Giftige Öldämpfe im Flieger: 16 Vorfälle bei heimischen Airlines

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Foto: Getty Images/Thinkstock Dicke Luft im Flugzeug? Vorfälle mit giftigem Rauch sind dokumentiert, jedoch fehlen Studien zum Thema.<span> </span>

Piloten wünschen sich Messgeräte und Umbauten. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

Giftige Luft durch Öldämpfe in der Flugzeugkabine: In Österreich waren diese sogenannten "Fume Events" bisher kaum Thema. Nun steht fest: Auch heimische Fluglinien sind von derartigen Vorfällen betroffen. 16 Verdachtsfälle wurden im Zeitraum 1. Juli 2013 bis 30. Juni 2014 gemeldet. "Die Airlines haben bei diesem Thema bisher eher spröde reagiert", sagt Siegfried Lenz, Pilot und Generalsekretär der Austrian Cockpit Association (ACA).

Die Vereinigung arbeitet seit einiger Zeit mit dem flugmedizinischen Dienst zusammen. "Um Erkenntnisse zu gewinnen, wie oft das tatsächlich passiert. Und für die eigene Sicherheit", erklärt Lenz.

In den USA oder Deutschland sind "Fume Events" ein heißes Eisen und werden schon länger thematisiert. Komischer Geruch, Rauch, Schwindel, Übelkeit – all das kann, muss aber nicht dadurch hervorgerufen werden. Ein Pilot der British Airways soll durch die giftigen Gase irreparable Nervenschäden erlitten haben (siehe unten).

Schuld daran soll giftige Kabinenluft gewesen sein. Dass es dazu kommen kann, ist bekannt. In einem Großteil der Flugzeuge wird die Luft durch die Triebwerke ins Innere geleitet. Ölrückstände können die Luft kontaminieren.

Keine Messwerte

Langfristige Studien über die Auswirkungen gibt es nicht. Da hakt die ACA ein. "Ein Detektor wäre sinnvoll, um gewarnt zu werden." Doch derartige Messgeräte fehlen Ebenso wie Filter zur Luftreinigung. "Ein weiterer Ansatz wäre, die gefährlichen Phosphate aus dem Öl rauszubekommen. Aber dazu braucht es Ersatzstoffe", sagt Lenz. Vierte Variante: Lufterzeugung über Stromkompressoren. Keine dieser Möglichkeiten ist kurzfristig machbar. 

Das Gesundheitsministerium hält fest: "Nach Auswertung und Analyse von Vorfällen kam man zu dem Ergebnis, dass derzeit keine Änderungen der bestehenden technischen Mindestanforderungen bezüglich der Vermeidung von Kabinenluft-Kontamination notwendig sind." Auch die Austro Control hat geprüft. "Dabei ging es in erster Linie um Geruchsbelästigungen. Bei den Untersuchungen haben sich meist unterschiedliche technische oder betriebliche Ursachen als Grund für diese Wahrnehmungen ergeben, etwa defekte Küchengeräte. Zu Gefährdungen ist es dabei nicht gekommen", heißt es von der Austro Control.

Pilot Lenz relativiert: "Wir müssen uns nicht massiv fürchten, dass reihenweise die Flieger runterfallen, weil die Piloten bewusstlos werden. Aber es wäre beruhigend zu wissen, dass wir nicht jahrzehntelang mit Nervengiften in Berührung kommen."

Schicksal

Pilot starb an dem Nervengift

Mit 43 Jahren starb der British-Airways-Pilot Richard Westgate. Er stellte seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung – und die fand Erschreckendes. Westgate litt an Symptomen, die vergleichbar sind mit einer gleichzeitigen Erkrankung von einer Herzmuskelentzündung, Leukämie, multipler Sklerose und zusätzlich einer Arsen- und Insektizidvergiftung. Experten nennen das „Aerotoxisches Syndrom“.

Westgate bemerkte erste Symptome schon mit Ende 20. Er war verwirrt, hatte Konzentrationsschwierigkeiten. Später wurden seine Füße und Hände taub, er bekam Migräne, litt unter Sehschwäche, konnte sich nicht mehr bewegen.

Schließlich wurde er fluguntauglich. Seine Nerven- und Gehirnzellen waren abgestorben. Sein Körper dürfte die eingeatmeten Giftstoffe nicht abgebaut haben. Das ist zwar  selten, kommt aber vor.

(kurier) Erstellt am
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