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KURIER
In der Schule selbst sollen keine Drogenverkäufe stattgefunden haben.
In der Schule selbst sollen keine Drogenverkäufe stattgefunden haben. - Foto: Mario Kienberger

Letztes Update am 02.10.2012, 19:25

Schüler dealten mit Drogen. Lehrlinge der Berufsschule Freistadt zogen lukrativen Suchtgifthandel auf. Sie sollen 20 Kilo Cannabis verkauft haben.

Wäre der eine Schüler nicht zu mir gekommen, wir hätten von den kriminellen Umtrieben nichts bemerkt“, sagt Gerhard Kutschera, Direktor der Berufsschule Freistadt.
Es war Mitte Dezember 2011, als sich ein junger Mann vertrauensvoll an den leitenden Pädagogen wandte. „Er hat erzählt, dass einige seiner Klassenkollegen im Umfeld der Schule mit Suchtgift handeln“, erzählt Kutschera. Als der Direktor auch Namen erfuhr, schaltete er unverzüglich die Polizei ein. „Es bereitet keine Freude, Schüler anzuzeigen, doch in dem Fall ist mir nichts anderes übrig geblieben – ich hätte mich sonst strafbar gemacht.“

Soko Mörtel

Schuldirektor, Direktor Berufsschule Freistadt, Gerhard Kutschera, OÖ
Direktor Kutschera bekam einen anonymen Hinweis. - Foto: Mario Kienberger

Ermittlungen in Schülerkreisen bestätigten die Angaben des Informanten. Als der Fall immer größere Ausmaße annahm, wurde im Bezirkspolizeikommando Freistadt eine Sonderermittlungsgruppe gebildet. „Phasenweise sind in der ,Soko Mörtel’ (in Freistadt werden vor allem Maurerlehrlinge ausgebildet) bis zu sechs Beamte aus vier Dienststellen im Einsatz gestanden“, erklärt Bezirkskriminalreferent Martin Petermüller.


Die  nachfolgenden Erhebungen gestalteten sich langwierig, konnten nun aber abgeschlossen werden. „Die Einvernahmen haben sich von Freistadt über den Zentralraum bis Steyr und Wien ausgedehnt“, betont Petermüller.  Es gab acht Hausdurchsuchungen und zahlreiche freiwillige Nachschauen. Dabei wurden eine voll funktionsfähige Cannabis-Indoorzuchtanlage, etliche chemische und pflanzliche Drogen sowie Erlöse aus Suchtgiftverkäufen gefunden.  Rund 140 Dealer, Zwischenhändler und Konsumenten konnten ausgeforscht werden, von denen 90 in Oberösterreich und 50 in anderen Bundesländern angezeigt wurden. Sechs Hauptverdächtige landeten in U-Haft. Sie sollen etwa 20 Kilo Cannabis sowie Tabletten in Tschechien und Wien besorgt und nach Freistadt gebracht haben. Der Verkaufswert des Suchtgifts betrug rund 70.000 Euro. Die Verdächtigen sind fast alle zwischen 19 und 22 Jahre alt.

Unauffällig

foto-kerschi.atOberstleutnant Martin Petermüller, Kriminalreferent Bezirkspolizeikommando, Polizei Freistadt, OÖ   1)  Widerstand gegen die StaatsgewaltBezirk Freistadt    PI Freistadt Ein 18-Jähriger aus dem Bezirk Rohrbach stellte am 04.01.2011 kurz nac
Martin Petermüller leitete die Ermittlungen. - Foto: foto-kerschi.at

Gerhard Kutschera ist seit 32 Jahren als Lehrer an der Schule tätig und seit sechs Jahren Direktor. „Etwas in der Dimension habe ich zuvor nicht erlebt.“
 Zwei der Hauptverdächtigen waren Schüler der Abschlussklasse. „Sie sind zehn Wochen bei uns gewesen, waren unauffällig und haben  auch ihren Abschluss gemacht.“ In der Schule selbst sei nie gedealt worden.

(kurier) Erstellt am 02.10.2012, 20:10

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