Der Zehn-Millionen-Euro-Vertrag

Der Zehn-Millionen-Euro-Vertrag
Die Stadt hat einen neuen Vertriebspartner. Dabei könnte sie den Job selbst erledigen, kritisiert die FPÖ.

Es ist eine touristische Erfolgsstory: 355.000 Gäste der Bundeshauptstadt erwarben im Vorjahr eine Wien-Karte. Das ist ein neuer Verkaufsrekord. Mit dem Ticket, das für 72 bzw. 48 Stunden gültig ist, kann man um 24,90 bzw. 21,90 Euro die Wiener Linien benutzen und erhält mehr als 210 Vergünstigungen bei den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Kulturveranstaltungen, Geschäften und Lokalen.

Gemessen an den Verkaufszahlen ist die Wien-Karte österreichweit die beliebteste Tourismus-Karte. Zum Vergleich: Die NÖ-Karte verkaufte sich zuletzt 180.000-mal – freilich handelt es sich dabei um eine Saisonkarte. Dennoch: 2012 errang die Wien-Karte in einem Vergleichstest von 16 europäischen Städtekarten den ersten Platz.

Jetzt gerät die Wien-Karte aber ins Schussfeld der Opposition. Anlass ist die Neuausschreibung des Vertriebspartners. Denn den Vertrieb wickelt WienTourismus keineswegs selbst ab, sondern überlässt ihn einer externen Firma. Nach dem Rückzug des bisherigen Partners Global Blue ging der Zuschlag des Etats, der einen Umsatz von rund zehn Millionen Euro mit sich bringt, vor wenigen Monaten an die DocLX Travel Events GmbH. Geschäftsführer ist Alexander Knechtsberger, der durch die Veranstaltung von Unifesten und Maturareisen bekannt wurde und mittlerweile in die Tourismus-Branche expandiert.

Kritik an Auslagerung

Für die FPÖ ein fragwürdiger Deal: "Man hätte ja prüfen können, ob die Stadt den Vertrieb nicht selbst übernehmen kann", sagt der Gemeinderat Udo Guggenbichler. Mitarbeiter stünden bei WienTourismus genügend zur Verfügung. Er ortet weiters mangelnde Transparenz bei der Ausschreibung und will jetzt mit einer Anfrage Licht ins Dunkel bringen. Dabei soll unter anderem auch geklärt werden, in welcher Form die Honorierung der Agentur erfolgt und wie die Gelder aus dem Verkauf der Karte verwaltet werden.

Zu diesen geschäftlichen Fragen gab es auf KURIER-Anfrage seitens DocLX und WienTourismus keine detaillierten Auskünfte. Nur so viel: "Die Honorierung ist erfolgsabhängig. Wenn DocLX etwas verdienen will, muss er möglichst viele Karten verkaufen", sagt ein Sprecher von WienTourismus.

Non-Profit

Die Kritik der FPÖ weist man jedenfalls zurück: "Man kann uns nicht mit Anbietern solcher Karten vergleichen, die einen anderen finanziellen Background als wir haben", sagt der Sprecher. "Wir sind eine Non-Profit-Organisation. Unsere Kernaufgabe ist das Marketing, wir sind nicht auf den Vertrieb ausgerichtet. Genauso gut könnte man uns vorwerfen, keine hauseigene Druckerei zu haben." DocLX habe ein überzeugendes Vertriebskonzept präsentiert und sich in einer EU-weiten Ausschreibung durchgesetzt. Hervorgehoben wird vor allem die touristische Branchenerfahrung. Ein zusätzliches Plus sei das umfangreiche internationale Netzwerk von DocLX.

Dort kündigt man an, neue Zielgruppen für die Wien-Karte ansprechen zu wollen. Wobei es nicht nur um ein jugendliches Publikum gehe, betont ein Sprecher von DocLX. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf der Digitalisierung des Angebots liegen. Hier geht es um den Online-Kauf der Karte, möglicherweise auch um die Entwicklung eigener Apps.

Derzeit gibt es für die Wien-Karte rund 350 Vertriebsstellen im In- und 150 im Ausland. Mit ihrer Gültigkeitsdauer ist sie so ausgerichtet, dass sie vor allem für die so bedeutsame Gruppe der Wien-Kurzbesucher attraktiv ist. Weniger geeignet ist die Karte hingegen für die Wiener selbst, zumal viele von ihnen ohnehin eine Jahreskarte der Wiener Linien besitzen.

Welche Sehenswürdigkeiten von den Kartenbesitzern am häufigsten besucht werden, kann man bei WienTourismus nicht genau sagen. "Partner der ersten Stunde waren etwa das Schloss Schönbrunn, das Kunsthistorische Museum und das Riesenrad. Sie zählen sicher zu den am stärksten genutzten."

Kommentare