Wirt ließ ÖVP-Spitze nicht in seinem Restaurant speisen

ÖVP-KLUBKLAUSUR IN BAD LEONFELDEN: MITTERLEHNER /
Foto: APA/BARBARA GINDL Nicht überall in Bad Leonfelden wurden die ÖVP-Politiker hofiert.

Gastronom ist über die Politik verärgert. Minister mussten in anderes Gasthaus ausweichen.

Unter dem Motto "Unsere Werte. Unser Weg. Wie wir leben wollen", hielt der ÖVP-Parlamentsklub vergangene Woche (14. und 15. Jänner) in der 4100-Einwohner-Stadt Bad Leonfelden eine Klausurtagung ab. Die Spitzen der Bundespartei – von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner über Klubobmann Reinhold Lopatka, den Ministern Sebastian Kurz, Johanna Mikl-Leitner, Hans Jörg Schelling und Andrä Rupprechter bis zu Präsidentschaftskandidat Andreas Khol – nahmen daran teil. Sie und ihre Entourage sowie die angereisten Journalisten waren in den Hotels der Mühlviertler Kurstadt untergebracht. Die Gastronomen rieben sich die Hände.

Auch im Leonfeldner Hof, einem Drei-Sterne-Beherbungsbetrieb mit Restaurant direkt im Stadtzentrum, wurden Mitarbeiter einquartiert. Als das ÖVP-Organisationsteam aber bei Wirt Wolfgang Schwarz anfragte, ob auch die Ministerriege am Mittwochabend zum Essen kommen könne, verweigerte er das mit dem Hinweis, diese Herrschaften sollen sich doch ein anderes Lokal suchen.

Nicht parteipolitisch

"Ich wollte einfach ein Zeichen setzen, dass ich mit vielen Entscheidungen der Regierung nicht einverstanden bin", sagt Schwarz. Parteipolitisch sei sein Statement jedoch nicht gemeint gewesen: "Ich hätte das Gleiche gemacht, wenn es sich um eine Gruppe roter, blauer oder grüner Spitzen-Mandatare gehandelt hätte."

Leonfeldner Hof, Gasthof, Gasthaus, Wirtshaus, Bad… Foto: KURIER/Jürgen Pachner Er habe auch mit den jeweiligen Personen kein Problem: "Wenn sie privat kommen, sind sie gern gesehene Gäste", betont der Wirt. Ihn ärgere aber, dass Gesetze erlassen werden, die – siehe Rauchverbot – nicht für alle auf gleiche Weise gelten würden: "Es gibt immer irgendwelche unbegründeten Ausnahmen für bestimmte Gruppen – so etwas kann ich nicht verstehen", sagt Schwarz.

Die Gastronomie werde seiner Ansicht nach grundsätzlich benachteiligt. Daher brauche es auch niemanden wundern, wenn ständig Betriebe zusperren müssen. "Die Rahmenbedingungen werden für uns leider immer schwieriger und der bürokratische Aufwand nimmt ständig zu."

Er selbst sei bei keiner Partei Mitglied. "Ich bin als Unternehmer und Wirt völlig unparteiisch und nur für das Wohl des Gastes da." Schwarz kann nicht verstehen, dass viele seiner Kollegen zwar bei jeder Gelegenheit über die Politik schimpfen, aber keine Zeichen setzen: "Ich wollte jetzt zeigen, dass es nicht nur Arschkriecher gibt."

Die ÖVP-Minister mussten übrigens nicht hungrig zu Bett gehen. Sie wurden im Gasthof Haudum in Helfenberg bewirtet. "Für mich war es eine Freude und Ehre – und auch ein gutes Geschäft", sagt Wirt Peter Haudum.

(kurier) Erstellt am