Tausende Studenten suchen billigen Wohnplatz

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Günstige Wohnungen sind kaum noch zu finden, jetzt zieht es Tausende ins Studentenheim.

Lora Shopova sitzt in ihrem kleinen Zimmer und ist glücklich. Zehn Quadratmeter ist ihr Reich im Studentenwohnheim in der Strudelhofgasse (9. Bezirk) groß, dazu kommen ein kleiner Vorraum und ein Bad. Dennoch würde Lora nie in eine Wohnung ziehen. „Vor allem zu Studiumsbeginn kann man hier viel leichter Kontakte knüpfen“, sagt die WU-Studentin, dazu müsse man sich um nichts kümmern. Und außerdem: „Eine Wohnung ist viel zu teuer.“

Tausende Studenten suchen billigen Wohnplatz
Seit die Mietpreise in den vergangenen Jahren gestiegen sind, ist der Andrang auf die Studentenwohnheime explodiert. 272.000 ordentliche Hörer wurden im Jahr 2012 an Österreichs Universitäten gezählt, 162.000 davon in Wien. Jährlich fangen hier mehr als 25.000 junge Menschen ein Studium an, und sie alle brauchen Platz.

Freie Plätze

„Wir haben jedes Jahr etwa 600 freie Plätze, die wir vergeben können. Bei uns haben sich 2012 aber fast 4000 Studenten beworben“, sagt Walter Tancsits von der Wohnheimgesellschaft Stuwo, die in Wien acht von insgesamt 80 Heimen betreibt. Heuer habe man für das Sommersemester einen Bewerberstopp ausrufen müssen. „Trotzdem haben sich noch 200 Studenten beworben“, sagt Tancsits und schüttelt den Kopf. „Manche bewerben sich sogar drei Jahre im Voraus, um ja ihren Heimplatz sicher zu haben.“

Die Suche nach einem Platz ist auch in den Bundesländern längst nicht mehr einfach. „Vor allem in Graz und Innsbruck ist es schwierig, weil auch hier der Wohnraum sehr knapp ist“, sagt Barbara Stieber vom Anbieter home4students. In Graz ist man derzeit mit zwei Wohnheimen mit insgesamt 404 Plätzen vertreten. „Im Jahr 2012 hatten wir in Graz allein für das Wintersemester mehr als 1100 Anmeldungen.“ In Innsbruck war der Andrang ähnlich hoch. Wer eine Chance auf einen Platz haben möchte, sollte sich mindestens sechs Monate vorher anmelden.

Wohnung

„Die hohen Mietpreise haben die Studenten wieder in Wohnheime getrieben“, sagt auch Doris Schlager von der Wohnrechtsberatung der ÖH. Vor allem Studenten aus den Bundesländern suchen eher ein Zimmer in einem Heim als eine Wohnung. „In Wien in Uni-Nähe eine Wohnung unter 500 Euro zu finden, ist praktisch ausgeschlossen“, sagt Schlager. Daher gründen viele Studenten Wohngemeinschaften, um sich die Kosten zu teilen. „Allerdings ist hier Streit oft vorprogrammiert.“ Etwa, wenn ein Mitbewohner auszieht, und nicht sofort ein Nachmieter gefunden wird. Dann müssen die verbliebenen Mieter das leere Zimmer mitzahlen. „Daran sind schon Freundschaften zerbrochen“, sagt Schlager. Dazu kommen hohe Kautionen und Maklergebühren. Oft sind die Wohnungen auch nur auf drei Jahre befristet.

Sorgen, die sich WU-Studentin Lora nicht zu machen braucht. 344 Euro zahlt sie für ihr Heimzimmer. „Da ist alles inklusive: Reinigung, Strom, Internet, Heizung, Warmwasser.“

Dennoch wird sie in ein neues Studentenheim auf der Schmelz (siehe Artikel unten) umziehen. Gemeinsam mit ihrer Freundin Tanja, die auch auf der WU studiert, hat sie ein Appartement in dem Neubau ergattert.

414 Euro zahlen sie zu zweit für zwei Zimmer plus Vorraum mit Kochnische und Minibad. Was die Studentin mit dem dadurch gesparten Geld macht? „Ach, das Studentenleben ist nicht billig“, sagt Lora und lacht.

2008 stellte der Bund die Förderung von Studentenwohnheimen ein, seitdem sind auch die Preise für Zimmer in den Wohnheimen gestiegen. Um dem entgegenzuwirken, fördert die Stadt Wien den Bau von Heim- und Wohngemeinschaftsplätzen. So entsteht derzeit auf der Schmelz im 15. Bezirk, eingebettet zwischen Sportplätzen und Schrebergärten, ein Studentenwohnheim mit 74 Appartements und 206 Zimmern für knapp 320 Studenten.

Das viergeschoßige Gebäude ist als Niedrigenergiehaus ausgeführt. Die Gesamtbaukosten betragen knapp 11,9 Millionen Euro, 3,7 Millionen Euro, also fast ein Drittel, steuert die Stadt Wien bei. Der Bauträger Migra bietet dann ab dem Wintersemester 2013 ein 18 Quadratmeter großes Einzelzimmer für 345 Euro pro Monat an, das 28 Quadratmeter große Appartement für zwei Mieter kostet 414 Euro pro Monat.

Der nördliche Trakt des Gebäudes wird vom Heimbetreiber Stuwo betrieben. Hier gibt es 206 Studentenheimplätze. Jedes zur Gänze möblierte Appartement hat eine Größe von 37 Quadratmetern mit zwei Zimmern, einer gemeinsamen Kleinküche, Bad mit Dusche und WC. Inklusive Internet, Heizung, Warmwasser und Strom betragen die Kosten hier 389 Euro pro Zimmer und Monat.

„Mit der Errichtung und Sanierung von Heimen, aber auch mit dem Bau von Wohngemeinschaften oder der Jungwieneraktion nimmt die Stadt ihre Verantwortung für die Jugend wahr“, sagte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bei einem Baustellenbesuch am Freitag. „Der Bund wäre allerdings gut beraten, dafür zu sorgen, dass es in Zukunft mehr Unterstützung für junges Wohnen gibt.“

Wien in der Miet-Misere? Diskutieren Sie mit der stv. KURIER-Chefredakteurin Martina Salomon, Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und dem Obmann des Österreichischen Mieterbunds Helmut Puchebner. Di., 19 2. (18.30 Uhr), Restaurant Kent, 16., Brunnengasse 67.

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