Kunst aus dem Automaten

Das KunstHausWien zeigt, wie der Fotoautomat seit seiner Einführung Ende der 1920er Künstler und Amateure begeisterte.

Hinter dem Vorhang verschwinden, das eigene Spiegelbild betrachten, Grimassen schneiden, bis es "klick" macht: Die Lust am Spiel mit dem Passbildautomaten hat immer wieder auch Künstlerinnen und Künstler gepackt (hier: Franco Vaccari, Esposizione in tempo reale num.4, 1972). Das KunstHausWien gibt bis zum 13. Jänner 2013 einen faszinierenden Einblick in die Automaten-Ästhetik. Die ersten, die nach der Einführung der ersten Fotoautomaten Ende der 1920er begeistert die Boxen aufsuchten, waren Surrealisten wie Yves Tanguy (Bild). Die Bildmaschine kam ihrer Idee, derzufolge "automatisches Schreiben" Unbewusstes offenbart, entgegen. Später  nutzte unter anderen der Künstler Arnulf Rainer den Automaten für Grimassen-Fotos, die sich gegen die Normen des "Normalen" und "Angepassten" auflehnten. (Bild: ca. 1969) Andy Warhol, der auch wie besessen mit Polaroid-Kameras knipste, nutzte Bilder aus dem Automaten als Vorlage für seine Siebdrucke (Bild: "Bobby Short", 1963) Noch bevor US-Künstlerin Cindy Sherman mit ihren nachgestellten Film-Standbildern zum Star der künstlerischen Selbstinszenierung wurde, nutzte sie das Passbild-Format für ihre Maskeraden: "Untitled (Lucille Ball)", 1975 Ab den 1990er Jahre verschwanden analoge Fotoautomaten zunehmend und wurden zum kuriosen Retro-Objekt (anbei ein Bild aus "Wetten-Dass" vom 9.12.1989, nicht in der Schau). Auch Künstler erkannten die nostalgische Qualität der Automaten-Bilder. So bastelt der Deutsche Jan Wenzel etwa imaginäre Räume zusammen, indem er genau abgestimmte Bildelemente nacheinander vor die Linse eines alten Automaten hält. ("Bastler II", 2000) Die Britin Gillian Wearing wiederum rekonstruiert Bilder aus alten Familien-Alben: 2003 inszenierte sie ein Automaten-Foto, das sie als 17-Jährige zeigt, neu. Wearing war zu diesem Zeitpunkt schon 40 Jahre alt. So weht auch ein wenig Wehmut über den Verlust der guten alten Technologie durch die Ausstellung. Bei einem extra aufgestellten Automaten kann man allerdings selbst aktiv werden - und Bilder zu einem Wettbewerb einreichen. (Bild: Thomas Ruff, "Porträt (Petra Lappat)", 1987) INFO: Von 10. Oktober 2012 bis 13. Jänner 2013 gewährt das KunstHausWien mit der Ausstellung "Foto-Automaten-Kunst" einen umfassenden Einblick in die "Ästhetik hinter dem Vorhang". Ausgestellt werden mehr als 300 Exponate von rund 60 Künstlern.(Bild: Susan Hiller)
(kurier) Erstellt am
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