Zur mobilen Ansicht wechseln »
Vor einem Jahr patrouillierte noch das Bundesheer in Deutschkreutz, nun wollen einige Bürger das befürchtete Sicherheitsmanko wettmachen.
Vor einem Jahr patrouillierte noch das Bundesheer in Deutschkreutz, nun wollen einige Bürger das befürchtete Sicherheitsmanko wettmachen. - Foto: CLAUDIA KOGLBAUER/Claudia Koglbauer

Letztes Update am 28.12.2012, 20:31

Beim Spazieren Diebe abschrecken. Vor einem Jahr wurde der Assistenzeinsatz beendet, nun gehen Bürger auf Patrouille.

Es ist finster, bitterkalt und langsam fängt es auch an zu schneien. Der Weihnachtsschmuck sorgt für festliche Beleuchtung der Straßen. Im Ortszentrum von Deutschkreutz haben sich Reinhold Klepeisz, Stefan Heinrich, Vizebürgermeister Robert Strobl  und zwei weitere Deutschkreutzer zusammengefunden. Gemeinsam will man durch die Straßen der Ortschaft spazieren. Es ist aber kein gemütlicher Winterspaziergang, den die Herren geplant haben.

Keine „Bürgerwehr“

"Bürgerwehr" in Deutschkreutz, Bürger patrouillier…
Foto: CLAUDIA KOGLBAUER/Claudia Koglbauer
„Es ist notwendig, dass wir durch die Straßen gehen. Die Bevölkerung fühlt sich verunsichert“, sagt einer der Männer. Nachdem vor einigen Wochen zwei Pkw mitten im Ortsgebiet gestohlen wurden, ist man zur Selbsthilfe geschritten. Eine Gruppe von zumindest elf Deutschkreutzern  macht sich abwechselnd etwa drei Mal pro Woche zu einem „nächtlichen Spaziergang“ auf. 


Als „Bürgerwehr“ will man den  Einsatz keinesfalls bezeichnen. „Das ist eine  lose Zusammenkunft von Gemeindebürgern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Deutschkreutz sicherer zu machen“, erklärt Reinhold Klepeisz.  Er ist im Brotberuf Polizist und  hat nebenbei eine Security-Firma. Er ist wie die anderen für Gottes Lohn oft die halbe Nacht auf den Straßen der Gemeinde unterwegs.  „Einbrüche sind seither nicht passiert“, sagt Klepeisz, der bereits Anfragen aus anderen Gemeinden  zu diesem „Projekt“ hat.
Früher streiften  an dieser Stelle  Assistenzsoldaten durch die   3100-Seelen-Grenzgemeinde.  Mittlerweile ist es ziemlich genau ein Jahr her, seit die Rekruten im Burgenland  für immer absalutiert haben.  Sehr zum Leidwesen so mancher Gemeindevertreter. „Es ist klar, dass die Einbrüche mehr geworden sind. Als es  noch den Assistenzeinsatz gegeben hat, war es besser“, sagt Johann Balogh, SP-Bürgermeister der Deutschkreutzer Nachbargemeinde Nikitsch.

Für Landeshauptmann Hans Niessl, SPÖ, haben sich „alle Befürchtungen mit Beendigung des Assistenzeinsatzes“ bestätigt.  Er habe immer betont, dass das Bundesheer nicht nur für die Sicherheit, sondern auch für das subjektive Sicherheitsempfinden notwendig wäre. Doch die damalige Innenministerin Maria Fekter habe seine Forderungen „als Show“ abgetan. Erst Innenministerin Johanna Mikl-Leitner habe die Probleme erkannt und die erforderlichen Maßnahmen gesetzt.

Sicheres Bundesland

Der Landeshauptmann  baut zudem auf Nachbarschaftshilfe. Bereits 2009 rief  er  den  gleichnamigen Verein ins Leben. Der Gedanke, dass Bürger  „mit offenen Augen durch die Ortschaften gehen“, war schnell wieder vom Tisch. „Private Sheriffs“ würden nichts bringen, sagt  der Obmann des  Vereins, Jürgen Karall. Er selbst hat im Rahmen seiner Tätigkeit als Referatsleiter für  Gemeinde- und Sicherheitswesen an der BH Oberpullendorf 14 Jahre lang den Assistenzeinsatz im Bezirk koordiniert. „Ich bin  ein Verfechter der uniformierten Augenpaare“, sagt Karall. 

Das Burgenland ist nach wie vor eines der sichersten Bundesländer. Dass die Kriminalitätsrate mit Ende des Assistenzeinsatzes gestiegen wäre, kann Landespolizeidirektor Hans-Peter Doskozil nicht sagen: „Wenn man die nackten Zahlen anschaut, war die Situation vor zehn Jahren schlechter“. Der einzige Bereich, welcher der Polizei Sorgen bereite, sei die Zunahme von Einbruchsdiebstählen in Keller und Nebengebäude. Ab Jänner soll  die Polizei durch Gespräche in den Gemeinden eruieren, wo der Schuh drückt.

Nachbarschaftshilfe auf Vereinsbasis

Der Verein „Nachbarschaftshilfe“ wurde im Jahr 2009 auf Initiative von Landeshauptmann Hans Niessl gegründet.  Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das  Burgenland sicherer zu machen. Zudem soll das subjektive Sicherheitsgefühl der Burgenländer  gestärkt werden. Dazu arbeitet der Verein eng mit der Polizei zusammen.  

Jürgen Karall, Obmann VereinNachbarschaftshilfe, B…
Foto: CLAUDIA KOGLBAUER/Claudia Koglbauer
„Wir werden auch regelmäßig von Gemeinden kontaktiert, wenn es ein Problem oder Fragen zum Thema Sicherheit oder Katastrophenschutz gibt“, erklärt der Obmann des Vereins, Jürgen Karall.   Ziel sei es, allen „schnell und kompetent Hilfe zukommen zu lassen“.

Als Grundlage für die Erstellung einer Sicherheitsstrategie des Landes Burgenland wurde nun auch  eine Befragung zu den Themen Sicherheit und Katastrophenschutz erstellt. Fazit: Die Probleme, die  befragte Burgenländer spontan am häufigsten genannt haben, sind Einbruch (18 Prozent der Befragten), gefolgt von Grenzöffnung (17 Prozent) und mangelnder Grenzsicherheit (rund 10 Prozent).
Dass die  Kriminalstatistik  entgegengesetzt zum  subjektiven Sicherheitsempfinden der Bevölkerung stehe, weiß Karall: „Die Leute fühlen sich unsicherer, als es im Land tatsächlich ist.“

Mit dem Innenministerium gebe es auch eine „super Partnerschaft“, sagt Karall. Im November unterzeichneten Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptmann Hans Niessl und Landesvize Franz Steindl eine neue Sicherheitspartnerschaft, die ein Sieben-Punkte-Programm für das Burgenland enthält. Dazu zählt das  Projekt „Sichere Gemeinde“, das  eine Internetplattform vorsieht, die sich als Schnittstelle zwischen Gemeinden, Sicherheitsbehörden und Bevölkerung versteht. Außerdem soll auch der „Dorfpolizist“ als Ansprechpartner und Vertrauensperson  zum Einsatz kommen.

Informationen: www.sicherimburgenland.at

(KURIER) Erstellt am 28.12.2012, 20:31


Diskussion

Kommentare aktualisieren
Bitte Javascript aktivieren!