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KURIER Romy 2014
Foto: Kurier

Letztes Update am 13.12.2012, 20:00

Schildkröten-Gehege: Arzt baut im Grünland. Weil ein Arzt exotische Schildkröten züchtet, gilt er als Landwirt. Er kann landwirtschaftliche Förderungen geltend machen.

Ist die Schildkröte, bekannterweise ein Reptil, ein landwirtschaftliches Nutztier – wie ein Schwein oder eine Kuh? Ja, wenn es nach dem Land Niederösterreich geht. Der Klosterneurburger Unfallchirurg Peter Valentin liegt deshalb mit der grünen Stadtpartei im Clinch.
Unfallchirurg Peter Valentin ist seit Jahren Schildkröten-Fan. Mittlerweile hält der 49-Jährige über 300 Tiere. Land- und Wasser, Sumpf- und Erdschildkröten. „Mein Schwerpunkt liegt auf den südostasiatischen Arten“, erzählt der Chirurg.

Valentin züchtet seine Schildkröten. Einen Teil verkauft er, einen Teil hält er selbst und einen dritten Teil verborgt er an Zoos oder „arterhaltende Projekte“. Einige seiner Tiere, erzählt Valentin, leben im Haus des Meeres, ein paar andere im Zoo in Rotterdam. Im Juli dieses Jahres begann der 49-Jährige, seinen Tieren ein Glashaus zu bauen. 500 groß, gut drei Meter hoch, Wirtschaftsgebäude inklusive. Allerdings baut er das Glashaus auf einen vom Stift Klosterneuburg gepachteten Acker, der als Grünland/Landwirtschaft gewidmet ist.


Landwirtschaft

Und genau das ist für die Grünen nicht tragbar. „Wir sehen das große Problem in den Baugründen“, sagt der Stadtrat der Grünen, Sepp Wimmer. Mittlerweile seien in der näheren Umgebung kaum noch bebaubare Immobilien frei. Indem die ÖVP auf traditionellen landwirtschaftlichem Flächen bauen lasse, schaffe sie ein „Schlupfloch“.

Dass Unfallchirurg Valentin auf dem Grünland ein Glashaus bauen darf, begründet die Baubehörde damit, dass Valentin einen landwirtschaftlichen Nutzen aus seinen Tieren zieht. Ausschlaggebender Punkt dafür: Die Zucht. „Wenn es danach gehen würde, müsste auch die Zucht von Kanarienvögeln einen landwirtschaftlichen Nutzen haben“, kontert der grüne Stadtrat Wimmer.

Förderungen

Mit der Entscheidung der Baubehörde führt Valentin nun einen landwirtschaftlichen Betrieb und könnte demnach sogar Förderungen geltend machen. „Bis jetzt habe ich noch nicht daran gedacht, aber die Bauernkammer hat mir versichert, dass das möglich ist.“ Valentin betont aber, der Bau sei nicht mithilfe von Fördergeldern entstanden.

Dass die Grünen der Bau im Grünland so stört, versteht der Mediziner nicht. „Es hatte alles eine sehr lange Anlaufzeit. Es gibt alle Gutachten und Stellungnahmen, bis hin zu den zuständigen Ministerien.“ Auch, dass sich die Partei erst während der Bauphase zu Wort meldet, ergibt für den Unfallchirurgen keinen Sinn. „Die Grünen hätten sich auch ja auch positiv bemerkbar machen können, in dem sie die Erhaltung seltener Arten unterstützen. Aber scheinbar gehen sie den österreichischen Weg: Sicherheitshalber dagegen sein.“

(KURIER) Erstellt am 13.12.2012, 20:00

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