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Foto: Deutsch Gerhard

Letztes Update am 27.01.2013, 08:00

Post-Offensive gegen Einbrecher. Bei Einbruch während der Reise wird der Heimflug bezahlt und die Wohnung bewacht.

Sie stahlen sogar sein letztes Hemd. Oder zumindest sein vorletztes, um genau zu sein. „Die Einbrecher nahmen alle Hemden mit, die ich von Dolce & Gabbana hatte. Nur das Hemd vom H&M ließen sie zurück“, berichtet Clemens P. Er wurde im Sommer das Opfer von Einbrechern. Eines von rund 15.000 jedes Jahr in Österreich. Denn alle 36 Minuten wird eine Wohnung oder ein Häuschen geknackt.

Das aus allen Nähten platzende Postfach, die Zeitungen vor der Tür – all das sind Indizien, dass Wohnungen verwaist sind. Für Einbrecher ist das ein Anziehungspunkt und fast schon eine direkte Einladung. Die Post reagiert nun mit einer Offensive und bietet neue Möglichkeiten an, wie man den Einbrechern das Leben schwer machen kann. So kann über die Homepage www.post.at ab sofort ein sogenanntes „Holiday Home Service“ gebucht werden. Darin inkludiert ist nicht nur eine Versicherung, die alle Schäden eines Einbruchs übernimmt, sondern die Wohnung wird gegebenfalls von einem Security überwacht und auch gleich abgesichert, etwa durch ein neues Schloss. Auch die Kosten für den Rückflug werden übernommen. Organisiert wird das alles über die weltweit tätige Nothilfeorganisation europ assistance, Kostenpunkt sind 9,90 für die erste Woche und 1,50 für jede weitere. Dafür gibt es im Fall des Falles als Entschädigung 500 Euro direkt ausbezahlt, womit man beispielsweise eine psychologische Betreuung nach der Tat finanzieren kann. Denn die meisten Opfer berichten, dass weniger der Schaden das Problem ist als die Angst danach. „Jedes Mal, wenn ich jetzt nach Hause komme, fürchte ich, dass die Tür wieder offen ist“, berichtet Clemens P. Er hat deshalb eine Alarmanlage gekauft und einen Notknopf, der vom Bett gesteuert werden kann. „Sie könnten ja auch in der Nacht kommen, wenn ich schlafe.“


Einbruch in 1140 Wien
Die Wohnung von Alois F. wurde erst vor wenigen Tagen von Einbrechernheimgesucht. Sie erbeuteten Schmuck und Geld im Wert von 6500 Euro - Foto: KURIER/jeff mangione
„Ich schaue jetzt jedes Mal, wenn ich vorbeigehe, ob die Fenster offen sind. Es beschäftigt mich, weil ein Fremdkörper in der Wohnung war“, berichtet Alois F. In sein Domizil in Wien-Penzing wurde vor elf Tagen eingebrochen. Die Täter stiegen über ein Küchenfenster ein und verbarrikadierten die Türe von innen mit einem Heizkörper und einem Sessel. „Dann haben sie alles herausgerissen. Bilder, einen Schussapparat haben sie zurückgelassen, sie haben sich nur für Schmuck, Uhren und Bargeld interessiert“, erklärt der Pensionist. „Glücklicherweise ist der schöne Schmuck in der Bank im Schließfach.“

Urlaubsfach der Post

Viele Opfer denken erst nach dem Einbruch darüber nach, was sie hätten tun können. Zumindest gegen die überquellenden Postfächer will die Post mit dem „Urlaubsfach“ ankämpfen – dabei werden alle Briefe zurückgehalten und am letzten Urlaubstag gesammelt zugestellt.

Die populärsten Irrtümer rund um das Thema Einbruch

Mehr Einbrüche zu gewissen Jahreszeiten: Tatsächlich gibt es für Einbrecher keine Hochsaison. Die Zahl der Delikte bleibt über das Jahr ziemlich konstant. Weder in der Urlaubszeit, noch im Herbst (Dämmerungseinbrüche) sind die Tätergruppen deutlich aktiver. Die meisten Einbrüche gab es laut Polizeistatistik in den vergangenen Jahren im Jänner.

Einbrecher kommen überall hinein: Das stimmt zwar für Profis, aber die meisten Täter sind das nicht. Sie gehen den Weg des geringsten Widerstandes und steigen dort ein, wo es am einfachsten ist. 70 Prozent brechen nicht ein, wenn es eine Alarmanlage gibt. Nur ein Hund ist ein noch besserer Schutz.

Eingebrochen wird meist in der Nacht: Rund ein Drittel der Coups geschehen zwischen 10 und 13 Uhr – die gefährlichste Tageszeit ist also die Mittagszeit. „Bei mir ist nichts zu holen“: Das ändert nicht unbedingt etwas daran, ob eingebrochen wird. Die Täter wissen das vorher zumeist nicht.

(kurier) Erstellt am 27.01.2013, 08:00

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