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KURIER
Um 24 Millionen Euro wird die Sonnentherme saniert, nachdem die Privatisierung gescheitert ist und die landeseigene Wibag am Ruder bleibt - Foto: Claudia Koglbauer

Letztes Update am 29.04.2012, 19:14

Lutzmannsburg sucht Heil in Therme. Sechs von zehn Gemeindebürgern arbeiten im Tourismus. Ohne die Sonnentherme wäre es ziemlich finster.

Es ist ein strahlend schöner Frühlingstag , die Vögel zwitschern – doch die Straßen und Plätze in der 1100 Seelen-Gemeinde Lutzmannsburg sind fast menschenleer. Das ist höchst ungewöhnlich, denn während man in der Grenzgemeinde sonst scharenweise Touristen auf dem Weg zur Sonnentherme antrifft, wirkt die idyllische Ortschaft jetzt fast gespenstisch still. Nur hin und wieder fährt ein Lastwagen oder ein Traktor durch das Ortszentrum. Eine Wienerin, die in eine Pension spaziert, um ein Zimmer für ein Wochenende im Mai zu reservieren, ist fassungslos: "Was, die Therme ist zu?"

Lebensader

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Pensionsbetreiber Jürgen Rohrer ist überzeugt, dass die Therme für die ganze Region wichtig ist, aber er vermisst einen Masterplan. - Foto: Claudia Koglbauer

"Die Therme wird um 24 Millionen Euro ausgebaut und saniert", erklärt Jürgen Rohrer, Chef der Pension Apfelhof. Vor etwa zwei Wochen sind die Bagger aufgefahren, am 7. Juli soll Europas größte Baby- und Kindertherme in neuem Glanz erstrahlen. "Wenn die Therme zu ist, sieht man erst, wie es ohne sie wäre – es gäbe keine Arbeitsplätze, die Jungen würden sich hier nicht ansiedeln und die Lebensqualität würde sich für uns drastisch ändern. Schließlich haben wir bis zu 270.000 Übernachtungen pro Jahr", sinniert Rohrer. Er sei zwar überzeugt, dass die Therme einen Gewinn für die Betriebe in der ganzen Region bringe. Das belege auch eine Studie, sagt Rohrer. Etwas "Nachhaltiges, einen Masterplan für die Gemeinde", den Tourismus betreffend, das vermisse er aber.

Ins selbe Horn stößt auch Klaus Pacher. Er betreibt ein Wirtshaus mitten im Ort. Gäste aus der Therme kämen schon immer wieder in sein Gasthaus. "Aber die Gemeinde müsste ein Angebot für Touristen im Ort schaffen, damit mehr Gäste auch ins Dorf kommen", sagt Pacher. Doch dafür, so ist der Wirt überzeugt, würde das Geld fehlen. "Die Gemeinde hat Altlasten, etwa von den Renovierungen der Schule und des Kindergartens. Und jetzt ist gerade ein Hochwasser-Rückhaltebecken in Arbeit".

Ein Problem sei jedenfalls der Verkehr. "Wenn du mit Kindern über die Straße gehen willst, musst du fünf Minuten warten", sagt der Wirt.

Arbeitsplätze

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Mehr Angebote wünscht sich auch Wirt Klaus Pacher. - Foto: Claudia Koglbauer

Eine Gruppe junger Mütter hat es sich mit dem Nachwuchs am Dorfanger gemütlich gemacht. "Natürlich gibt es viel Verkehr im Ort. Für die, die vom Tourismus leben, ist das aber kein Problem. Andere sind halt nicht so begeistert", sagt eine Mutter. "Aber es ist super, dass wir die Therme hier in unser Nest bekommen haben", fügt sie hinzu. Sie selbst habe eine Privatpension, die ihr ermögliche, neben der Arbeit auch ihre zweieinhalbjährige Tochter zu Hause zu betreuen. "Es gibt einige, die wegen der Therme im Ort ihre Arbeit haben. Das ist schon ein großer Vorteil." Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung hat Arbeit im Tourismus- oder Dienstleistungsbereich im Ort.

Laut ÖVP-Bürgermeister Günther Toth werde über eine Umfahrungsstraße für den Thermenbereich verhandelt, die bis Ungarn führen soll. Dass es im Ort zu viel Verkehr gebe, störe nur Einzelne. "Wir haben jahrzehntelang am Eisernen Vorhang gelebt, jetzt haben wir offene Grenzen." Eine große Umfahrung sei derzeit kein Thema. Unterstützung gebe es für den Tourismus, so Toth. "Ein Leitsystem, das gleiche Bedingungen für alle Betriebe schafft, wäre gut. Da müssen wir noch verhandeln."

(kurier/Claudia Koglbauer) Erstellt am 25.04.2012, 22:16

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