Hotel Wörthersee: Der Denkmalschutz bröckelt

Das Schlosshotel Wörthersee in Klagenfurt verfällt zusehends.
Besitzer des Baujuwels setzt auf Zeit und lässt Sanierungsarbeiten schleifen.

Es galt jahrzehntelang als Touristenmagnet, als Treff der betuchten Gäste aus dem In- und Ausland: Inzwischen verfällt das unter Denkmalschutz stehende Hotel Wörthersee am Ostufer des beliebten Badesees zusehends und der Behörde sind die Hände gebunden. Die Taktik des Eigentümers scheint aufzugehen: inzwischen bröckelt beim architektonischen Baujuwel neben der Fassade auch der Denkmalschutz.

Das Schlosshotel thront seit 1897 in bester Lage mit Seeblick auf einer Anhöhe zwischen Klagenfurt und Krumpendorf. Ein Blick aus der Ferne genügt, um die eingeschlagenen Fenster, das defekte Dach oder die kaputte Fassade am leer stehenden Gebäude zu erkennen.

Hotel Wörthersee: Der Denkmalschutz bröckelt
Hotel Wörthersee in Klagenfurt
Ein an der Außenfront angebrachtes Plakat deutet darauf hin, dass die Eigentümer Verkaufsabsichten hegen. "Kein Kommentar, es gibt nichts zu berichten", heißt es auf Anfrage vom Rechtsanwalt der Seilerstätten Immobilien AG mit Sitz in Wien, Bernhard Krause.

Die Stadt Klagenfurt sowie das Bundesdenkmalamt sehen die Sache anders, denn das Objekt, seit 2011 im Besitz der Immobilienfirma, ist dem Verfall preisgegeben.

Teure Sanierung

Das Problem: Die Fassade und Teile des Dachs stehen seit 1980 unter Denkmalschutz; Sanierungsarbeiten sind an Auflagen gebunden und dementsprechend teuer. Die Baubehörde des Magistrats schreibt wohl Bescheide vor, doch sie werden einfach nicht erfüllt.

"Bauzustandsbegehungen mit den Architekten der Immobilienfirma führten zu nichts. Im März 2016 wurde ein Sicherungs- und Instandhaltungsauftrag ausgesprochen. Die Hotelbesitzer haben jedoch berufen, die Bauberufungskommission hat uns recht gegeben und nun hat das Immobilienbüro eine Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht eingebracht", schildert Karin Zarikian, Leiterin der Klagenfurter Baurechtsabteilung, das langwierige Procedere.

Insider vermuten hinter der Abwartehaltung der Seilerstätten AG ein Spiel auf Zeit und die Hoffnung auf geänderte Auflagen. "Es gibt zwei Anträge: auf Entlassung sowie auf Teilentlassung aus den Denkmalschutzbestimmungen", erklärt Doris Petautschnig vom Bundesdenkmalamt. Es habe eine Sitzung des Denkmalbeirates gegeben. Das Verfahren sei nicht entschieden, heißt es von der Rechtsabteilung des Bundesdenkmalamts in Wien.

Ob der Besitzer die Liegenschaft nach wie vor wie angekündigt zum Vier-Sterne-Hotel ausbauen will, war nicht zu erfahren. Die Seilerstätten Immobilien AG betreibt einige Bordelle in Wien und Salzburg sowie das Etablissement auf Schloss Freyenthurn unweit des Hotels Wörthersee.

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