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KURIER
Irgendwie sind Didi Kühbauer und Franz Sauerzopf seelenverwandt. Ihre Vergleiche machen sie auch sicher. - Foto: georg gesellmann

Letztes Update am 10.06.2012, 08:19

Der SV Mattersburg ist 90 . Zum runden Geburtstag des SVM gibt es keine Feiern, aber einen Gedankenaustausch zwischen zwei erfolgreichen Mattersburgern.

Der SV Mattersburg ist heute auf den Tag genau 90 Jahre alt. Anlass genug mit Ex-Politiker Franz Sauerzopf und dem Ex-Kicker  und Trainer Didi Kühbauer über die Zukunft des Vereins, VIP-Karten und Politik zu plaudern.

KURIER: Herr Doktor Sauerzopf, wann waren Sie das letzte Mal im Pappelstadion?

Sauerzopf: Das war voriges Jahr. Das Spiel war relativ fad, ich weiß auch nicht mehr wer der  Gegner war. Nach der Halbzeit  bin ich ins VIP-Zelt gegangen. Auf der Ehrentribüne hat mir die Stimmung nicht zugesagt. Die Emotionen hielten sich dort in Grenzen.

Apropos Emotionen: Wie wichtig sind bzw. waren Emotionen in Ihrem Geschäft?

Kühbauer:  Ein emotionsgeladener Spieler wird immer besser rüber kommen als ein introvertierter. Auch dann, wenn beide gleich gut sind.  Meine Spieler zum Beispiel sind relativ  brav. Aber sie sollen so sein, wie sie sind. Dann sind sie am  besten. Ich will keinen Spieler, der seine Aufgabe für mich tut. Sie sollen ihre Emotionen ausleben, aber: Sie sollen in Bahnen bleiben. Ich weiß, wovon ich  spreche. Ich bezahlte genug aufgrund meiner Meldungen. Dennoch werde ich meinen Spielern nicht vorschreiben, wie sie sich am Platz benehmen sollen.

Sauerzopf: Das ist in der Politik nicht viel anders. Ich sage immer: Professoren taugen nichts. Politiker und Fußballer sind verwandt. Der Fußballer muss in der Masse akzeptiert werden und auch der Politiker.

Wenn wir schon dabei sind, wo gibt es mehr Freunde, in der Partei oder im Verein?

Sauerzopf: Im Fußball, davon bin ich überzeugt. Der Fußballer ist für den Fußball. Die Politiker sind für eine momentane Stimmung. Sie sollten ein Gesamtinteresse haben, das ist nicht vorhanden.

Kühbauer: Mir kommt vor, dass in der Politik jeder mitreden will. Im Fußball  haben wir auch genug Teamchefs, aber man sollte unterscheiden zwischen Sympathien und worum es im Leben wirklich geht. Und eines darf man nicht vergessen: Ihre Zunft, der Journalismus, trägt nicht unbedingt zum Guten bei.

Sauerzopf: Das habe ich in der Berichterstattung über den  WBO-Skandal (1982, Anm.,) erlebt. Es wurde einfach geschrieben, was man wollte.  Ich würde in einer Villa im Grünen sitzen, hat es geheißen. Na, habe die Ehre.

Kühbauer: Oft geht es den Journalisten nicht um die Sache, sondern sie wollen ein Problem aufziehen. Ich habe keinen Haus- und Hofschreiber. Ich brauch’ auch keinen. Wenn etwas schlecht ist, dann muss er nicht Gutes schreiben. Ich will das nicht. Er soll mich so beurteilen wie ich bin, an meiner  Arbeit messen.

Wo verdient man sich das Brot schwerer, in der Politik oder im Fußball?

Sauerzopf: Wenn du in der Politik ehrlich bist, dann verdienst du einen Schmarrn. Und Dank? Nur ein kleines Beispiel: Einer, der jetzt in einer führenden Position sitzt,  dem ich eigentlich sämtliche Möglichkeiten geschaffen habe, hat es nicht der Mühe Wert gefunden, mir zum 80. Geburtstag (17. Mai, Anm.,) zu gratulieren.

Kühbauer: Ich wollte kein Politiker sein. Dank erhalten sie sowieso keinen. An der letzten Tat werden sie gemessen, wenn diese schlecht war, sind sie weg vom Fenster, an  gute Dinge erinnert man sich nicht. Aber das ist im Fußball nicht anders. Wobei ich schon sagen muss: Den Politikern geht es auch um  Macht.

georg gesellmannkühbauer mit zeuugwart aus mattersburg
Foto: georg gesellmann

Kommen wir zu etwas anderem: Wie viele Eigentore haben Sie schon geschossen?

Sauerzopf: Einige. Aber mein größtes Eigentor war, dass ich Ernst Rauchwarter (WBO-Skandal, Anm.,) nicht gleich durchschaut habe.

Kühbauer: Am Platz nicht. Aber sonst, na ja. Ich hab’ genügend Blödheiten gemacht. Um diese zu erzählen, da würde die Zeit  nicht reichen.

Sollten Politiker VIP-Karten bezahlen?

Sauerzopf: Ich habe meine zurückgelegt. Wenn ich eine will, dann kaufe ich eine.

Kühbauer: Wenn ich schon so tue wie wenn, dann sollte man  sie bezahlen. Denn es gibt genug Arbeiter, die sich  die VIP-Karte vom Mund  absparen  und sie sich trotzdem leisten.

Wie soll es mit dem SV Mattersburg weitergehen?

Kühbauer: Das, was hier in Mattersburg entstanden ist, da muss man den Hut ziehen. Mit der Fußballakademie  haben sie sich ein Denkmal gesetzt. Da hat sich der Martin (Pucher, Obmann des SVM, Anm.,) voll für die Jugend, für das Burgenland, hineingeschmissen. Und: Es ist nicht selbstverständlich, dass ein kleiner Ort wie Mattersburg seit neun Jahren in der Bundesliga spielt. Doch so realistisch muss man sein, diesen Level  Jahre zu halten, teilweise vorne mitzuspielen, ist nicht möglich. Aber absteigen wird Mattersburg – im nächsten Jahr zumindest – nicht.

Sauerzopf: Es kann nicht das Ziel sein, froh zu sein, nicht abzusteigen.  Wobei, der Pucher hat Professionalität nach Mattersburg gebracht. Möglichkeiten sind ja durch die Fußballakademie  gegeben.

Herr Doktor Sauerzopf, sollte Didi Kühbauer einmal Mattersburg trainieren?

Sauerzopf: Das war von Haus aus mein Wunsch. Aber der Prophet im eigenen Land zählt nicht.

Kühbauer: Das ist definitiv so. Ich kann mir aber alles vorstellen, auch einmal Trainer von Mattersburg zu sein. Aber auch von Sturm Graz, Rapid ...

Sauerzopf: Aber ich glaub’, für ihn persönlich ist es jetzt besser die Admira zu trainieren. Und für den Ruf von Mattersburg erreicht Didi Kühbauer mehr, wenn er bei der Admira erfolgreicher Trainer ist.

Meine Herren, wer wird Europameister?

Kühbauer: Ich glaube, dass Spanien die größten Möglichkeiten hat. Aber sicher bin ich mir nicht, weil die Dichte  sehr groß ist.

Sauerzopf: Die Deutschen werden unterschätzt und deshalb glaube ich, dass sie Europameister werden.

georg gesellmannsv mattersburg
Foto: georg gesellmann

Geschichte: Seit neun Jahren Bundesligareife Der Fußballsport kam über Studenten 1912 nach Mattersburg. Den entscheidenden Ausgangspunkt zur Gründung eines eigenen Vereins gab die Familie Sieber, die 1919 von Wien nach Mattersburg zog. Deren Söhne spielten in Wien bereits in Vereinen Fußball. Am 10. Juni 1922 wurde die Sportvereinigung Mattersburg (heute Sportverein) ins Leben gerufen, die Vereinsfarben wurden mit Grün-Weiß festgelegt. Seit 1952 werden  die Spiele im Pappelstadion ausgetragen.

1965 hatten die pannonischen Grün-Weißen die große Chance  als erster burgenländischer Verein überhaupt in die erstklassige Nationalliga aufzusteigen. Der ASV Siegendorf vermasselte dies durch ein Remis. Von Schiebung war die Rede.

Bedingt durch   finanzielle Probleme stieg der SVM 1968  freiwillig von der Regionalliga in die Landesliga ab. Spätestens seit dem Abstieg 1987 in die  2. Liga Mitte drohte dem einst führenden Klub des Landes der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.  Nach Amtsantritt von Obmann Martin Pucher kam es zu einem  Aufschwung. Seit  2003 spielt der SVM in der Bundesliga. Trainer ist der  Mattersburger Franz Lederer.

(kurier/Georg Gesellmann (Text und Bilder)) Erstellt am 09.06.2012, 21:19

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