"Land unter" in Serbien und Bosnien

Die Balkanstaaten sandten einen Hilferuf an die EU - bei der "Jahrhundertflut" gibt es bereits elf Tote.

Überflutungen in Lazarevac, südlich von Belgrad. Menschen fliehen aus dem überfluteten Lazarevac. Vorort von Sarajevo aus der Luft. Luftaufnahme der Stadt Zenica. Luftaufnahme der Stadt Doboj.

Bei den schweren Überschwemmungen in Bosnien sind nach Polizeiangaben vom Freitag mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Wegen der Unwetter sandten Bosnien und das ebenfalls betroffene Nachbarland Serbien einen Hilferuf an die Europäische Union. Deutschland und weitere EU-Staaten sagten den beiden Balkanländern umgehend Unterstützung zu.

Nach Angaben des bosnisch-serbischen Polizeidirektors Gojko Vasic wurden allein sechs Leichen in der nordbosnischen Stadt Doboj entdeckt, nachdem sich der Hochwasser führende Fluss Bosna aus den überschwemmten Stadtteilen zurückzuziehen begann. Vasic konnte nicht sagen, ob es sich um Stadtbewohner handelte oder ob ihre Leichen in die Siedlung gespült wurden. Ein weiteres Todesopfer gab es in Bosanski Sabac. Der Mann war von einem Stiegenaufgang an seinem Haus ins Wasser gestürzt. Zuvor war ein Überschwemmungsopfer auch im westbosnischen Sanski Most gemeldet worden. Am Freitag waren die bosnischen Behörden von mindestens drei Todesopfern ausgegangen.

Nach jüngsten Polizeiangaben starben zwei Menschen im Nordosten Bosniens an den Folgen von Erdrutschen. Im nördlichen Maglaj starb ein schwer kranker Patient, weil ihm die Rettungskräfte wegen der Fluten nicht schnell genug zu Hilfe kommen konnten. Die Armee setzte Hubschrauber ein, um Bewohner aus Maglaj und Doboj in Sicherheit zu bringen. In beiden Städten harrten tausende Einwohner ohne Strom und Trinkwasser aus.

Schlimmster Regen seit 120 Jahren

In Banja Luka im Norden des Landes trat der Fluss Vrbas über die Ufer und überflutete mehrere Viertel. "Wir warten seit Stunden auf Hilfe, viele sind in Gefahr", sagte die 62-jährige Milanka Stojic. Betroffene Einwohner wurden in Notunterkünfte gebracht. Landesweit gab es Erdrutsche. In mehreren Regionen wurde nach den schlimmsten Regenfällen seit 120 Jahren Katastrophenalarm ausgelöst.

In Serbien waren am Donnerstag drei Menschen bei Überschwemmungen ums Leben gekommen, ein Mensch wurde am Freitag noch vermisst. Rund 150.000 Haushalte waren landesweit ohne Strom. Mehr als 7000 Menschen wurden bisher in Sicherheit gebracht, nachdem ihre Häuser überschwemmt worden waren. Tausende weitere warteten darauf, von Helfern gerettet zu werden.

EU bietet Hilfe an

"Serbien und Bosnien erleiden die schwersten Überschwemmungen seit mehr als einem Jahrhundert", erklärte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Mehrere EU-Staaten boten ihre Hilfe an. Das Innenministerium forderte den Katastrophenhilfsdienst der Kärntner Wasserrettung für einen Auslandseinsatz an. Zu den 15 mit Hochwasserbooten ausgerüsteten Rettern aus Kärnten kommen weitere aus Wien, Niederösterreich und Salzburg. Der Einsatz soll rund acht Tage dauern.

Österreich stellte Serbien zudem über den EU-Krisenmechanismus Pumpen mit hoher Kapazität zur Verfügung. Bereits Freitagfrüh hatte das Land Angebote aus Deutschland und Bulgarien akzeptiert, die Pumpen Rettungsboote mit Expertenteams umfassen. Auch Slowenien habe Pumpmodule angeboten. Für Bosnien gibt es außerdem Hilfsangebote von Rettungsbooten aus Luxemburg und Slowenien. Die Regierung in Laibach will außerdem zwei Helikopter zur Verfügung stellen. In Bosnien halten sich zudem die "Black Hawk"-Hubschrauber des Bundesheeres für Hilfseinsätze bereit.

Hilfsaktionen in Wien

Auch in sozialen Netzwerken gab es Aufforderungen zur Hilfe. Unter dem Titel „Hilfsaktion für Flutopfer in Bosnien- und Herzegowina“ haben sich auf Facebook mehr als 41000 Menschen gemeldet. Mehrere Organisationen sammeln am Samstag und Sonntag Sachspenden (Decken, Hygieneartikel, Trinkwasser  etc.) beim Arbeiter-Samariterbund Landesverband Wien (15., Pillergasse 24).

(APA / ep) Erstellt am
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