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KURIER
Im Nebenhaus der Justizanstalt (Hintergrund) soll ein Übergriff stattgefunden haben. - Foto: Petschenig/picturenews.at

Letztes Update am 28.06.2012, 12:44

Justiz-Bediensteter soll Sextäter sein. 52-Jähriger soll mindestens vier Frauen missbraucht haben. Eines der Opfer soll mit K.o.-Tropfen betäubt worden sein.

Die Vorwürfe sind brisant: Ein hochrangiger Mitarbeiter der Justizanstalt Linz steht im dringenden Verdacht, mehrere Frauen vergewaltigt bzw. sexuell genötigt zu haben. Seit November 2011 wird gegen den Mann ermittelt, seit 16. Juni sitzt er in U-Haft.

„Leider haben sich in der vergangenen Woche die Verdachtsmomente verdichtet“, bestätigt Generalleutnant Peter Prechtl von der Vollzugsdirektion. Die unmittelbaren Kollegen des 52-Jährigen seien aus allen Wolken gefallen, als sie von den Verdächtigungen erfuhren. Der Mann hatte bisher einen untadeligen Ruf und galt als äußerst integer.

„Es hat kontradiktorische Vernehmungen mit mutmaßlichen Opfern gegeben, die gewonnenen Erkenntnisse waren ausschlaggebend für die Festnahme“, erklärt Rainer Schopper von der Staatsanwaltschaft Linz. Die angeblichen Übergriffe sollen im Zeitraum zwischen Ende 2010 und November 2011 stattgefunden haben.

Verdacht

Missbrauchsopfer Nora Wellmann, Vergewaltigung Justizanstalt Linz, OÖ
Die 28-jährige Ex-Strafinsassin zeigte den Justiz-Mitarbeiter wegen Vergewaltigung an. In ihrem Urin fanden sich Rückstände von K.o.-Tropfen. - Foto: Petschenig/picturenews.at

Seit rund 17 Jahren arbeitet der Verdächtige in einflussreicher Position für den Sozialen Dienst der Justizanstalt Linz und ist ehrenamtlich als Bewährungshelfer tätig. Dabei dürfte er Kontakt zu den späteren Opfern geknüpft haben. Mindestens vier Frauen  –  Ex-Insassinnen – sollen den Mann massiv beschuldigen. Er leugnet jeglichen Übergriff.

Die Anzeige einer 28-jährigen Linzerin, die von April bis Ende Oktober 2011 eine Gefängnisstrafe absitzen musste, brachte den Fall ins Rollen. Nach der Haftentlassung soll ihr der Justizmitarbeiter angeboten haben, ihr bei behördlichen Angelegenheiten behilflich zu sein. Am 24. November verabredete er sich mit ihr in einem Restaurant in Urfahr.

„Er hat angekündigt, dass er eine Überraschung für mich hat – ich hab’ gehofft, dass es eine Arbeitsstelle ist“, erzählt die 28-Jährige im KURIER-Gespräch. Doch davon war keine Rede.
 „Dann hat er gemeint, dass er mir etwas zeigen will, ich soll mitkommen, es würde sich auszahlen.“ Der Sozialarbeiter sei mit ihr in die Tiefgarage der Justizanstalt gefahren und habe sie ins sogenannte Gästehaus – ein Nebengebäude des Gefängnisses – gebracht, wo er ein Zimmer gemietet hatte.

Dort zeigte er ihr den Ausblick auf den Innenhof der Justizanstalt. „Er hat mir ein Bier angeboten und wollte, dass ich noch Wein trinke – aber mir ist plötzlich schlecht geworden.“ Sie habe sich übergeben müssen. „Ich wollte heim, aber er hat mir noch eine Cola gegeben – danach weiß ich nichts mehr.“ Gegen 5 Uhr Früh sei sie plötzlich in seinem Bett aufgewacht: „Ich war nackt und er ist neben mir gelegen, ich spürte sofort, dass mit meinem Körper etwas passiert ist.“ Sie habe sich angekleidet und sei ins Bad, wo ihr drei Filmdosen mit Flüssigkeitsrückständen auffielen. „Eine hab’ ich sicherheitshalber eingesteckt.“

Später ließ sie sich und den Doseninhalt untersuchen und erstattete Anzeige. Es stellte sich heraus, dass es K.o.-Tropfen waren, die man auch in ihrem Urin fand. „Auf meinem BH sind außerdem noch seine DNA-Spuren sichergestellt worden.“
Der Verdächtige wurde einvernommen: Er gibt zwar zu, sexuelle Absichten gehabt zu haben, doch zu intimen Kontakten sei es nicht gekommen – und von K.o-Tropfen wisse er nichts.

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(kurier) Erstellt am 27.06.2012, 15:55

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