Zahlreiche Sensationsfunde durch Hobby-Archäologen in Israel

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Foto: /Iaa Stolzer Finder, der achtjährige Itai Halperin.

Ein achtjähriger Bub entdeckte eine wertvolle Tonfigur, die Forscher lange übersehen hatten.

"Sie lag direkt vor meinen Füßen und schaute mich an." Die Augen eines Achtjährigen wie Itai Halperin sind einfach näher am Boden. Auf dem Hügel, auf dem vor 3000 Jahren einmal die Stadt Bet Schemesch lag, ist der Grund etwas felsig. Oder der kleine Wanderer war besonders aufmerksam, weil er kurz zuvor wieder einmal den Film "Indiana Jones" gesehen hatte – und der Schatzjäger ist Itais Superheld. Auf jeden Fall machte der Bub einen Fund, den namhafte Archäologen seit 1911 übersehen hatten: Es war das Gesicht der Tonfigur einer Fruchtbarkeitsgöttin, die hier vor fast 3000 Jahren verehrt wurde. Ein Jahrhundertfund.

junger schatzsucher… Foto: /Iaa Die Fruchtbarkeitsgöttin von Bet Schemesch

Nationalsport

In Israel gilt Archäologie als eine Art Nationalsport. Laien machen den Spatenwissenschaftlern da oft Konkurrenz. Einige verstehen sogar etwas vom Fach. Andere haben einfach Glück. Tatsache ist: Ohne die Hilfe von Amateuren bliebe so mancher Fund unentdeckt. Letztlich kommt es darauf an, dass die Entdecker ihre Funde der zuständigen Altertumsbehörde (IAA) ehrlich melden. Denn das Gesetz unterscheidet zwischen Finder und Räuber. 2015 war ein goldenes Jahr. Es gab viel zu tun. Für Archäologen, Amateure und Richter.

junger schatzsucher… Foto: /Iaa Der Münzschatz aus dem alten Hafen vor Caesarea Ehrlich wie der kleine Itai waren auch sechs Taucher, die im Februar im alten römischen Hafenbecken vor Caesarea ihrem Hobby nachgingen. "Plötzlich funkelte es im Sand unter mir", berichtete Chen Sakkai, einer der Taucher. Eine Goldmünze, neben der eine zweite lag. Und eine dritte, und noch eine... Mit 60 Goldmünzen tauchten Sakkai und seine Freunde wieder auf. Aufgeregt riefen sie die IAA an. Kobi Shavit vom Institut für Unterwasser-Archäologie machte sich an die Arbeit. Mehr als 2000 Goldmünzen fanden sich – aus biblischen Zeiten bis hin in die moslemische Periode fast 1000 Jahre später. Schätzwert: An die drei Millionen Euro.

Illegaler Handel

Nicht die Archäologen, sondern die Polizei entdeckte jüngst bei einer Razzia im Kibbutz Bet Haschita im Norden des Landes 3000 Goldmünzen. "Einen Teil hab’ ich geerbt", gab der Besitzer an. Den anderen habe er gefunden. Nur einige Stücke legte er der IAA vor – um die anderen ungestört zu verkaufen. Fadenscheinige Erklärungen für Israels größten Goldmünzschatz. Archäologisch ist er aber fast wertlos: Niemand kennt die genauen Fundorte der Münzen. So bleiben sie ohne historische Einordnung.

Wobei auch Geschichte Thema von Streitereien sein kann. Vor allem, wenn sie gefälscht sein soll. Wie die Inschrift auf einem Gebein-Kasten aus einem 2000 Jahre alten Grab in Jerusalem: "Jakob Sohn Josefs und Bruder Jesus", lautet sie. Ein Gericht entschied, dass die Anschuldigung einer Fälschung von der IAA nicht zweifelsfrei bewiesen werden konnte. Andere Gutachter hielten sie für echt. Was noch nicht beweist, dass der Jesus der Inschrift der Jesus war.

Archäologische Amateure sind in Israel jedenfalls immer mit dabei. Nicht selten auf Bitten der Archäologen hin: Wenn diese ratlos sind, wenden sie sich an die Öffentlichkeit. Wer etwa gute Vorschläge zur Entzifferung der mysteriösen Bibel-Schriftrollen vom Toten Meer hat, kann sie im Internet einsehen.

(kurier) Erstellt am
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