Waldviertler Theatermacher ist tot

Harald Gugenberger will noch ein paar Jahre "Hoftheater"-Chef bleiben.
Harald Gugenberger erlag in der Nacht zum Freitag 61-jährig einer schweren Krebserkrankung.

Kurz vor seinem 62. Geburtstag hat Harald Gugenberger für immer seine Augen geschlossen. Der Waldviertler Theatermacher ist tot. In der Nacht zum Freitag erlag er einem schweren Krebsleiden. In Erinnerung bleibt er aber als genialer Vordenker, der sich vor drei Jahrzehnten mitten in einem verschlafenen Dorf im Waldviertel, das Pürbach heißt, seinen Lebenstraum erfüllte und Produzent für hochwertige Theaterkunst wurde. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr seines „Wald4tler Hoftheaters“ hat Gugenberger für immer die Bühne verlassen.

Als der gebürtige Linzer nach mehreren Jahren als Musiker und Fremdenführer in Spanien Mitte der 1980-er Jahre ins Waldviertel kam, hatte der gelernte Schuhmacher, der aufgrund seines grauen Lockenkopfs und seiner Statur oft mit Heini Staudinger verwechselt wurde, eine Vision. Ihm kam zwischen seinen Bandproben immer öfter der Gedanke, ein Theater genau dort zu eröffnen, wo die Hemmschwelle zur Kunst (damals) noch sehr hoch war. Qualitativ hochwertige Kultur sollte auch außerhalb der Ballungszentren konsumierbar sein. Gedacht, getan. Viel Idealismus und Privatvermögen investierte er in ein eigenes Hoftheater, das er vor 30 Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau Stella (2005 verstorben) in einem alten Bürgermeisterhof aus dem Jahr 1886 in Pürbach, Bezirk Gmünd, eröffnete.

Ganzjahresbetrieb

Was mit einem schmalen Bühnenprogramm begann, hat sich über die Jahre zu einem Ganzjahresbetrieb weiterentwickelt. An mehr als 120 Spieltagen pro Jahr zaubern zirka 100 Künstler aus ganz Europa Kleinkunst, Kabarett, Literatur und Musik auf die Bühne. Nicht nur deswegen ist aus dem ursprünglich belächelten „no-future“-Projekt im Grenzbezirk ein kulturelles Leitprojekt im Waldviertel geworden, sondern auch auf Grund der vielen Kooperationen mit namhaften Bühnen in Berlin, Wien und Zürich.

Gugenberger sah sein Hoftheater immer als Ort der Begegnungen, an dem echte Emotionen und spannende Geschichten erlebbar sein sollten. Er machte seine Arbeit aus Überzeugung und führte immer wieder selber Regie wie etwa bei „Der eingebildete Kranke“ (Moliere), „Frühere Verhältnisse“, „Der Zerissene“ (Nestroy) oder „Der Bär/ Der Heiratsantrag“ (Tschechow). Für seine Leistungen bekam er sowohl den Würdigungspreis des Landes NÖ für Kultur als auch den Preis der Waldviertel-Akademie für Verdienste um die Region verliehen.

Interview

„Das Schöne am Altwerden ist, dass ich niemandem mehr etwas beweisen muss. Ich kann so sein, wie ich bin und machen, worauf ich Lust habe“, sagte Gugenberger, als er anlässlich seines 60. Geburtstags dem KURIER ein ausführliches Interview gab. Sein damaliger Wunsch, das Hoftheater noch ein paar Jahre leiten zu können, wurde ihm leider nicht mehr lange erfüllt.

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