Café Prückel: Lesbisches Paar aus Lokal verwiesen

Lesbisches Paar wird aus Cafe Prückl geworfen
Foto: KURIER/Jeff Mangione Anastasia Lopez (li.) und Eva Prewein vor dem Prückel: "Der Kellner meinte, wir sollen aufhören, wir dürfen das hier nicht"

Küssende Frauen erzürnten Chefin des Café Prückel. Protest im Netz und auf der Straße.

Eine Melange aus Tradition und liberalen Gästen – dafür schätzen viele das Wiener Café Prückel am Stubenring. So wird auch im Lokalführer geworben. Derzeit ist das Kaffeehaus aber wegen eines offenbar homophoben Vorfalls in aller Munde. Der Proteststurm in den sozialen Medien soll sogar in einer Demo vor dem Lokal münden. 1850 Personen hatten am frühen Sonntagabend ihr Kommen zugesagt.

Die beiden Betroffenen heißen Eva Prewein, 26, und Anastasia Lopez, 19. Am 6. Jänner begrüßten sich die beiden mit einem Kuss im Kaffeehaus – und  ernteten dafür einen Rüffel. Lopez: „Der Kellner meinte, wir sollen aufhören, wir dürften das hier nicht.“ Danach sei Ignoranz gefolgt. Eine Stunde verging, ohne dass die beiden eine Bestellung aufgeben durften. „Ich kenne Diskriminierung, aber so offen ist mir das noch nie passiert“, erzählt die 19-Jährige. „Ich war verblüfft.“

150 JAHRE RINGSTRASSE: CAFE PRÜCKEL Foto: APA/HERBERT NEUBAUER Das Prückel am Stubenring Das Paar glaubte, die nun gerufene Geschäftsführerin, Christl Sedlar, würde sich für ihren Mitarbeiter entschuldigen. „Sie hat gesagt, es wäre eine Anweisung von ihr. Und sie meinte, solche Andersartigkeiten gehören ins Puff und nicht in ihr Traditionskaffeehaus.“ Dem sei ein Lokalverweis gefolgt.

Sedlar erklärt im KURIER-Gespräch: „Der Kellner hat das beanstandet, weil er weiß, dass ich das nicht mag.“ Darf man im Prückel nicht schmusen? Die Chefin zum KURIER: „Schmusen, das brauch’ ich nicht. Warum müssen sie unbedingt zeigen, dass sie zusammen gehören.“ Die 60-Jährige betont, dass dies nichts mit dem Geschlecht zu tun habe. „Mir ist es egal, wer mit wem schmust. Ich bin ein Alt-Wiener Kaffeehaus und will das nicht haben.“

2014: Mehrere Vorfälle

„Im Vorjahr hat es mehrere  homophobe Vorfälle in Wiener  Kaffeehäusern gegeben“, erklärt Gerd Picher vom Netzwerk To Russia With Love Austria, einem Zusammenschluss von 25 Organisationen, die gegen die Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen kämpfen.   Eine rechtliche Handhabe gebe es dagegen nicht, weil „die Gleichbehandlungsgesetze nicht für den Privatbereich gelten“.

Das Paar ist auch enttäuscht, dass viele Gäste zwar die Situation und das Gespräch mit der Chefin bemerkt, aber nichts gesagt haben. „Niemand ist da für uns eingestanden“, schildert Anastasia. Als die Chefin laut dem Paar noch meinte, „ihr Mädchen könnt’ das ruhig auf Facebook geben“, taten die beiden das. Für  den 16. Jänner rufen  die Achse kritischer SchülerInnen Wien, To Russia With Love Austria  und andere Vereine  zum Protest auf. „Wir wollen ein Statement abgeben und  zeigen, dass es viele sind, die von Diskriminierung  betroffen sind“, sagt Lopez.
 

(Kurier) Erstellt am