Flüchtlingshel­fe­rin Maria Loley gestorben

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Foto: KURIER/Stefan Straka Loley auf einem Archivbild aus dem Jahr 2004.

Die Poysdorferin war 1995 Opfer des Briefbombers Franz Fuchs geworden. Sie starb heute mit 92 Jahren.

Maria Loley, Gründerin der "Bewegung Mitmensch - Flüchtlingshilfe Poysdorf", ist tot. Die 1924 geborene Flüchtlingshelferin ist laut Kathpress am Donnerstag im St. Vitusheim in Laa a.d. Thaya im 92. Lebensjahr friedlich eingeschlafen. Sie war am 16. Oktober 1995 am Postamt ihrer Weinviertler Heimatgemeinde eines der Opfer des Briefbombenattentäters Franz Fuchs geworden.

Kardinal Christoph Schönborn würdigte Loley als einen "Menschen, der für mich das Evangelium inkarniert hat - auch in seinem unerbittlichen Anspruch an die Menschlichkeit, mit dem sie ja bei manchen angeeckt ist". Auch Schönborn erinnerte in diesem Zusammenhang an das Briefbombenattentat vor mehr als 20 Jahren in Poysdorf. Die Weinviertlerin hatte sich seit 1945 in der Flüchtlingshilfe und engagiert und bis zuletzt dafür votiert, Menschen auf der Flucht eine besondere Zuwendung zukommen zu lassen.

"‘Flucht" ins Priesterseminar

Maria Loley sei "ein starker Bezugspunkt" gewesen, sagte Schönborn. Kennengelernt habe er sie Anfang der 1990er-Jahre, als ihre Flüchtlingsarbeit schon weithin bekannt war. "Ich durfte ihr einen diözesanen Orden verleihen und wusste noch nicht viel von ihr, außer dass sie in Poysdorf unter ziemlichem Widerstand ihr Flüchtlingswerk aufgebaut hatte."

Er erinnere sich auch "an die für uns so segensreichen Jahre, als Maria Loley nach ihrer ,Flucht' aus Poysdorf im Priesterseminar der Erzdiözese Schutz gesucht und gefunden hatte - sie ist dort vielen Seminaristen wie eine Mutter geworden", sagte der Kardinal. In diesen Jahren sei auch die große Entfaltung ihrer "Bewegung Mitmensch" gelungen.

Beeindruckt sei er davon gewesen, "wie Maria trotz des Alters und der Krankheit bis zum Schluss unermüdlich in ihrem Einsatz für die Menschen war", betonte Schönborn. Ununterbrochen habe bei ihr das Telefon geläutet, ständig sei sie im Austausch mit ihren Schützlingen, aber auch den vielen Helfern gewesen, die sich ihr angeschlossen und "ihr Werk weitergeführt haben und weiterführen werden". Dieses Hilfswerk sei in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise "voll gefordert und hochaktiv".

Auszeichnungen und Anschlag

Die gebürtige Poysdorferin Maria Loley war ausgebildete Fürsorgerin (heute“Sozialarbeiterin“ genannt) und bis 1975 in St. Johann im Pongau und Mistelbach tätig. Schon damals engagierte sie sich in der Flüchtlingshilfe. 1994 erhielt Loley den erstmals vergebenen Preis des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR). Ein Jahr später wurde sie mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für Menschenrechte ausgezeichnet und vom ORF-Landesstudio Niederösterreich zur "Frau des Jahres 1994" gewählt.

Am 16. Oktober 1995 wurde die Weinviertlerin ein Opfer einer Briefbombe von Franz Fuchs. Der Zeigefinger, den sie damals verloren hatte, gehe ihr manchmal ab, dem Attentäter habe sie aber verziehen, meinte sie einmal: "Jesus sagt sinngemäß, dass keiner sein Jünger sein kann, der nicht von Herzen seinem Bruder verzeiht." Anlässlich ihres 80. Geburtstags überreichte Kardinal Christoph Schönborn im Jahr 2004 den "Stephanusorden in Gold" an Maria Loley.

Die Erzdiözese Wien bezeichnete Loley in einer Aussendung auch als "Grande Dame" der österreichischen Flüchtlingshilfe. Das Begräbnis findet voraussichtlich am 12. Februar in Poysdorf (Bezirk Mistelbach) statt.

Helferin bis zum Schluss

"Der Tod von Maria Loley ist ein schwerer Verlust für alle, die sie gekannt haben", reagierte Franz Schneider, Obmann von "Bewegung Mitmensch - Hilfe für Menschen in Not", betroffen. Die Flüchtlingshelferin sei "ein großartiger Mensch" gewesen, "der sich bis zur letzten Minute aufgeopfert hat für andere. Selbst als sie schon im Altersheim war, hat sie noch ihre wenigen Kräfte dafür eingesetzt, anderen zu helfen", sagte Schneider.

"Im Stillen, keiner wusste davon, hat sie sich persönlich um Mitmenschen in Not gekümmert, alleinerziehende Frauen, Familien, Einheimische wie Zugewanderte, mit allem, was sie hatte, selbst mit ihren Ersparnissen. Bei Dingen, die sie selbst nicht mehr konnte, etwa beim Verfassen von Schriftstücken oder Behördenwegen, hat sie uns gebeten, ihr zu helfen. Aber Hilfe organisiert und Kontakte gepflegt hat sie stets selbst", erinnerte Schneider.

Auch bei der aktuellen Flüchtlingswelle habe Maria Loley immer wissen wollen, "was für die Menschen in Not getan wird, wie es mit Quartieren aussieht, und sich über unseren Mistelbacher Integrationsmarkt MIM gefreut. Sie hat uns immer ermutigt und uns ihre ganze Wertschätzung entgegengebracht. Dabei hat sie selbst damals bei der Bosnien-Krise weit Größeres geleistet, trotz Anfeindungen."

Maria Loley hinterlasse "eine große Lücke in unseren Reihen", betonte der Obmann. "Aber wir werden ihr Werk in ihrem Sinne mit aller Kraft weiterführen."

(APA / tan) Erstellt am
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