Papst dankte nach pikantem Bericht ab

Papst Benedikt XVI in Mexiko
Foto: AP Gregorio Borgia Papst Benedikt XVI.

Ein geheimer Bericht über das gesamte Ausmaß der unrühmlichen Vatileaks-Affäre soll für den Rücktritt verantwortlich sein.

Es war der 17. Dezember des vergangenen Jahres, als drei Kardinäle an Papst Benedikt XVI. herantraten, um ihm ihre Arbeit der vergangenen Monate zu präsentieren: Ein geheimer Bericht, der auf rund 300 Seiten ausführlich das gesamte Ausmaß der unrühmlichen Vatileaks-Affäre darlegt. Der Report, glaubt man dem Bericht der Zeitung La Repubblica, liest sich wie eine Sammlung der beliebtesten Verschwörungstheorien rund um den Vatikan. Es geht um die Zustände hinter den dicken Mauern des Zwergstaats, die von Macht, Geld und Sex geprägt seien. Ausgelöst hatte die gesamte Dokumentation Kammerdiener Paolo Gabriele, der systematisch brisante Akten stahl und veröffentlichen ließ. Nach eigenen Aussagen hatte der Butler den Papst vor „dem Bösen und der Korruption“ im Vatikan schützen wollen.

Verborgenes Netzwerk

Die Bestandsaufnahme der Kardinäle sollte dem Papst „ein genaues Bild des Schadens und der faulen Fische“ im Vatikan liefern, wie es heißt. Es ging darin um ein übergreifendes Netzwerk an Lobbyisten von außen und Kirchenmännern im Vatikan, verbunden durch Beziehungen „weltlicher Natur“. Durch sexuellen Verkehr hätten Laien so Einfluss auf Mitglieder der Kurie genommen; diese seien daher erpressbar geworden. Zudem hätten die Lobbyisten finanzielle Interessen verfolgt.

Als Benedikt durch den Bericht das gesamte Ausmaß der Verruchtheit vor Augen geführt war, habe er endgültig entschieden, worüber er schon lange nachgedacht hatte: seinen Rücktritt. So berichtet zumindest die Zeitung, die sich dabei auf nur eine Quelle bezieht. Ob Benedikt tatsächlich wegen des Reports zurücktrat, darüber will der Vatikan sich nicht äußern. Nun soll sich der Nachfolger auf dem Stuhl Petri um die „unsauberen Einflüsse“ kümmern. Benedikt will den Akt dem nächsten Papst angeblich persönlich übergeben. Wann dieser gewählt wird, ist immer noch unklar. Benedikt VXI. wird sich am 28. Februar als Kirchenvater verabschieden.

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Die Kandidaten

Wer ist "papabile"?

Vor Ostern soll der neue Pontifex gekürt sein - ein Überblick über die aussichtsreichsten Anwärter.

Papabile: Der Kanadier Marc Ouellet, 69, ist Benedikts "Personalchef" - aufmerksam machte er auf sich, als er Anfang 2012 in Rom einen Bußgottesdienst zur Missbrauchsproblematik leitete und stellvertretend um Vergebung bat. Tarcisio Bertone ist Kardinalstaatssekretär und der Mann mit der größten politischen Macht im Vatikan. In den vergangenen Jahren ist es ihm gelungen, Kardinale und Bischöfe auf wichtigen Posten zu installieren. Der Erzbischof von New York, Timothy Dolan, ist mit seinen 62 Jahren einer der jüngeren Kandidaten. Er gilt als gemäßigter Konservativer und als volksnah. Kardinal Peter Turkson, 63, werden extrem hohe Chancen eingeräumt: Der Ghanaer spricht fließend Fante, das in seiner Heimat gesprochen wird, sowie Englisch, Französisch, Italienisch, Deutsch und Hebräisch; er gibt sich recht liberal. Angelo Scola gilt als einflussreicher Italiener: Der Mailänder Erzbischof war Weggefährte von Johannes Paul II. und schon nach dessen Ableben ein Anwärter auf die Papst-Nachfolge. Seine Chancen sind auch nicht gering. Der Erzbischof von Sao Paolo, Odilo Scherer, 63, hat auch gute Chancen: Er leitet die mit rund 5,2 Millionen Katholiken größte Metropole der katholischen Kirche und setzt sich vor allem für die Rechte der Armen ein. Kardinal Luis Tagle, erst 55, kommt von den Philippinen: Der Erzbischof von Manila leitet mit knapp 2,9 Millionen Gläubigen die  größte Diözese des Landes - er hat traditionell auch politisches Gewicht. Mit 67 Jahren auch in der engeren Wahl: Christoph Schönborn - ihn  verbindet einiges mit dem zurückgetretenen Papst: Er studierte bei Ratzinger in Regensburg. Sie sollen sich sehr gut verstanden haben und gelten beide als brillante Dogmatiker. Der argentinische Kurienkardinal Leonardo Sandri, geboren 1943, wäre ein Signal an Lateinamerika - dem Erdteil mit den meisten Katholiken. Der nigerianische Kardinal Francis Arinze ist schon 80, was seine Chancen nicht unbedingt hebt - er gilt aber schon seit dem Tod von Johannes Paul II. als "papabile" und hat sich als Vermittler zwischen Christen und Muslimen verdient gemacht. Kadrinal Angelo Bagnasco, Präsident der italienischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Genua, gilt als Hardliner - vor allem in Sachen Ehe.
(Kurier / red) Erstellt am
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