Franziskus: "Ich wollte nicht Papst werden"

Wer sich selbst mag, der will nicht Papst werden, so der Pontifex.

Der Papst mit Kindern am Freitag. Der Papst mit Kindern am Freitag. Der Papst mit Kindern am Freitag. Der Papst mit Kindern am Freitag.

Papst Franziskus hat am Freitag erstmals zugegeben, dass er nicht zum Pontifex gewählt werden wollte. Auf die Frage eines Schülers einer Jesuitenschule, ob er Papst werden wollte, antwortete Jorge Mario Bergoglio entschieden: "Eine Person, die sich selbst mag, will nicht Papst werden. Ich wollte nicht Papst werden."

Bergoglio sprach auch über seinen Beschluss, im Gästehaus Santa Marta mit anderen Geistlichen zu leben, statt in den Apostolischen Palast zu ziehen. "Es ist nicht nur die Tatsache, keinen Reichtum zu wollen, es geht auch um psychologische Gründe. Ich muss unter den Leuten leben. Wenn ich isoliert leben würde, wäre das nicht gut für mich“, erklärte der Pontifex im Gespräch mit den Schülern.

Treffen mit Schülern

Schulbildung sei mehr als Wissensvermittlung, sie müsse den ganzen Menschen formen, sagte der Papst bei seinem Treffen mit den etwa 8.000 Schülerinnen und Schülern von Jesuitenschulen aus Italien und Albanien. "Ich habe einen Text für euch vorbereitet, aber das sind fünf Seiten. Etwas langweilig", eröffnete der Papst seine Ansprache. Aber statt die fünf Seiten vorzulesen, trug er seine Gedanken frei vor und stellte sich den Fragen der Schüler.

Erzieher ermutigte der Papst, neue Formen der Erziehung zu finden, die nicht konventionell und an die Notwendigkeiten von Ort, Zeit und Menschen angepasst seien. Die Schule sei der Ort des Reifens, um zu erwachsenen Frauen und Männern zu werden. Dabei ginge es aber nicht nur um Intelligenz, sondern auch darum, leben zu lernen, es ginge um eine ganzheitliche Bildung. In der Schule müsse das Menschsein gefördert werden und gerade Jesuitenschulen seien ein Ort für die menschlichen Tugenden: Treue, Respekt, Glauben, Einsatz, so der Heilige Vater.

Papst Franziskus: Zwanzig Fakten zu seinem Leben, seinen Ansichten und Vorlieben. 1. Jorge Mario Bergoglio kam am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer in Buenos Aires auf die Welt. Auf diesem undatierten Foto sind seine Großeltern und sein Vater (Mitte) zu sehen. 2. Der Argentinier ist der erste nicht-europäische Papst der Moderne. Hier schüttelt er die Hand der argentinischen Staatschefin Christina Fernández Kirchner. 3. Bergoglio nennt sich als erster Papst Franziskus. Wer als Namensvorbild Pate stand (Franz von Assisi oder Franz Xaver) ist aber nicht klar. 4. Der neue Papst hat zwei Staatsbürgerschaften: die italienische und die argentinische. Und wie es sich für einen Argentinier gehört, trinkt er gerne Mate, das Nationalgetränk des südamerikanischen Staates. 5. Bergoglio stammt aus dem Land des Fußballgottes Maradona. Dass er Fußballfan ist, versteht sich daher von selbst. 6. Er ist sogar offizielles Mitglied vom Fußballclub San Lorenzo. Das Team und die Fans des Vereins werden übrigens "santos" (Heilige) genannt. 7. Bergoglio ist in Argentinien sehr beliebt. Er gilt als volksnah und "Kardinal der Armen". Er bevorzugte ein schlichtes Appartement gegenüber der Bischofsresidenz. 8. Außerdem fährt er gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier ist er in der U-Bahn von Buenos Aires im Jahr 2008. 9. Franziskus gilt aber auch als konservativ. Homosexuelle sollen seiner Ansicht nach keine Kinder adoptieren. 10. Bergoglio bezeichnete sogar einen argentinischen Gesetzesvorschlag zur gleichgeschlechtlichen Ehe als "Teufelsmanöver". 11. Kondome befürwortet er, allerdings nur um sexuelle Infektionen zu vermeiden. 2001 wusch und küsste er die Füße von Aidskranken in einem Hospiz in Buenos Aires. 12. Umstritten ist seine Rolle während der argentinischen Militärjunta. Vorwürfe wurden laut, dass Bergoglio Ordensbrüder nicht vor Verfolgung geschützt habe. Auch soll er der Junta bei der Entführung von zwei Jesuiten geholfen haben. Er bestreitet das. 13. Zurück zu seiner Ausbildung: Nach der Schulzeit erlangte Bergoglio erstmal einen Chemietechniker-Abschluss. 14. Danach studierte er Geisteswissenschaften in Chile und Deutschland. Anschließend noch Theologie und Philosophie. 15. Bergoglio spricht fließend Spanisch, Italienisch und sogar Deutsch. 16. Erst 1969 empfing Franziskus das Sakrament der Priesterweihe. 17. Franziskus trat allerdings schon 1958 dem Jesuitenorden bei. Damit ist er der erste Jesuit, der Papst wurde. 18. 1992 wurde er Weihbischof von Buenos Aires. Später Erzbischof und schließlich 2001 Kardinal. 19. Bereits beim Konklave 2005 soll Bergoglio übrigens 40 Stimmen erhalten haben. 20. Und was liest der neue Papst in seiner Freizeit? Friedrich Hölderlin, Jorge Luis Borges und Fjodor Dostojewski gelten als seine Lieblingsautoren.

(APA/KURIER / la) Erstellt am
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