Schutzdienst ist kostenlos

Das Angebot richtet sich an alle Altersgruppen, vom Teenager bis zur Seniorin, die etwa Geld auf der Bank behoben hat. Und dieser Schutzdienst ist, so Schmidt, gratis: "Wir werden uns über Sponsoren und Versicherungen finanzieren." Gespräche mit Versicherungen sind im Laufen. Denn auch Vertreter von Branchen, die in der Nacht ihre Einnahmen zu Nacht-Tresoren bringen müssen, werden begleitet. Begleitschutz Foto: KURIER/Franz Gruber Mario Schmidt, Vereinsobmann Weisser Flügel

Nach den Attacken gegen Frauen stieg die Nachfrage im Internet. Schmidt: "Drei Tage nach Silvester verzeichneten wir auf unserer Homepage 16.000 Besucher. Vorher waren es 5000." Offizieller Wien-Start des Begleitdienstes ist der 28. Jänner.

Denn es gilt, das freiwillige Personal genau zu checken: "Anfänglich meldeten sich bei uns rechte wie linke Chaoten. Wir prüfen unsere Mitglieder genau. Die Vorlage eines Leumundszeugnisses ist Pflicht. Wir geben solchen Leuten keine Spielwiese", sagt Schmidt. Ohne es zu wissen, wurden Anwärter zu Begleitaufträgen geschickt, über die die zu schützende Person dem Chef eine Verhaltens-Beurteilung der Probanten abzugeben hatte. Die Drop-out-Rate war hoch.

Aktuell stehen 20 Begleiter in Ausbildung, auf 100 Personenbegleiter will der Weisse Flügel kommen. In Deutschland gibt es eine Schwesterorganisation, die Schweiz zeigt Interesse. Schmidt will nach Wien auch in Linz und Salzburg tätig werden.

Neben der mehrere Wochen dauernden Ausbildung (Deeskalation, Selbstverteidigung), setzen die Personen-Begleiter auf professionelle Ausrüstung. Bei heiklen Einsätzen werden stichsichere Brustwesten und Handschuhe sowie eine mit Metall verstärkte Baseball-Kappe (sie schützt vor Kopfschlägen) unauffällig getragen. Sogar Bodycams, also an der Kleidung fixierte Videokameras, sollen zum Einsatz kommen. Sie dürfen aber nur bei Übergriffen aktiviert werden.

Keine Bürgerwehr

Als militante Bürgerwehr nach US-Vorbild sieht Organisator Schmidt den Weissen Flügel nicht: "Wir wollen nicht, dass die Leute Angst haben, wir wollen ihnen die Angst nehmen."

Informationen

www.weisser-fluegel.net sowie 0680/20 39 045

Nachgefragt

Polizei-Sprecher ortet Solidarität in der Gesellschaft, warnt aber vor Rechtsbruch

Unter dem Eindruck der Silvester-Vorfälle in Deutschland, Finnland und Österreich wird der Ruf nach verstärkter Sicherheit im öffentlichen Raum immer lauter.

Umgekehrt wollen sich Frauen nicht einschüchtern lassen. So meinte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner diese Woche: „Wir Frauen lassen uns sicher keinen Millimeter in unserer Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum einschränken.“  Damit hatte Mikl-Leitner aber noch nicht erklärt, wie sie derartige Angriffe verhindern will.

Wer Angst hat, der kann sich aber schon jetzt durch private Sicherheitsdienste, Detekteien oder eben Vereine  schützen lassen. Auch bei Groß-Events stehen Privat-Securitys immer häufiger an vorderster Front.

Der KURIER fragte Oberst Hans Golob, Sprecher der Wiener Polizei, wie die Exekutive zu diesen Angeboten steht:   „Welche Dienste ein Bürger in Anspruch nimmt ist seine freie Entscheidung. Ich möchte aber betonen, dass Wien eine sichere Stadt ist.“ Den neuen Verein Weisser Flügel wollte der Polizeisprecher aber (noch) nicht bewerten. Nur so viel: „Das Personen-Begleitprogramm wird  gratis angeboten. Ich interpretiere das als Solidarität gegenüber der Gesellschaft.“

Auch betreffend der  Ausrüstung des Vereines, wie die Bodycams (die Polizei darf sie noch nicht einsetzen), zeigt sich Golob vorsichtig: „Es kommt darauf an, wie die Geräte verwendet werden. Eine Straftat aufzuzeichnen, und die Bänder   als Beweismittel zur Verfügung zu stellen, ist gut. Dasselbe Material aber in Facebook zu veröffentlichen ist strafbar. Man muss die  rechtlichen  Bedingungen  akzeptieren.“ Ob der Trend  – wie in den USA und jetzt in Deutschland – zu Bürgerwehren auch Österreich erreichen wird, darüber wollte Golob nicht spekulieren: „Die Bürger sind bei der Polizei sicher.“

(kurier) Erstellt am
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