Bürgerversamm­lung: Liesinger luden ihren Frust ab

Flüchtlinge Ziedlergasse Liesing…
Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Gesteckt voll war am Freitagabend der große Saal im Haus der Begegnung.

Am Freitag wurden 600 Liesinger über das Notquartier in der Ziedlergasse informiert. Zum Teil lagen die Nerven blank.

Die FPÖ hatte bis zuletzt die Stimmung angeheizt: 1450 Betten wären bereits ins künftige Asylquartier Ziedlergasse gebracht worden, behauptete Gemeinderat Wolfgang Jung am Freitagnachmittag. Dementsprechend aufgeheizt war am Abend die Stimmung bei der von der Bezirks-FPÖ erwirkten Bürgerversammlung in Liesing: Etwa drei Viertel der 600 Zuhörer schienen nicht gekommen zu sein, um sich zu informieren – sondern um ihrem Ärger Luft zu machen.

Flüchtlinge Ziedlergasse Liesing Bischof Hacker Cz… Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Bischof, Hacker und Czapek waren um Deeskalation bemüht. Das bekam vor allem der Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien (FSW), Peter Hacker, zu spüren. Obwohl sich Moderator Peter Resetarits um eine sachliche Diskussion bemühte, sah sich der Flüchtlingskoordinator mit  lautstarken Unmutsäußerungen und teils wüsten Beschimpfungen konfrontiert.

Einmal mehr betonte Hacker, dass in das Notquartier maximal 750 Personen einziehen sollen. Anders lautende Behauptungen der FPÖ seien gezielte Falschmeldungen – „bis dato wurde kein einziges Bett in die Ziedlergasse geliefert. Dort finden zurzeit Bauarbeiten statt“, stellte er klar.

Betreuung bis 2017

Einziehen sollen  die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – hauptsächlich Familien mit Kindern – im März. Die Betreuung durch ASBÖ und Johanniter ende voraussichtlich im März 2017. Oder früher - so sich geeignete Alternativquartiere fänden. Eingezäunt werde das Quartier nicht.

Auf die oft gestellte Frage, warum ausgerechnet Liesing Standort eines so großen Notquartiers sein müsse, antwortete Hacker: „Weil es hier bis dato keines gab.“ Derzeit befänden sich in Wien 20.000 Asylwerber in der Grundversorgung. In Liesing untergebracht seien aktuell 200.

Bezirksvorsteher Gerald Bischof (SP), Hacker und Polizei-Hauptmann Walter Czapek versuchten, den Anrainern die Angst vor kriminellen Flüchtlingen, vor Räubern und Vergewaltigern zu nehmen. „Unsere Erfahrung ist: das sind keine Menschen, die Angst und Schrecken verbreiten – sondern Menschen, die vor Angst und Schrecken geflohen sind“, sagte Hacker – und erntete dafür viele Buhrufe, aber auch ein bisschen Beifall.

Am Dienstag findet eine zweite Bürgerversammlung im Haus der Begegnung statt. Die von der Bürgerinitiative um Anrainerin Doris Cuchy gestartete Petition gegen das Notquartier fand bereits 5500 Unterstützer.

(Kurier) Erstellt am
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