NATO-Übung: Flugsicherung in halb Europa lahmgelegt

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Foto: Kurier/schraml wilhelm Jeden Tag durchqueren bis zu 4000 Flugzeuge den österreichischen Luftraum: die Fluglotsen kontrollieren die Flieger am Bildschirm.

"Größte Katastrophe der jüngeren Luftfahrtgeschichte ohne Folgen": Zivile Fluglotsen in Österreich, Deutschland, Tschechien und der Slowakei waren mehrere Stunden "blind".

Donnerstag wurde der Albtraum jedes Fluglotsen wahr: Die Flieger verschwanden von den Radarschirmen, obwohl sie noch in der Luft waren. Und das nicht nur bei der Austro Control in Wien, sondern auch bei den Flugsicherungszentralen in Karlsruhe, Prag und Bratislava. Die zivilen Flugsicherungen verwenden ein Sekundärradar. Mit Empfangsanlagen werden die Funksignale der Transponder (Signalgeber, Anm.) der Flugzeuge empfangen. So weiß der Fluglotse immer über Kurs, Flughöhe und Geschwindigkeit Bescheid. Donnerstag um 14 Uhr verschwanden plötzlich immer mehr Flieger vom Bildschirm. Manche tauchten kurzfristig wieder auf, um abermals zu verschwinden.

Großalarm

Das bedeutete Großalarm, denn jeden Tag durchqueren bis zu 4000 Flugzeuge den österreichischen Luftraum. "Für so einen Fall haben wir klare Verfahren," erklärt dazu Markus Pohanka von der Austro Control. Es wurde zusätzliches Personal in die Flugsicherungszentrale beordert und auf "Handbetrieb" umgestellt. Auf Basis der noch gespeicherten älteren Flugdaten wurden die wahrscheinlichen Positionen der Maschinen errechnet. Die Piloten wurden per Funk aufgefordert, ihre aktuellen Positionen durchzugeben. Zudem wurden zusätzliche Sektoren im Luftraum geöffnet und die Sicherheitsabstände der Flugzeuge vergrößert.

Insider sprechen von der "größten Katastrophe der jüngeren Luftfahrtgeschichte ohne Folgen". Pohanka versichert aber, dass kein Flieger in Gefahr gekommen sei.

Das Blackout dauerte bis 17 Uhr. In den Nachbarländern soll es sogar bis 19 Uhr 30 angehalten haben. Die Luftraumüberwachung des Bundesheeres funktionierte klaglos weiter. "Wir waren davon nicht betroffen, weil wir sowohl über ein Primärradar als auch ein Sekundärradar verfügen," erklärt dazu Oberst Michael Bauer vom Verteidigungsministerium. Gemeint ist jene aktive Radar-Komponente, die auch Flugzeuge ohne Transponder erkennt. Doch die militärischen Fluglotsen dürfen dem Geschehen am Himmel nur zuschauen und bei Gefahr im Verzug Abfangjäger losschicken. Für die Verkehrsleitung sind sie nicht zuständig.

Verursacher

Eine Überprüfung der Systeme der Austro Control, so Pohanka, habe ergeben, dass kein technischer Fehler vorgelegen sei. Also muss die Störungsursache außerhalb liegen.

Nachforschungen des Bundesheeres fand in Ungarn einen hochgradig Verdächtigen: Die NATO. Denn in Ungarn lief zu diesem Zeitpunkt eine "EloKa"-Übung. Das ist das Kürzel für elektronische Kampfführung. Dazu gehört auch die Fähigkeit, die elektronischen Systeme des Gegners zu stören. Die Militärs fanden heraus, dass diesmal das Blockieren von Transpondern auf dem Übungsplan stand. Und da dürfte ein Offizier wohl irrtümlich den "roten Knopf" gedrückt haben, was dann zur tatsächlichen Blockade im Luftraum führte.

Zivile und militärische Flugsicherung

Luftverkehr: Jährlich überqueren 1,2 Millionen Flugzeuge Österreich. Pro Tag sind es bis zu 4000 Maschinen. Ihnen werden von der Austro Control Luftstraßen,
Höhe und Geschwindigkeit zugewiesen.

Luftraumüberwachung: Die Austro Control regelt den Flugverkehr. Sie ist darauf angewiesen, dass die Flugzeuge über Transponder iihre Flugdaten mitteilen. Das Bundesheer erkennt auch Flugzeuge ohne Transponder, etwa Militärflugzeuge.

(kurier) Erstellt am
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