Kostümtrend in der Faschingszeit

THEMENBILD: FASCHING / MORPHSUITS
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER In einem Morphsuit erregt man Aufmerksamkeit.

Morphsuits als Kostümtrend in der Faschingszeit: Durch die hautengen Anzüge bleiben Träger unerkannt.

Sehen, aber nicht gesehen werden", das ist die Devise bei den sogenannten "Morphsuits". Die Ganzkörperanzüge in verschiedenen knalligen Farben und Motiven sind die größte Neuheit unter den Kostümtrends in diesem Fasching. Das zumindest hat man beim Wiener Kostümgeschäft "Faschingsprinz" an der Taborstraße in der Leopoldstadt bisher beobachtet. Diese "zweite Haut" aus dehnbarem Material verhüllt den Körper komplett, der Träger bleibt unerkannt. Der Kostümierte selbst kann durch den Anzug hindurch angeblich ganz normal atmen, sehen und sogar trinken. Lediglich zum Essen oder Rauchen muss die Kopfhaube hochgezogen werden.

Ganzkörperkostüm für Mutige

Die hautengen Anzüge sind in diversen Farben und Designs erhältlich.  Anfangs erfreuten sie sich vor allem auf Festivals großer Beliebtheit. "Morphsuits erregen Aufmerksamkeit, es ist lustig. Man kann aus sich herausgehen und bleibt dabei anonym. Diese Möglichkeit spielt eine wichtige Rolle beim Kauf eines Morphsuits", erzählt Dominik Kratzenberg, Verkäufer im Pop Shop in der Stiegengasse 16 in Wien-Mariahilf.

Der Morphsuit im Selbsttest

Hauteng, stickig, schrill – Morphsuits. Ein neuer Trend erobert die Welt. Der KURIER machte den Selbsttest und schlüpfte in die "zweite Haut". Aller Anfang ist schwer: Nicht gerade einfach kommt man mit den Beinen in den ungewohnt engen Nylon-Anzug. Ist der Unterleib erstmal im Kostüm, hat man das Gröbste überstanden. Nachdem man sich den Anzug über Oberkörper und Kopf gezogen hat, wird zumindest eine weitere Person benötigt, um ihn am Rücken vollständig zu verschließen. In der üblichen Bekleidungsindustrie würde das Modell Morphsuit wohl als Musterprodukt der Kategorie "Slim Fit" laufen. Im hautengen Anzug liegen Assoziationen mit den Power Rangers, Heldenfiguren der 90er-Jahre, nahe.  Der Hersteller wirbt in der Produktbeschreibung damit, Morphsuits seien "atmungsaktiv" und ermög­lichen problemloses Trinken. Während man relativ gut durch das Material durchsieht, fällt einem das Atmen auf längere Zeit allerdings schwer. Das Trinkvermögen ist anders als beschrieben ebenfalls etwas beschwerlich.
  Um die Reaktionen der Mitmenschen auf den neuen Trend auszuloten, geht’s in einem roten Morphsuit auf die Straße. Das Ergebnis: Ob Mann oder Frau, jung oder alt, mit diesem Produkt ist man ein Eye-Catcher. Mit dem Morphsuit ist einem die geballte Aufmerksamkeit sicher – für das Versuchskaninchen "etwas unangenehm, weil der Anzug doch relativ körperbetont anliegt". Zumindest zaubert das bunte Kostüm Passanten ein Lächeln ins Gesicht. Ob aus Belustigung oder aus Begeisterung, bleibt unklar. Auf jeden Fall wird man mit einem Morphsuit zu einem beliebten Objekt – für die Kamera. "Dürfte ich vielleicht ein Foto mit dir machen?", hört man quasi an jeder Ecke. Für Schwitzer ist der hautenge Morphsuit sicher nichts. 15 Minuten Spazieren auf der Mariahilfer Straße bei gut 30 Grad Celsius lassen daran keine Zweifel. Im Winter ist hingegen Kälte ein Problem. Jedoch ist das der Preis, den man für eine lustigere Version seiner selbst bei gleichzeitiger Anonymität gerne zahlt. Und je ausgefallener der Auftritt im Morphsuit, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, im Internet Berühmtheit zu erlangen.

Kostüm-Klassiker

Die Klassiker unter den Faschingskostümen wie Cowboy, Polizist oder Pirat werden aber trotzdem nicht verdrängt werden, meinte man beim Wiener Faschingsausstatter "Jux Witte" an der Linken Wienzeile. "Die traditionellen Kostüme sind immer beliebt - bei jung und alt." Das bestätigte auch Andy Wankmüller vom "Kostümverleih Wankmüller" in Klagenfurt. Dies sei auch ein deutlicher Unterschied zum Halloween-Geschäft: "Da suchen die Leute eher grauslige Kostüme."

Neben den altbekannten Verkleidungen seien bei Kindern laut "Faschingsprinz" vor allem "Star Wars"- und Superheldenkostüme sehr beliebt. Bei Erwachsenen ginge der Trend in den vergangenen Jahren vermehrt hin zu nostalgischen Outfits aus den 70er, 30er und 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ebenfalls beliebt seien Motto-oder Themen-Partys, bei denen die Gäste ihre Verkleidung an die Veranstaltung anpassen, so Wankmüller.

Die Lust am Fasching ließen sich die Wiener anscheinend auch von Euro- und Finanzkrise nicht verderben. So berichten die Wiener Kostümgeschäfte einhellig, dass das Geschäft mit der lustigen Zeit in den vergangenen Jahren konstant geblieben sei. Wankmüller verzeichnete hingegen einen leichten Umsatzrückgang im Fasching. Dafür würden Themen-Partys mit Verkleidungen auch das Jahr über stärker zunehmen.

Links: Faschingsprinz, Jux Witte, Pop Shop

(KURIER, apa / Marco Weise, Martin Adrowitzer) Erstellt am
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