Supermarkt-Angestellte nach gehässigem Posting gekündigt

Abkühlungsaktion in der Flüchtlingsunterkunft in B…
Foto: /Martin Peneder Auch ein gegen die sechsjährige Dunja gerichtetes Hassposting kostete einen Porsche-Lehrling den Arbeitsplatz.

Spar-Konzern trennte sich nun von der Frau. Auch beim Roten Kreuz gibt es einen ähnlichen Fall.


Als es vergangene Woche vor dem Erstaufnahmelager in Traiskirchen (NÖ) gebrannt hatte, schrieb eine Grazerin einen Kommentar im sozialen Netzwerk Facebook, voller Grammatikfehler und gehässig: "was? vor den Mauern. In den (sic!) Gebäude wäre besser. schlecht gezielt."

Die Frau war Führungskraft des Supermarkt-Konzerns Spar, der auch eine Filiale im Grazer Einkaufszentrum Citypark betreibt. Mehrere Kunden machten die Interspar-Leitung auf das Posting aufmerksam. Und wie bei dem Fall des 17-jährigen Porsche-Lehrlings in Oberösterreich kostete ihr Kommentar die Frau den Job: Nach einem Gespräch mit Betriebsrat und Geschäftsführer wurde eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses beschlossen.

"Die fremdenfeindliche Meinung, die von der Mitarbeiterin veröffentlicht wurde, lässt sich nicht mit der Unternehmensphilosophie von Spar Österreich vereinbaren", bestätigte die Spar-Pressestelle am Mittwoch. Diese Einstellung werde im Konzern nicht toleriert, noch dazu von einer Führungskraft mit Vorbildfunktion. "Eine derartige Haltung ist nicht zu dulden", betonte ein Sprecher. "Wir beschäftigen Menschen aus 30 Nationen. Fremdenfeindlichkeit hat da keinen Platz." Man sei zum ersten Mal mit so einem Vorfall konfrontiert gewesen, hieß es.

Ein weiterer Fall eines Hass-Postings vermeldete am Donnerstag das Ö1-Mittagsjournal. "Wenn dieses Asylzentrum hier her kommt, wird es Tote geben. Das Boot ist voll", schrieb ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Roten Kreuzes auf Facebook. Die Organisation trennte sich umgehend von ihm und begründete den Schritt damit, dass dies ein klarer Verstoß gegen die Grundsätze sei.

Entlassungsgrund

Im Fall des entlassenen Welser Kfz-Lehrlings, der das Foto eines fröhlich in einem Wasserstrahl stehenden Flüchtlingsmädchens mit dem Kommentar "Flammenwerfer währe (sic!) da die besser Lösung gewesen" versehen hatte, gibt es laut Porsche kein Zurück mehr. Zwar hat sich der 17-Jährige mittlerweile via Facebook für den Internet-Eintrag entschuldigt und auch inhaltlich davon distanziert. Doch das brachte ihm seine Lehrstelle vorerst nicht zurück."Unsere Entscheidung ändert sich nicht mehr – was er geschrieben hat, ist absolut inakzeptabel", sagt Porsche-Sprecher Richard Mieling. Wie berichtet, kritisiert Internet-Beobachter S. T. (Name der Redaktion bekannt), der das Unternehmen auf das Hassposting aufmerksam gemacht und den Burschen angezeigt hatte, die Entlassung als zu hart. Er plädiert für eine zweite Chance. Mieling: "Die gibt es nicht, der junge Mann hätte sich vorher über Konsequenzen Gedanken machen müssen." Einer möglichen Anfechtung bei Gericht sieht Porsche gelassen entgegen.

Das sieht auch Drago Velebit, Jurist der AK OÖ, ähnlich. "So etwas zu schreiben, ist ein Entlassungsgrund." Die Vorgangsweise der Porsche-Holding sei rechtlich gedeckt.

Bei einem Gang vor das Arbeitsgericht habe der junge Mann außerdem nicht automatisch Anrecht auf rechtliche Unterstützung durch die AK: "Die Entscheidung darüber fällt aufgrund der jeweiligen Sach- und Rechtslage."

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(kurier) Erstellt am
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