Bürger boykottieren Asylheim

Das Gasthaus war am Mittwoch bis auf den letzten Platz gefüllt
Platz für 20 Flüchtlinge, doch 350 Kritiker stellten sich gegen Vermieterin.

Das Gasthaus in Bernhardsthal, Bezirk Mistelbach, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Dicht gedrängt saßen und standen 350 Bürger. Das Thema der Versammlung: ein geplantes, privates Asylwerberheim für 15 bis 20 Flüchtlinge.

Seit vergangener Woche herrscht in der kleinen Gemeinde große Aufregung. Am Gemeindeamt sind mehrere Drohbriefe gegen die 43-jährige Vermieterin sowie Bürgermeister Alfred Ertl eingelangt. In den sozialen Medien äußerte sich eine Vielzahl von stark abwertend bis niveaulos.

Der Ortschef versuchte nun zu vermitteln. Peter Anerinhof, Leiter der nö. Flüchtlingshilfe, stellte sich Mittwochabend der Diskussion. Der Tenor der Bürger war jedoch von Anfang an ersichtlich: eine klare Ablehnung.

Die ungarische Wirtin, die selbst nicht einwandfrei Deutsch spricht, fürchtet um ihre Kundschaft. Ein anderer Bürger glaubt: "Unser Ort wird in einem Jahr nicht mehr derselbe sein." Eine Dritte fragt sich: "Können wir Frauen uns dann noch frei bewegen?" Mehrmals wurde die Vermieterin gedrängt, das Haus nicht freizugeben. Diese stellt jedoch klar: "Ich lasse mich nicht erpressen."

Bis zum Sommer 2014 hatte sie ihr Haus für eine Seniorenpflege genutzt. Wegen zu hoher Auflagen musste sie das Haus aber schließen. Zu Jahresbeginn wollte die 43-Jährige die Räume Asylwerbern zur Verfügung stellen. Ursprünglich waren bis zu 40 Plätze geplant. Mit der Gemeinde hat man sich nun auf bis zu 20 Personen geeinigt. Den Anwesenden ging es aber nicht um eine Zahl, sondern ums Prinzip.

Die Kritik an Ertl: Der Ortschef hat vor den Wahlen davon gewusst, die Bevölkerung aber nicht informiert. "Ich habe damit nicht ernsthaft gerechnet", erklärt Ertl. Erst mit der Einladung zur Versammlung letzte Woche wurde das Projekt öffentlich.

In Hainburg hingegen lief der Protest gegen ein geplantes Heim für 60 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus dem Ruder. Nachdem für Donnerstagabend eine Protestkundgebung zweier Gruppierungen angemeldet worden war, setzten auch die Befürworter des Projekts ein Zeichen und riefen zu einer Gegendemo auf.

Reißleine

Alle drei wurden jedoch kurzfristig abgesagt. Der Grund: Rechtsradikale Gruppierungen sollen im Internet ihr Kommen angesagt haben und auch die Antifa rief zur Teilnahme an der Gegendemo auf. Die Veranstalter der Protest-Kundgebung zogen die Reißleine. Bei derartigen Personen wollen sie nicht anstreifen. "Es ist für uns ein Riesenerfolg, dass wir den rassistischen Aufmarsch verhindert haben", sagt einer der Befürworter, die ihre Veranstaltung dann auch abbliesen.

Am Abend fand zudem das geplante Treffen zwischen Bürgermeister Josef Zeitelhofer und Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger statt, bei dem der Gemeinderat über die Pläne informiert wurde. "Wir sind über die Entwicklung in Hainburg schockiert. Ich glaube aber nicht, dass das die Grundhaltung der Niederösterreicher ist", sagt Hermann Priller, Büroleiter der Landesrätin.

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