Xavier Naidoo steigt auf die Barrikaden

Xavier Naidoo gibt sich kämpferisch in „Barrikaden von Eden“, der neuen CD seiner Söhne Mannheims, belässt es aber diesmal nicht bei Parolen.
Foto: apa

Xavier Naidoo gibt sich kämpferisch und klagt unter anderem Horst Köhler. Warum, besingt er mit den Söhnen Mannheims.

Aufstehen und Nein sagen! Das ist das Motto, das sich wie ein roter Faden durch "Barrikaden von Eden", die neue CD der Söhne Mannheims, zieht. Und diesmal belässt Xavier Naidoo, Gründer des 14-köpfigen Musiker-Kollektivs es nicht bei Lippenbekenntnissen und gesanglichen Aufrufen zu Zivilcourage und Aktivität: "Ich habe ein paar ehemalige Regierungsmitglieder wegen Hochverrats geklagt", sagt der 40-Jährige im KURIER-Interview. "Da bin ich zwar erstmal abgewiesen worden, klage aber weiter." Auslöser für das Einbringen der Strafanzeigen war der Bankenkollaps und dass das Finanzsystem trotzdem wie eh und je weiter betrieben werde. Sowie die Frage: Woher kommen die Milliarden, mit der Volkswirtschaften gerettet werden, wenn für die Behebung anderer Probleme kein Geld da ist?

Rücktritt

"Ich habe recherchiert und Anwälte bemüht, um zu sehen, was möglich ist", erklärt Naidoo. "Denn oftmals lassen die Gesetze solche Klagen nicht zu, weil die Staaten die Verantwortlichen schützen wollen."
Unter den von Naidoo Geklagten war auch der ehemalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler. "Bei ihm ging es darum, dass er der maßgebliche Finanzreferent war, Deutschland in die Währungsunion und die EU gebracht hat, dafür aber kein Mandat des eigentlichen Souveräns, nämlich des Volkes, hatte. Ein paar Tage nach meiner Klage ist er zurückgetreten. Ich dachte, wow - was für ein krasser Zufall!" Aber selbst wenn es da keinen Zusammenhang gibt - Naidoo ist überzeugt, dass man "heute im Sinne von Gerechtigkeit und Fairness zum Äußersten gehen muss". Er fragt sich in der Single "Ist es wahr", ob das Volk nicht zu lethargisch ist.
"Natürlich hat nicht jeder den finanziellen Background, so eine Klage zu tragen, aber man kann ja auch anders den Unmut äußern, Petitionen schreiben, auf die Straße gehen, übers Internet Flashmobs organisieren."

Gezwungen

Ähnlich kämpferisch zeigen sich die Söhne Mannheims auch in dem Song "Kill All Psychopaths". Da geht es darum, wie die Gesellschaft mit Leuten wie Hitler oder Osama Bin Laden umgehen soll. Allerdings meint Naidoo das Morden nicht wörtlich.
"Auslöser für den Song war ein Artikel von einem Soziologen", erzählt Naidoo. "Der hat darin recht schlüssig argumentiert: Die meisten Errungenschaften unserer Gesellschaft fußen darauf, dass Psychopathen uns dazu gezwungen haben, es so zu machen. Mit ,Kill All Psychopaths' meine ich aber nur die geistige Einstellung: Unser Geist muss stärker sein als der von Leuten, die keine Liebe empfinden und keine normalen Gefühle für ihre Mitmenschen haben können. Wir dürfen solchen Psychopathen nicht den Raum geben, sich zu entfalten."

Die Söhne Mannheims auf Tournee:

11.9. Graz/Messehalle
12.9. Innsbruck/Hafen
19.11. Wien/Stadthalle
Karten gibt es unter 01/96 0 96 oder www.oeticket.com

(KURIER) Erstellt am
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