Die Lieblingssongs der "bösen Buben"

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Foto: AP/Anonymous Tupac Shakur belegt Platz 1 der britischen "Häfn-Charts".

Von Rihanna bis UB40 - das hören die "schweren Jungs" in britischen Gefängnissen.

Glaubt man den Klischees aus Film und Fernsehen, hören die Insassen von Gefängnissen ausschließlich harte Raps und schwere Gitarren. Stimmt, aber nicht nur. Das britische National Prison Radio (Nationales Gefängnis Radio) veröffentlichte vor kurzem die Top 20 der meist gehörten Songs hinter den schwedischen Gardinen auf der Insel.

Auf Platz 1 findet sich Tupac Shakur. Der amerikanische Rapper gilt für viele noch immer als der "Messias des HipHop", obwohl er bereits 1996 erschossen wurde.

Den zweiten Platz belegt mit Vybz Kartel ein in unseren Breitengraden eher unbekannter Dancehall-Künstler aus Jamaika. Ein unbeschriebenes Blatt ist der 36-jährige aber nicht. Seit 1. Oktober 2011 sitzt er selbst in einer kleinen Zelle - wegen Marihuana-Besitz wurde er damals in Kingston festgenommen. Zusätzlich läuft auch noch ein Verfahren wegen der Beteiligung an zwei Morden gegen ihn.

K Koke, ein junger britischer Rapper, belegt Platz 3 der "Häfn-Charts" - obwohl er bisher nur zwei Singles und ein paar Mixtapes veröffentlichte. Sein Debütalbum soll in diesem Jahr folgen. 2011 saß er ebenfalls selbst sieben Monate ab. Gemeinsam mit vier weiteren Jugendlichen wurde er wegen versuchten Mordes vor Gericht gestellt.

Auf Platz 4 landete mit Rihanna der erste große Popstar in den Charts der schweren Jungs.

Ein ehemaliger Duettpartner von Rihanna darf es sich auf Platz 5 gemütlich machen - der Kanadische Sänger Drake wird anscheinend von den Männern hinter Gittern ebenfalls geliebt.

Auf dem sechsten Platz steht mit Akon erneut eine HipHop-Größe.

Schwere Gitarren für schwere Jungs: Metallica dürfen sich über Platz 7 freuen. Für den Videodreh zu ihrem Song "St. Anger" besuchte die Band selbst das bekannte San Quentin-Gefängnis.

Die legendäre britische Band Pink Floyd landete auf Platz 8 dieser speziellen Charts. Die Insassen zählen wahrscheinlich jeden Tag "another brick in the wall."

The Notoriorious B.I.G. alias Biggy Smalls belegt Platz 9. Neben Tupac Shakur war Biggy Smalls einer der bedeutendsten Rapper der 90er-Jahre. Gerade in dieser Zeit fand der "Krieg" zwischen den West- und der East-Coast-Rappern ihren traurigen Höhepunkt. Nach dem Tod von Shakur soll Biggy als Rache von jemandem aus dem Umfeld von 2Pac erschossen worden sein - die genauen Umstände der Tat und die Identität des Täters wurden nie ermittelt.

Vervollständigt werden die Top 10 vom jamaikanischem Reggae-Sänger Gyptian.

Die weiteren Plätze


In den Plätzen von 11 bis 20 tummeln sich gar sanfte Reggae-Klänge von UB40 und Bob Marley.:

Platz 11: Jah Cure

Platz 12: Slipknot

Platz 13: UB40

Platz 14: Bob Marley

Platz 15: Lil Wayne

Platz 16: Eminem

Platz 17: Evanescence

Platz 18: Mavado

Platz 19: Devlin

Platz 20: Giggs

Häfn-Tattoos: "Fürs Leben gezeichnet"

Verwaschene Tattoos, Kunstwerke auf der Haut von Gefängnisinsassen. Rund 150 Häftlinge und ihre Tätowierungen hat Klaus Pichler in den letzten sechs Jahren porträtiert. Damit gibt sein Bildband "Fürs Leben gezeichnet" einen Einblick in die Motive der Gefängnistätowierungen und die Hintergründe der eigentlich verbotenen Kunst. Bild:Das wohl bekannteste Gefängnistattoo: Die drei Punkte zwischen Zeigefinger und Daumen. Sie stehen für die "Drei Affen"- nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Info:Die "Drei Affen" haben ihren Ursprung in einem japanischen Sprichwort. Dort stehen sie für den Umgang mit Schlechtem: "nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen". Im  8. Jahrhundert fand es seinen Weg über Indien und China in den Rest der Welt. Das Gefängnis ist für Außenstehende eine uneinsehbare Welt. In Reportagen sieht man hauptsächlich die TV-Geräte, rauchende Häftlinge, Sporträume und das tägliche Essen. Selten jedoch das soziale Leben innerhalb einer Anstalt und die Interaktion bzw. Kommunikation zwischen den Insassen. In einem Leben der - meistens verdienten - Unfreiheit, ist der eigene Körper und die eigene Haut das Einzige, über das sie selbst verfügen können. Tätowierungen haben in der Menschheitsgeschichte eine lange Tradition. Sind sie heute in der Gesellschaft weitestgehend akzeptiert und teilweise schon zu einem modisches Accessoire bzw. ein Must-Have geworden, wurden sie in Europa bis in die späten 1980er Jahre mit Argwohn betrachtet. Bis zu dieser Zeit waren Tätowierungen der Körperschmuck von Seemännern und Häftlingen. Gerade in den Gefängnissen hatten die "Peckerl" eine Vielzahl von Bedeutungen, Hintergründe und Funktionen für den Alltag hinter schwedischen Gardinen. Zum Teil sind sie "Geheimzeichen", die die Zugehörigkeit zur Gefängnisgesellschaft besiegelten und nur von Eingeweihten entschlüsselt werden konnten. Gleichzeitig ist eine Gefängnistätowierung ... ... eine bewusste Stigmatisierung, die auch in die Zeit nach der Haft wirkt. Durch die farbigen Zeichen ständig als Kriminelle erkannt haben sie Probleme auf dem Arbeitsmarkt und verzichten somit auf die bürgerliche Existenz in Freiheit. Beeindruckend für den Fotografen Klaus Pichler waren die Tätowierungen, bei denen es eine Metaebene gab, "die auf die seelischen Qualen des Trägers hindeuten." Für ihn sind es auch oft "nicht die großen, schön gestochenen Motive, sondern die kleinen, unauffälligen, hinter denen am meisten Bedeutung steckt." In seinem Bildband lässt Pichler auch die Tätowierten selber zu Wort kommen."Der Schmerz beim Tätowieren, der reißt einen aus der Monotonie und dem Trott. Man spürt sich selbst wieder und empfindet etwas Intensives. Nicht nur beim Stechen, auch hinterher, das ist ja eine Wunde, die verheilt. Dadurch merkt man, dass man noch lebt."  Herr O., 35Anm: Die Zitate wurden nicht immer von den abgebildeten Personen getätigt "Die ganzen Frauenmotive, das war das Verlangen, das man drinnen hatte. Ich meine, was gibt es drinnen? Essen, auch wenn es schlecht ist, Kleidung auch, aber was man nie gehabt hat, das waren Frauen. Und durch diese Sehnsucht wurden sehr viele Frauen tätowiert, in allen Posen, nackt oder mit Peitschen, jede Fantasie wurde da umgesetzt. Aber das ist klar, wenn man zwei oder drei Jahre eingesperrt ist, dann geht die Fantasie durch mit einem. Da hörte man immer, wenn es irgendeine neue Zeitung gab, `Oh, das ist eine fesche Katz, die lass ich mir pecken`. Das war teilweise eine Prestigesache und ein Wettstreit, wer die feschere Frau tätowiert gehabt hat. ... ... Und dann womöglich noch den Namen von seiner Freundin darunter, was oft schmeichelhaft war, aber meistens nicht ganz gestimmt hat." Herr E., 57 "Mit den Tätowierungen konnte man sich ein bisschen von den anderen im Knast unterscheiden. Man muss sich die Situation damals so vorstellen, dass wirklich alle gleich ausgeschaut haben. Der Schmuck, die Uhr, das eigene Gewand, das war alles nicht erlaubt, wir steckten in der Uniform und hatten rasierte Köpfe. Und deswegen hat sich der eine eben Ringe auf die Finger tätowiert, ... ...  der andere den Unterarm voller Rosen und so weiter. Die Tätowierungen wurden dann zu persönlichen Merkmalen, was aber nicht nur uns gefreut hat, sondern auch die Polizei, wenn wir wieder draußen waren."  Herr L., 71 "Ich zum Beispiel habe selber oft tätowiert, aber ich habe nie jemanden tätowiert, der noch keine Tätowierung gehabt hat, weil ich gewusst habe, dass der das sicher sein Leben lang bereuen wird. Da hat es oft so junge Buben gegeben, die gesagt haben, ... ... `geh, mach mir da einen Schmetterling hin` oder so was, und ich habe dann immer gesagt, `na, hast schon wo eines?`, und wenn nichts zurückkam, habe ich’s nicht gemacht. Wenn der schon ein paar Stücke gehabt hat, dann ist es egal gewesen, aber ich habe gewusst, nach dem ersten Stück geht’s immer weiter, da ist’s dann immer so `das, und das auch noch, und da hab ich auch noch einen Platz und da auch noch…`." Herr R., 56 "Auf der Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger, habe ich drei Punkte, die sind das klassische Knasttattoo schlechthin. Als ich sie mir machen lassen habe, wollte ich damit ausdrücken, dass ich aus dem Gefängnis komme und auch dazu stehe. Die drei Punkte sind die drei Affen, also: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Das will die Polizei nicht haben, da ist man dann als Steher bekannt, der nichts preisgibt. In meinem Akt steht auch Steher drinnen, da haben sie gewusst, dass sie aus mir nichts herausbekommen werden." Herr S., 51 "Früher war das Tätowieren hauptsächlich innerhalb der Subkultur verbreitet; Leute, die durch widrige Umstände in Haft kamen, ohne milieugeschädigt zu sein, die ließen sich fast nie tätowieren. Früher gab es ja den klassischen Kriminellen, zum Beispiel Einbrecher, der an normaler Arbeit gar nicht interessiert war. ... ... Der wurde entlassen und ist gleich wieder einbrechen gegangen. Der war in so einem Kreislauf drinnen, dass er andere Sorgen hatte, als dass er sich bei einer Arbeitstelle vorstellen geht, wo die Tätowierungen ein Problem sind. Das geht lange so, aber mit den Jahren wird die Angst vor dem Gefängnis zu groß und irgendwann liegt der dann am Bahnhof, ganz alleine, und weiß nicht mehr weiter. Und wenn er dann beschließt, solid zu werden und in die `normale` Gesellschaft zurückzufinden, dann werden die Tätowierungen zu einem Problem." Herr T., 54 "Bei der ersten Haft habe ich mir nur ein kleines Stück machen lassen, wie ich aber dann für siebeneinhalb Jahre einsitzen musste, habe ich mir gedacht, dass es auch schon egal ist und habe mich komplett zustechen lassen." Herr J., 55 "Meine letzte Strafe war 1977, und wie der Beamte bei der Entlassung zu mir gesagt hat `Auf Wiedersehen, wir sehen uns sicher bald wieder!`, da habe ich geantwortet `Nein, diesmal Grüßgott!`. Und so war es auch. Seitdem habe ich mir nichts mehr zuschulden kommen lassen und versucht, wieder in die Gesellschaft zurückzufinden. Für mich hat es sich mit der Kriminalität, ich wage nicht mehr, jemanden zu betrügen oder zu bestehlen, aus Achtung vor den Anderen und aus Achtung vor mir selbst. Und heute gehe ich mit erhobenem Haupt durchs Leben und es gibt nichts, wofür ich mich schämen müsste." Herr Z., 51 "Wenn man beim Tätowieren erwischt wurde, dann wurde man teilweise streng bestraft. Das kam immer ganz auf den Beamten an, der eine sagte nur `Geh, gebts das weg`, der andere nahm einen mit in den Keller. Tätowieren war ja immer verboten. Im Gesetz steht drinnen, dass Tätowierung nach §27 eine Selbstbeschädigung ist, und Selbstbeschädigung war verboten und wurde mit Korrektionshaft bestraft. ... ... Derjenige, der tätowierte, beging §82, also eine Körperverletzung und wurde ebenfalls bestraft. Also jemanden zu tätowieren und jemanden zu verprügeln war im Grunde genommen der gleiche Tatbestand." Herr J., 55 "Das Tätowieren im Gefängnis ließ sich absolut nicht unterbinden, nicht einmal, wenn es keine Farben und keine Nadeln gab. ... ... Dann machte man sich die Sachen einfach selbst. Zum Beispiel die Farbe, die war oft Russ, Schuhpasta oder Zigarettenasche. Die rote Farbe wurde aus Ziegelstaub gemacht, den man aus den Gefängniswänden herausholte, und dann mit Wasser oder auch Haarshampoo anrührte. Irgendetwas musste man halt dazugeben, damit man den Staub binden kann. ... ... Und die Nadeln waren oft angespitzte Büroklammern, Drahtstücke oder Gitarrensaiten." Herr G., 39 Klaus Pichler: "Fürs Leben gezeichnet - Gefängnistätowierungen und ihre Träger"Fotohof edition, Salzburg, Oktober 2011
(KURIER / moe) Erstellt am
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