Burschen mit braunen Flecken

Totengedenken des Wiener Korporationsringes
Foto: AP/Ronald Zak Burschenschafter beim traditionellen „Totengedenken“ am 8. Mai (dem Jahrestag der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg) auf dem Wiener Heldenplatz. Auch diese Veranstaltung ist massiv umstritten

Vor Akademikerball in der Hofburg: Zumindest drei Wiener Studentenverbindungen sind laut Dokumentationsarchiv rechtsextrem.

Sie benennen sich nach altgermanischen Stämmen, tragen merkwürdige Uniformen und mitunter Narben im Gesicht: Burschenschafter aus ganz Österreich geben sich morgen Freitag – begleitet von heftigen Protesten – beim Akademikerball in der Wiener Hofburg ein Stelldichein.

Doch wie rechts sind die schlagenden Burschenschaften, aus deren Reihen sich zahlreiche hochrangige FPÖ-Politiker rekrutieren, tatsächlich? Für Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sind sie eine „Scharnierstelle zwischen Deutschnationalismus und dem militanten Rechtsextremismus“. Freilich seien nicht alle Burschenschaften rechtsextrem, in Wien treffe dies aber für zumindest drei zu. Sie alle gehören zum Wiener Korporationsring, unter dessen Ägide der Ball bisher statt fand.

Olympia: „Die heutigen Staatsgrenzen sind willkürlich gezogen; das deutsche Volkstum muss sich frei in Europa entfalten können.“ So wurde noch 1997 deren prominentester „Alter Herr“, der dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) im Spiegel zitiert. Wegen Verwicklungen von Mitgliedern im Südtirol-Terror wurde die Verbindung in den 60er-Jahren verboten. Wieder zugelassen, gaben sich auf der Olympia-Bude rechtsextreme Gäste die Türklinke in die Hand: Etwa der Liedermacher Michael Müller, berüchtigt durch Liedtexte wie „Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an“. 2005 kam es zum Eklat: Der britische Historiker und Holocaustleugner David Irving hätte beim „Stiftungsfest“ einen Vortrag halten sollen, wurde aber kurz davor verhaftet. Wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz wurde er 2006 verurteilt und später abgeschoben.

Teutonia: „In den späten 80ern und frühen 90ern galt sie geradezu als korporierter Arm der VAPO Gottfried Küssels“, sagt Peham. Teutone war etwa der mehrfach wegen Wiederbetätigung verurteilte Franz Radl jun., der allerdings schließlich ausgeschlossen wurde. Noch 1968 bestand für die Teutonia „kein Zweifel, dass das Judentum eine biologische, kulturelle und wirtschaftliche Gefahr für unser Volk bildet“. Als zu Beginn 2013 die Teutonia den Vorsitz des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaften“ übernahm, wurde es sogar vielen deutschen Kameraden zu bunt: Mehrere Verbindungen traten aus. Wie 13 andere österreichische Burschenschaften hatte die Teutonia im Vorjahr eine Erklärung zum „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ unterzeichnet. Anlass war die Aufnahme eines Studenten mit chinesischen Eltern durch eine Mannheimer Verbindung.

Cimbria: Hier waren laut Peham – zumindest während ihres Studiums – zahlreiche Personen mit Berührungspunkten zur neonazistischen Szene aktiv. Ein „Conkneipant“ (eine Art assoziiertes Mitglied) war Felix B. Er war Mitangeklagter im Wiederbetätigungsprozess gegen Gottfried Küssel rund um die Homepage alpen-donau.info und wurde vor wenigen Wochen nicht rechtskräftig zu sieben Jahren Haft verurteilt.

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Die "rechte Meile" im Westen

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Platzverbot in der Wiener Innenstadt

Wegen der geplanten Demos gegen den Akademikerball gibt es für die Wiener Polizei Großalarm. In Teilen der Innenstadt wurde ein Platzverbot verhängt, auch im öffentlichen Verkehr dürfte es Freitagabend zu Behinderungen kommen (siehe Grafik unten). Der Verfassungsschutz fürchtet Gewaltausbrüche seitens deutscher Anarchisten. Offiziell sind sechs Großdemos und mehrere kleinere Kundgebungen angemeldet. Das Gros der deutschen Aktivisten wird beim Protestzug vom Christian-Broda-Platz über die Mariahilfer Straße zum Heldenplatz erwartet. Insgesamt werden einige tausend Teilnehmer erwartet. Eine Kundgebung der FPÖ, die am Ballhausplatz gegen einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt von Asylwerbern demonstrieren wollte, wurde am Freitag hingegen abgesagt.

platzverbot.jpg Foto: wkw

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Die Demo von 2012

Der WKR-Ball 2012

<p>2012 fand der WKR-Ball ausgerechnet am Internationalen Holocaust-Gedenktag statt. Eine große Demo vor der Hofburg und vereinzelte Ausschreitungen waren die Folge.</p>

(kurier) Erstellt am
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