Eurofighter werden zur militärischen Lachnummer

Eurofighter, Übungen Fliegerhorst Vogler, Hörschin…
Foto: /Matthias Lauber Eurofighter bleiben öfter am Boden – das nennt sich „flexible Luftraumüberwachung“.

Aus Spargründen sind die Bundesheer-Jets jetzt auch am Tag immer seltener in der Luft.

Wir müssen Lücken in Kauf nehmen", sagt Generalmajor Karl Schmidseder, Leiter der Einsatzsektion im Verteidigungsministerium. Per 1. September wird den heimischen Eurofightern von höchster Stelle ein Sparpaket verordnet. Österreichs Luftraum bleibt dann nicht mehr nur in den Nachtstunden ohne einsatzbereite Kampfjets, sondern immer öfter auch tagsüber.

Nationalratssitzung im Parlament Foto: dapd/Hans Punz Generalmajor Karl Schmidseder: 'Lücken in Kauf nehmen.' Was offiziell "flexible, und deshalb unberechenbare Luftraumüberwachung" genannt wird, ist de facto die Einführung flexibler Bürozeiten. Künftig werden die Eurofighter nur mehr durchschnittlich elf statt bisher zwölf Stunden tagsüber zur Verfügung stehen. "Es wird Tage mit 14 Stunden geben und an einem anderen Tag endet das am Nachmittag", erklärt Schmidseder. Das funktioniert ähnlich wie die "Gleitzeit" für Arbeitnehmer. Schmidseder sieht dennoch "de facto keine Auswirkungen auf die Sicherheit".

Pikant aber: Auch andere Staaten dürfen nicht einmal kurzfristig in den heimischen Luftraum, etwa um ein Passagierjet mit einer Bombe oder Terroristen an Bord zu verfolgen. Für diese Form der "Nacheile" wäre ein verfassungsgesetzlicher Staatsvertrag notwendig. Geschieht so etwas künftig außerhalb der "Gleitzeit", dann könnten von Terroristen gekaperte Maschinen über Österreich also schalten und walten, wie sie wollen.

"Wir betreiben Air-Craft-Sharing"

Hinter vorgehaltener Hand erklären Luftwaffen-Insider, dass für dieses Sparprogramm tatsächlich nur mehr 12 statt der derzeit 15 Eurofighter notwendig wären. "Wir betreiben Air-Craft-Sharing. Das ist so ähnlich wie das Car-Sharing beim Auto", sagt Schmidseder. Das bedeutet, dass die nur noch elf Piloten (plus einer in Ausbildung) keine Stamm-Maschine haben, sondern abwechselnd die verschiedenen Jets fliegen. Alle 15 Jets werden so im Flugbetrieb bleiben. Damit sollen sie in Schuss gehalten werden. Und schließlich gibt es Hoffnung, dass eines Tages doch alle gebraucht werden. Denn die unter Verteidigungsminister Norbert Darabos groß abgespeckten Flieger gelten als praktisch unverkäuflich.

Tatsächlich einsatzbereit werden immer nur vier oder sechs Jets sein. Das entspricht zwei bis drei Rotten. Gesenkt werden mit diesem Sparprogramm auch die Flugstunden für die Eurofighter – von 1300 auf 1070 Stunden. Gemeinsam mit einer gleichzeitigen Reduzierung bei den Einsatzzeiten der in die Jahre gekommenen Saab 105 soll das eine Einsparung von rund 4,5 Millionen Euro bringen, heißt es im Verteidigungsministerium. Die Kosten für den laufenden Betrieb aller Fluggeräte dürfte damit auf rund 65 Millionen Euro pro Jahr sinken.

Kommentar

Die Eurofighter gleiten in die Sinnlosigkeit

Österreich ist nicht mehr in der Lage, seinen Luftraum zu überwachen. Das soll der Minister endlich zugeben.

Den Begriff "Gleitzeit" kennt jeder aus dem Alltag im Büro. Wenn mehr zu tun ist, bleibt man länger, dafür kann man sich dann mal freinehmen. Das ist natürlich sinnvoll. Wenn jetzt aber das Bundesheer für die Eurofighter "Gleitzeit" verordnet, ist das nur mehr ein hilfloses und zugleich teures Eingeständnis, dass diese Flugzeuge niemand mehr braucht. Denn wer seinen Luftraum nur zu gewissen Zeiten – und immer seltener – überwacht, braucht gar keine Kampfflugzeuge.

Die Höhe der Bestechungsgelder beim Ankauf der Eurofighter werden wir hoffentlich irgendwann erfahren – und die Schuldigen vor Gericht sehen. Aber abgesehen davon haben Erwerb und Betrieb Politik und Militär von Anfang an überfordert. Wegen eines Hochwassers wurden zunächst nur 18 statt 24 Flieger geordert, dann kamen nach umstrittenen Verhandlungen von Verteidigungsminister Darabos 15 Stück ins Land. Und jetzt heißt es, für die neuerlich reduzierten Dienstzeiten würden auch 12 Kampfflugzeuge reichen.

Das bedeutet, dass es künftig ein Lotteriespiel wird, ob gerade zufällig Eurofighter im Einsatz sind, wenn sich ein Flugzeug irrtümlich oder in böser Absicht dem österreichischen Luftraum nähert. Überlegungen im Militär, die ungarische Luftwaffe um Hilfe zu bitten, haben sich zerschlagen, da würde unsere ohnehin durchlöcherte Neutralität endgültig absurd wirken.

Unsere abgespeckten und inzwischen in die Jahre gekommenen Flieger kauft uns niemand mehr ab, aber auch der reduzierte Betrieb kostet noch rund 65 Millionen Euro pro Jahr. Schade ums Geld, ab ins Museum mit der dümmsten und wohl auch skandalträchtigsten Investition der letzten Jahrzehnte.

Zusperrpläne

Heer verliert Düsentrainer und zwei Helikopterflotten

In den kommenden Jahren werden neben des Saab-105 Trainern auch Hubschrauberflotten ausgeschieden. Sogar die hochmodernen Black-Hawk sind in Gefahr. Im Jahr 2018 werden die Alouette III Helikopter ausgeschieden. Derzeit sind sie in Bosnien sogar noch im Auslandseinsatz. Sie sind bei den Militärs wegen ihrer einfachen Wartung höchst beliebt. Aber das Todesurteil für die Flotte steht fest.

Bewaffnet

Ebenfalls ersatzlos ausgeschieden wird 2018 die OH-58-Flotte. Mit diesem System verliert das Heer seinen einzigen bewaffneten Hubschrauber. Erst kürzlich errangen Österreichs Piloten bei einer NATO-Übung in Norwegen mit der OH-58 höchste internationale Anerkennung. An eine Nachbeschaffung ist nicht gedacht.

Selbst den hochmodernen Black Hawk droht der Stillstand. Denn wenn nicht rasch 50 Millionen teure Updates kommen, wird er 2018 nachtblind und ab 2020 steht er am Boden.

Ebenso ersatzlos läuft 2020 die Düsentrainerflotte Saab-105 aus. Die billigen Einsatzflüge der Saab-105 müssen dann teuer mit Eurofighter geflogen werden.

Die Luftstreitkräfte reduzieren sich dann auf 24 Stück Bell-212. Bei diesen läuft gerade ein Nachrüstprogramm, das nicht mehr gestoppt werden konnte.

Was beim Bundesheer ausgemustert wird

Diese Typen werden künftig am Boden bleiben müssen.

(Kurier) Erstellt am
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