Verfassungsschutz ermittelt nach Faschingsumzug in NÖ

Faschingsumzug Maissau, Eklat bei Fschingsumzug, A…
Foto: /Privat "Shariah Police": Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz ermitteln.

In Maissau sorgte ein Umzugswagen mit Kennzeichen "Asyl 88" für Aufregung.


Das Lachen blieb den Organisatoren und vielen Besuchern des Faschingsumzugs in Maissau am Sonntag im Hals stecken. Denn unter die 33 originellen und lustigen Umzugswagen des traditionellen Narrentreibens hatte sich ein Wagen gemischt, der mittlerweile den Staatsanwalt sowie das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung auf den Plan gerufen hat.

Das Gefährt mit dem Namen "Shariah Police" trug nicht nur die Nummerntafel "Asyl 88" sondern auch zahllose geschmacklose Plakate mit Aufschriften wie "Islam verleiht Flügel" über der Darstellung gehängter Menschen. Montiert war das Schild auf eine Faymann-Puppe. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hat Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz sowie wegen des Tatbestands der Verhetzung aufgenommen. Der Betreiber des Wagens und Zeugen sollen in den kommenden Tagen einvernommen werden. Nach Abschluss der Ermittlungen werde der Fall der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht, so Roland Scherscher, Leiter des LV NÖ.

Faschingsumzug Maissau, Eklat bei Fschingsumzug, A… Foto: /Privat In Maissau ist man am Tag nach dem Vorfall um Schadensbegrenzung bemüht. "So ein Wagen ist absolut nicht in Ordnung", stellt der Obmann der Faschingsgilde, Michael Zellhofer, klar. Die teilnehmenden Gefährte würden vor dem Umzug jedoch nicht abgenommen. "Wir wissen nur den Titel, aber nicht wie der umgesetzt wird." Die betreffende Gruppe habe sich unter dem Titel "Maissau 2020" angemeldet. Die Gruppe sei den Organisatoren zwar aufgefallen, aber zu spät - erst während des Umzugs. "Ich habe nur gedacht: 'Oh mein Gott, das ist jetzt nicht wahr'", schildert Zellhofer. Um kein Aufsehen zu erregen, habe man sich entschieden, den Wagen nach dem Umzug unauffällig aus dem Verkehr zu ziehen. "Es hat auch keine unmittelbare Aufregung unter den Zuschauern gegeben."

Auch Bürgermeister Josef Klepp habe den Wagen erstmals von der Ehrentribüne aus gesehen. "Natürlich ist das nicht zu dulden", sagt er. "Es tut uns leid, dass der Wagen über das Ziel hinausgeschossen ist."

Mit der Gruppe soll nun ein Gespräch geführt werden. Zudem will die Faschingsgilde einen Verhaltenskodex erstellen und sich genauer über Themenwahl und Darstellung informieren. Neben der strafrechtlichen Komponente fürchten Gilde und Ortschef nun, dass der gesamte Umzug in schlechtem Licht dasteht. Dabei sei lediglich eine von 33 Gruppen negativ aufgefallen, wird betont.

Flüchtlingskrise als schlechter Faschingsgag in Hofamt Priel

Faschingsumzug Hofamt Priel Foto: Privat Auch im Bezirk Melk gab es Aufregung rund um einen Faschingsumzug. „Ich wollte“, sagt Maria Reichartzeder, „den Flüchtlingen eigentlich nur zeigen, wie fröhlich unser Land sein kann.“ Doch viel hatten Reichartzeder und ihre fünf ausländischen Begleiter beim Faschingsumzug in Hofamt Priel im Bezirk nicht zu lachen. Denn zwei Gruppen hatten sich ausgerechnet einem Thema angenommen, das seit Wochen für heftige Diskussionen in dem Ort sorgt: der Errichtung eines Asylquartiers in einem ehemaligen Gasthaus.

Fasching… Foto: /Privat Zu sehen bekamen Reichartzeder und die Flüchtlinge unter anderem eine Panzer-Attrappe mit der Aufschrift „Grenzschutz“, „Asylantin frisch aus dem Ysperbach“ und „Weins/Ysperdorf – Bagdad/Aleppo/Kabul Retour: 1 Euro, all ink“. „Wir waren schockiert“, erzählt die Mostviertlerin. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass auf dem Rücken der Ärmsten hier so ein Streit ausgetragen wird."

Bei Bürgermeister Friedrich Buchberger hingegen hält sich die Aufregung in Grenzen. „Mich regt das nicht sonderlich auf. Im Fasching ist halt auch vieles möglich.“

Was der Politiker aber noch nicht weiß ist, dass ihm in den kommenden Tagen ein Brief ins Haus flattern wird. Adi Mittendorfer, Chef der Faschingsgilden in  Österreich, hat sich die Bilder des Treibens ebenfalls angesehen. Er meint, dass mit der Panzer-Attrappe „eine Grenze überschritten worden ist“. „Wir werden dieser Faschingsgesellschaft einen Brief schicken, darin auf die Problematik dieser Umzugswägen extra hinweisen und eine Übernahme unserer „Benimmregeln“ anregen“, sagt er.

(Kurier) Erstellt am