Aufregung um Plakat: Anzeige und Kritik an sexistischer Botschaft

Aufregung um Plakat Wewrbung für Boutique Krems…
Foto: Gilbert Weisbier Lehrerin Brunner-Fohrafellner analysiert das Plakat gemeinsam mit ihren Schülerinnen

Lehrerin verwendet Sujet als Negativbeispiel im Unterricht.

Manche schmunzeln nur, viele sind verärgert: Die aktuellen Werbeplakate eines Modegeschäfts in Krems regen auf. So sehr, dass eine Pädagogin sie im Unterricht zum Beispiel für sexistische Werbung macht. Der Unternehmer trägt es mit Humor: „Das war anders gemeint.“

Eine attraktive, junge Frau beugt sich über einen Schreibtisch. Ihre Jeans und ihr Slip sind bis zu den Knöcheln gerutscht. Dahinter steht ein bekleideter Mann, der sie entschlossen an der Schulter packt. Ein weiterer Mann steht im Hintergrund. Dazu der Text: „Was du heute kannst besorgen ... verschiebe nicht auf morgen.“

Machtlosigkeit

Darüber kann Andrea Brunner-Fohrafellner nicht lachen. Sie hat Anzeige erstattet. „Die Frau ist als Objekt dargestellt. Sie ist unbekleidet, was Macht- und Schutzlosigkeit symbolisiert. Ihr überraschter Gesichtsausdruck lässt vermuten, dass der Mann eine Handlung setzt, ohne die Frau vorher zu fragen. Dazu kommt, dass die beiden Männer südländischen Typs sind, die Frau aber blond und man damit das Klischee des heißblütigen, unbeherrschten Südländers bedient. Man spielt damit auch ausländerfeindlichen Tendenzen in die Hände, was so sicher nicht beabsichtigt war“, analysiert die Künstlerin und ergänzt: „Projekte zur Gewaltverminderung bei jungen Männern werden keine Auswirkungen haben, solange verachtende Darstellungen nicht geächtet werden.“ Sie hat das Thema mit einer Oberstufen-Mädchenklasse im Rahmen einer Bildanalyse bearbeitet. Nicht alle Schülerinnen stoßen sich daran. Mehrere finden aber, dass das Plakat klar sexistisch wirkt, sind unangenehm berührt. „Es wirkt, als ob eine Frau minderwertig wäre“, meint eine der Schülerinnen.

„Wir wollten nur signalisieren, dass der Kauf im Geschäft Vorteile gegenüber dem Internet-Kauf hat, weil man alles sofort bekommt“, erklärt Geschäftsinhaber Alexander Lengauer, der das Plakat selber erstellt hat.

Große Sorgen vor Verfolgung muss er allerdings trotz Anzeige nicht haben: Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit keinen Grund einzuschreiten.

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(kurier) Erstellt am